Review

Dreckig, österreichisch, gut

„Silentium“ ist der zweite Brenner-Krimi und noch besser, überraschender und geistesgegenwärtiger als „Komm, süßer Tod“ vier Jahre zuvor. Beide können vollkommen eigenständig geguckt und genossen werden. Dieses Mal befindet sich der Ex-Detektiv Brenner in Salzburg und schlägt sich als Kaufhauscop eher schlecht als recht rum - bis er und sein Kumpel Berti durch einen scheinbaren Selbstmord in einen Sumpf aus Lügen, Morden und Geheimnissen der oberen Zehntausend der Stadt gezogen werden…

Hier kriegen alle ihr Fett weg!

Für mich ist „Silentium“ der bis heute beste Brenner-Querschläger. Mit seiner religiösen Bildsprache, wie hier mehrere faule Ebenen der österreichischen Gesellschaft seziert werden, das Zusammenspiel von Brenner und Berti, die abwechslungsreichen Schauplätze und Einfälle, die graue, noir'ische Optik, die scharf geschliffenen und trotzdem authentisch-schmoddrigen Dia- und Monologe. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass „Silentium“ einer der besseren europäischen Thriller seit der Jahrtausendwende ist. Düster, dreckig, biermakaber. Nie gekünstelt, immer echt. Nicht bösartig, sondern ehrlich. Lakonisch und morbide, marode und viele Tode. Ein Kreuzigung aus Charme und Schlawiner, ein Dornenkranz der Döserei. Zeitlos gut. Zwischen Telefonen mit Wählscheiben und grünen Lederjacken. Auf den Spuren von „Chinatown“. Beiläufig genial. Von Natur aus hartgekocht. 

Wien entflieh'n mit Spleen

Fazit: kein Stillschweigen nötig - „Silentium“ ist einer der besten und düstersten, schwarzhumorigsten und speziellsten deutschsprachigen Krimis aller Zeiten und wohl das Kronjuwel in der eh starken, recht ausgeglichenen Brenner-Reihe! 

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