Silentium = Halt's Maul
Das lernt man in Wolfgang Murnbergers neuestem Film. In diesem wird zu Beginn ein junger Mann getötet. Was aber niemand weiß, außer den beiden Mördern. Die Frau des Opfers glaubt jedoch auch nicht an einen Selbstmord und heuert schließlich den Privatdetektiv Brenner, dem sie zufällig mehrere Male begegnet, an, damit dieser dem Mysterium auf den Grund geht. Es dauert auch nicht lang und schon ist Brenner auf einer heißen Spur. Auf der Spur nach einem düsteren und grausamen Geheimnis...
Die Österreicher sind für ihren kurzen und trockenen Humor nur allzu bekannt. Das wird in "Silentium" auch gar nicht groß geleugnet, sondern so gut wie jede Szene, in der Brenner einen Auftritt hat, wird mit einem prägnanten Spruch beschrieben. Brenner hat jedoch auch nicht viel zu verlieren. Er hat kein zuhause, sein Kopf schmerzt andauernd aus verschiedensten Gründen, er geht eher mürrisch durchs Leben und dann wird er zu allem Überfluss auch noch von einer Kaufhauskette, für die er als Privatdetektiv gearbeitet hat, entlassen, da er angeblich während seiner Arbeit eine Frau sexuell belästigt hat.
Er zögert jedoch nicht lange, das Angebot der Witwe anzunehmen und Licht ins Dunkel zu bringen, ob dieser junge Mann jetzt den Freitod gesucht oder ihn jemand ums Leben gebracht hat. Seine Frau meint ja letzteres, wurde er doch als kleines Kind vom Erzbischof von Salzburg sexuell genötigt. Daher sollen nun Mitglieder eines hiesigen, äußerst christlichen Internats diesen Jungen beseitigt haben, damit dessen Geheimnis nicht an die Öffentlichkeit kommt.
Die Geschichte lässt sich dabei aber Zeit. Mit mehr Glück als Verstand arbeitet sich Brenner immer tiefer in den Sumpf des Internats vor. Nicht immer ist es seinen hervorragenden, detektivischen Eigenschaften zu verdanken, wenn er und sein treuer Wegbegleiter Berti wieder eine neue Fährte aufgenommen haben. Hier bekommt man die komödiantische Seite des Films zu spüren. Berti, ein Fahrer des Rettungsdienstes, wird mehr oder weniger mit in den Fall mitreingerissen und ist sofort voll bei der Sache. Dass es um Leben udn Tod geht, ist den Beiden wohl mehr als bewusst, doch gehen sie mit so einer Leichtigkeit an die ganze Sache heran, dass das wirklich zum Schmunzeln einlädt. Berti, der eigentlich Besseres zu tun hat, schließt sich einfach seinem Kumpel Brenner an und versucht, das düstere Geheimnis um das Internat und dessen Duschraum namens "Silentium" zu lüften. Man erfährt auch relativ bald, dass die Verantwortlichen dieses Internats wirklich Dreck am Stecken haben und es sehr verwunderlich ist, wieso Einrichtungen wie ein Hallenbad für 2,5 Millionen erbaut wird, wenn das Internat nur 33 Mitglieder vorzuweisen hat. Brenner und Berti sind sich schnell einig, dass da was faul ist und Brenner schleust sich dann ins Internet ein, da dieses Obdachlose mit Speis und Trank unterstützt. Als Landstreicher getarnt macht er somit erste Entdeckungen und als das Hausmädchen Ding zufällig eine illegal eingeschleuste junge Frau entdeckt ist klar, dass hier ein schmutziges Spiel gespielt wird.
A propos schmutzig. "Silentium" ist nicht nur komödiantisch hervorzuheben, sondern bietet vor allem gegen Ende doch die ein oder andere richtig derbe Szene. Es muss nicht immer brutal sein oder minutenlang alles gezeigt werden, oft sind es die Anspielungen, die viel grausamer sind. So die eine Szene mit dem Möchtegern-Opernsänger und der minderjährigen Prostituierten. Das ist schon harter Tobak und hat man in der Form sicherlich noch nicht so oft gesehen in einem herkömmlichen Film. Gut, sehen tut man hier ja auch nicht viel, doch die Anspielung allein reicht, um höchste Antipathien gegenüber dem Internat zu entwickeln. Denn eigentlich hat so gut wie jeder der Internatsleiter mächtig Dreck am Stecken und einen an der Waffel. Selbst alten Freunden kann Brenner nicht mehr vertrauen.
Der Film verbindet somit geschickt den pechschwarzen und sarkastischen Humor mit düsteren, spannenden und vor allem teilweise schon drastischen Szenen. Paradebeispiel dürfte die Andacht sein. Als der Priester die Anwesenden des Gottesdienstes bittet, sich gegenseitig die Hand zu geben und sich den Frieden zu wünschen und dann einer der Internatsschüler hereingeplatzt kommt, zusammen mit seiner grausigen Entdeckung, die er gerade gemacht, in der Hand. Solche Szenen gibt es zuhauf, schon allein der Nihilismus, den Berti und Brenner an den Tag legen, ist sehr unterhaltsam. Wenn man diese Beiden bei ihren Ermittlungen so sieht, könnte man fast meinen, es handle sich um eine Art von Kindergeburtstag, auf dem sie sich finden. Dass es um böse Machenschaften seitens des Internats und um Leben und Tod geht, das scheint ihnen eher egal zu sein. Doch andererseits hat Brenner diesen Instinkt eines Detektives, dass er doch wissen will, was wirklich hinter allem steckt, hat er erstmal eine erste Spur.
"Silentium" ist Komödie, Krimi und Thriller zugleich, der sowohl mit lustigen als auch recht düsteren Szenen nicht geizt, aber vor allem auch höchst sympathisch wirkt. Was teilweise stört, ist die doch recht beachtliche Lauflänge von knappen 2 Stunden. Daher ist nicht immer alles so unterhaltsam, wie man es gern hätte. Aber richtige Längen kommen nicht auf.
Wenn man den richtigen Humor hat und auf den etwas anderen Film steht, ist "Silentium" eine sehr gute Wahl. Für alle anderen könnte er wohl jedoch eher zur Geschmackssache werden.
8/10 Punkte