Mit „À Meia-Noite Levarei Sua Alma“ begann die Karriere des brasilianischen Filmemachers José Mojica Marins. Und gleich sein erster Film ist ein Knaller.
Der Bestattungsunternehmer Zé do Caixão/Coffin Joe (José Mojica Marins) ist ein Sadist, wie er im Buche steht, aggressiv und egoistisch. Daher ist es auch keiner Wunder, dass alle Bewohner des Dorfes Zé fürchten und hassen.
Als ihm seine Frau Lenita es wagt, ihm am „Heiligen Freitag“ kein Fleisch vorzusetzen, rastet Zé aus und wirft das komplette Essen erst mal quer durch den Raum. Also macht sich Zé selber auf die Suche nach was zu essen. Provokant wie Zé ist, isst er das Fleisch natürlich direkt vor einer Prozession incl. Pfarrer. Für Gott und den Glauben hat Zé nur hohn und Spott übrig.
Zé hat nur einen Freund, Antônio. Zés dringlichter Wunsch ist es, einen Sohn zu bekommen, nur ist Zés Frau nicht in der Lage, Kinder zu bekommen. Und da liegt es für Zé nichts näher, als seine Frau zu töten und es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Zés Objekt der Begierde ist die Freundin von Antônio, Terezinha. Sie soll ihm einen Sohn schenken. Also muss sich Zé wieder was einfallen lassen, wie er erst mal Antônio aus dem Weg räumt. Aber da ist ja auch noch der Arzt Dr. Rodolfo, welcher die nun häufiger auftretenden Leichen obduziert.
Wie lange wird Zé so weitermachen können?
Man muss wirklich sagen, das José Mojica Marins und hier einen Sadisten par excellence vorstellt. Und auch nur durch Zufall stellt auch Marins den Zé do Caixão dar, da diese Person einfach keiner spielen wollte. Uns sind wir ehrlich, es hätte keiner besser machen können als Marins selbst.
Der erste Marins-Film war sozusagen der erste echte Horrorfilm aus Brasilien. Und auch wenn der Film mittlerweile 40 Jahre alt ist, hat er nichts von seiner Faszination verloren.
Marins versteht es wie kein anderer, Schrecken und Gewalt auf die Leinwand zu bringen.
Dazu sind Zés aussagen äußerst provokativ, besonders in einem Land wie Brasilien hat sich Marins mit seinen antichristlichen Aussagen sicherlich nicht bei jedem Freunde gemacht.
Doch auch die Gewalt kommt bei Zé nicht zu kurz. Zwar erwartet den Zuschauer hier kein Splatterfilm oder ähnliche Klamotten, doch der Sadismus und Hang zur Gewalt des Zé do Caixão ist nicht ohne.
Bei einem Kartenspiel, welches Zé kurioserweise mit vier Assen gewinnt, will ein Mitspieler Zé das Geld, welches auf dem Tisch liegt, nicht geben. Was macht Zé? Er zerbricht eine Flasche und hackt seinem Gegenüber damit die Finger ab. Oder bringt einen Mann fast um, der es wagt, sich endlich mal Zé gegenüber zustellen.
Natürlich hatte Marins Film so gut wie kein Budget, und wenn man sich das Interview mit Marins über den Film anhört, so wundert man sich, dass es diesen Film überhaupt gibt, denn Marins hatte es nicht gerade leicht, seinen ersten Zé do Caixão Film zu drehen.
Und trotzdem muss ich sagen, es ist einer der besten Minibudgetfilme, die ich je gesehen habe. Natürlich liegt es an José Mojica Marins schauspielerischer Leistung, die den kompletten Film trägt, aber auch sonst ist die Figur des Zé do Caixão, die man nicht mehr vergessen wird.
Das Ende des Films ist Horror pur, auch dank der Musik- und Sounduntermalung, die hier außerordentlich treffend gewählt ist. Schon im ganzen Film wird man mit dieser Art der Musik berieselt und darf sich auf das Finale freuen. Ein Höhepunkt im Film ist auch ein acht Minuten langer Monolog von Zé, der uns wieder die wahre Natur des Zé do Caixão beschreibt, voller Missachtung vor Gott. Weiter fordert Zé auch noch die Toten heraus, sich doch seiner Seele zu bemächtigen. Schon harter Tobak.
Fazit: José Mojica Marins erster Film ist ohne Zweifel ein Horrorklassiker. Mit einfachsten Mitteln hat uns Marins einen Film beschert, den man so schnell nicht wieder vergessen wird.
Sicherlich wird Marins Film die Meinungen der Zuschauer spalten, für einige wird der komplette Film sicher zu provokativ sein, und Frauen haben bei Zé eh keine gute Stellung.
Ich kann die Zé do Caixão Filme nur empfehlen.