Review

Brazilian Flexing

Wer sich umdreht oder lacht,
kriegt den Buckel vollgemacht.

Von einem Leichenbestatter und Revolutionär,
lang, lang ist dieser brasilianische Kult-Alptraum schon her.

Doch für mich hat er nichts verloren von Faszination und Eigenheit,
dafür war damals ein ganzer Kontinent kaum bereit.

Horror trifft Sozialkritik im Rahmen eines theatralischen Alptraums,
hier sieht man wirklich einen südamerikanischen Großvater des Horrorbaums.

Der Auftakt der sogenannten originalen „Coffin Joe“-Trilogie,
sowas wie ihn gab's weder vorher noch nachher, schlicht nie.

Sicher muss man bedenken Alter, Einfluss und Region,
dass er ist eben ein schattiges Original und kein Klon.

Der Bart, der Hut, die nihilistische Anti-Alles-Haltung,
war das nicht nur eine schallende Schelle für Brasiliens Verwaltung.

Von der Kirche über Frauen bis hin zu Fakern wird ausgeteilt,
kein Wunder, dass diesem Totengräber bis heute ein ganz spezieller Ruf vorauseilt.

Das Gegenteil von Samba, Zauberfussball und Schönwetter,
war dieses Monster, dieser Tyrann und Antiheld für viele damals Retter.

Marins Gothic-Selfmade-Wunder ist Untergrund und Kult,
viele gaben ihm im Lauf der Jahre an Unruhen und Revolutionen die Schuld.

Marins hat sich hiermit unsterblich gemacht, ein Denkmal gesetzt,
selbst wenn ihn manch ein Horrorhead von allen skurrilen Ikonen entdeckt ganz zuletzt.

Da werde ich mit den zwei Fortsetzungen sicher nicht lang warten,
denn selten hat man auf der Hand derart morbide Karten.

Eine Stimmung zwischen Friedhof und Kabarett,
ist dieser Zuckerhut-Terror für mich mehr als nur nett.

Eine ganz besondere Aura, ein Platz in der dunklen Ecke des Olymp,
hockt er da, sabbern, fluchend und bis zur Unmenschlichkeit gekrümmt.

Keine Panik, wenn ihr damit nichts anfangen könnt,
doch seid bitte so fair, wenn ihr diesen exotischen Schmankerl einem altmodischen Horrorfan gönnt.

Fazit: die berühmteste und gruseligste Monobraue Brasiliens - des Coffin Joes erste Schandtaten sind ein Stück für die ewigen Mitternachtskinoannalen. Nicht nur in Südamerika eine Ikone und Legende des Grauens. Etwas angestaubt, aber immer noch faszinierend und one-of-a-kind. Schrecklich schönes, untergründiges Weltkino. Rebellisch, radikal, rauschartig. 

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