...back from the 80ies
Als der Kollege Donis aus den Staaten wiederkam und erzählte „Bride of Chucky“ sei die letzte Grütze, habe ich ihm das auf der Stelle geglaubt. Uuh, Chucky - that’s so much 80ies. B-Horrorgülle, die man nach der ganzen „Schriekende-Teens“-Scheiße nicht auch noch wieder aufgewärmt haben möchte. Chucky’s dead. Das konnte man durchaus akzeptieren, selbst wenn Ronny Yu und Peter Pau, welche bekanntlich unter die unbestrittenen TopTen der Regisseure bzw. Kameraleute dieses Jahrzehnts zählen, sich an dieser Reanimation versuchten. Manchmal will das nicht wirklich was heißen. Ronny Yu und Peter Pau - das steht natürlich für solche Granaten wie „The Bride with White Hair“ und „The Phantom Lover“, aber auch für ein Dünnbrettiges wie „Warriors of Virtue“.
Mit „Bride of Chucky“ bekommt die Qualitätskurve des Yu-schen Filmschaffens wieder eine wahrnehmbare Tendenz hin zu den oberen Werten der Skala. Um aber realistisch zu bleiben - noch ist er ein ganzes Stück von den selbst gesteckten Höchstwerten entfernt. „Bride of Chucky“ unterhält, dient sich mit vielen netten Referenzen an das Genre bei Horrorjunkies an und ist mit einem typischen Hongkong-Gespür für sehr schicke Farb- und Bildkompositionen inszeniert, bietet allerdings bis auf eine der heftigsten „stupid teen gets smashed to pulp by a truck“-Szenen ever nicht unbedingt innovativen und exzessiven Aderlaß. Dafür ist Jeniffer Tilly cute as hell und bleibt auch im Puppenkörper ihr Miststück. Ein Pluspunkt dieses vierten Teils der Chucky-Saga ist aber auch gerade der von vielen bekritelte Humor, die auf den eigenen Kosmos als auch das Horroruniversum generell bezogene Ironie. Eine trockenhumorige, voll im Zeitgeist liegende Abkehr von so ziemlich jedem Tabu der Politischen Korrektheit, die in der Formulierung durch niedliche Puppenmünder noch an Zynismus gewinnt. Wenn Chucky im Wohnwagen der Tilly einen bondagegeilen Marilyn Manson-Lookalike nach der ruppigen Entfernung seiner Gesichts-Piercings massakriert, dann darf – semifaschistoider Holzhammerhumor, okay – gefeiert werden. Und ich setze hier in der Hoffnung, daß es eines Tages einen Directors Cut geben wird - für den man ja auch noch Szenen nachdrehen könnte - schon mal die Spekulation in die Welt, was Chucky wohl angestellt hätte, wären ihm auch die Intimpiercings des Deliquenten aufgefallen. Was, du Kasper, du wolltest das in mein Mädel stecken? Die Betonung liegt hier ganz bewußt auf MEIN Mädchen, denn Chucky, bzw. der in ihm gefangene Geist, ist durch und durch Alte Schule. Nicht Kavalier, nein, Chauvinist. Als die unsterblich in ihn verliebte Tiffany (eben Jennifer Tilly), die Chuckys zerfetzten Puppenkörper mühevoll zusammengeflickt und in einem Voodoo-Ritual wieder beseelt hat, ihm mit Heiratsplänen kommt, kriegt sich der fiese Wicht nicht mehr ein vor Lachen. Natürlich ist Tiffany zu tiefst enttäuscht und bis auf den Grund ihres auch nicht gerade weichen Herzens verletzt. Sie sperrt Chucky in ein Krabbelgitter und entlädt ihren Frust in Demütigungen, die selbst den harten Chucky auf die Palme bringen. Als sie ihm dann noch ein stumme, leblose und zudem ziemlich häßliche Puppe im Brautkleid als Freundin in den Käfig wirft, ist das Maß voll und Chucky organisiert seinen Ausbruch. Die Rache ist grausam und auch der Tod ist nicht die Erlösung. Denn auch Tiffanys Seele bekommt einen Puppenkörper. Nunmehr in der gleichen unschönen Lage, machen sie sich gemeinsam auf die Suche nach neuen menschlichen Körpern und einem Amulett, das die ganze beschissene Seelenwanderung umkehren kann. Die beiden jugendlichen Ausreißer Jade (Katherine Heigl) und Jesse (Nick Stabile) werden ihre Opfer, Sündenböcke und unfreiwilligen Helfer. Es beginnt eine unterhaltsame Tour de Schock mit, ich erwähnte es, nicht unbedingt vielen blutigen Highlights.
P.S. Im Original wird Chucky von Brad Dourif gesprochen. Davon habt ihr natürlich nichts.