Das zweite Dracula – Schauerstück aus dem Hause Hammer ist eigentlich gar kein richtiger Dracula – Film. Denn bemerkenswerterweise verfiel man bei der ersten Fortsetzung des 1958er „Dracula“ noch nicht auf die Idee Graf Dracula auferstehen zu lassen. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sich Christopher Lee damals noch zierte den Grafen noch ein weiteres Mal zu spielen. Jedenfalls erklärt eine bedeutungsschwere Stimme zu Beginn dieses Films, dass Graf Dracula tot ist, seine Nachkommen jedoch weiterhin ihr teuflisches Spiel treiben. Und schon sehen wir eine Kutsche durch einen düsteren, Nebel – verhangenen Wald rasen. Laut Einleitung soll der Film in Transsylvanien spielen, doch die Aufschriften an der Kutsche lassen eher auf den bayrischen Wald schließen. Die Insassin dieser Kutsche ist die Hauptdarstellerin des Films, die man alsbald als rothaariges Blondchen kennenlernen wird. Natürlich verpasst sie ihre Kutsche als sie im nächsten Wirtshaus zu lange herumplaudert und gerät sodann an die falsche Person (eine finstere Baronin), die sie ins entlegene Schloss bringt.
Im Detail verläuft die weitere Handlung tatsächlich etwas anders ab als man vielleicht erwartet, aber das Spielen mit den Erwartungen war auch eine der Qualitäten, die die Hammer – Produktionen in den besten Fällen aufwiesen. Zumindest kann unser Rotschopf nach dem ersten Vampiropfer aus dem Schloss entkommen und jetzt erst tritt auch Peter Cushing alias Dr. Van Helsing auf den Plan (die einzig wirkliche Verbindung zum ersten „Dracula“). Der nimmt sich des Problems in gewohnt kompetenter Weise an und kann letztlich auch dem neuen Obervampir den Garaus machen.
Hie und da wird „Dracula und seine Bräute“ als der beste der Hammer – Draculas bezeichnet. Dagegen spricht, dass der gewohnt stark agierende Peter Cushing im jungen David Peel einen eher blassen Gegenspieler hat, der Christopher Lee nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Außerdem mag die bloße Abwesenheit des Blut saugenden Vampirfürsten manch eingefleischten Fan ein Dorn im Auge sein. Mann muss allerdings auch den deutschen Titel kritisieren, der eindeutig das Vorhandensein von Dracula impliziert, was der Originaltitel „Brides of Dracula“ nicht unbedingt tut. Für die Tatsache, dass dies der Beste ist, spricht zum einen die etwas bessere Filmmusik, die auch einige recht stimmige Orgeleinlagen beinhaltet, und die Tatsache, dass der Film in Sachen Atmosphäre und Spannung seinem Vorgänger im nichts nachsteht. Auch hier saß Terence Fisher wieder auf dem Regiestuhl.
Die Zahl der Personen und Schauplätze hat sich ein wenig erhöht. Auch die Requisiten der wunderschönen Kulissen scheinen zahlreicher geworden zu sein, was das Ganze noch etwas aufwertet.
In Sachen Gewalt geht dieser Film noch nicht viel weiter als der Vorgänger, obwohl es zum Schluss immerhin eine nette „Gesichtsverätzung“ (oder „Was passiert, wenn Vampir Weihwasser ins Gesicht kriegt“) gibt.
Für einen Schuss Humor sorgt hier wieder Miles Mellison, der schon im ersten „Dracula“ als witziger Bestattungsunternehmer für einen Lacher gut war. War wohl offenbar der Haus – Komiker der Hammer – Studios, denn in „Der Hund von Baskerville“ / „The Hound of the Baskervilles“ (1958) spielte er ebenfalls mit. Und in allen drei Fällen hat er die Rolle gleich angelegt. Hier spielt er einen Pillen- und trunksüchtigen Arzt, den die mysteriösen Ereignisse des Films offenbar herzlich wenig interessieren.
Die Art wie Van Helsing den Vampir diesmal zur Strecke bringt ist auch irgendwie originell, aber wer das Ende des Grafen Dracula nicht mochte, wird auch dieses hier nicht mögen.
Spoiler:
Die wohl bemerkenswerteste Tatsache ist die, dass hier sogar Van Helsing selber gebissen wird und sich den Biss „in einem Akt ungeheurer masochistischer Stärke“ (Zitat aus irgendeinem Filmbuch) mit einem glühenden Eisen ausbrennt und mit Weihwasser begießt.
Spoiler Ende
Im Übrigen ist dies der einzige Hammer – Dracula (soweit ich weiß) der erwähnt und zeigt, dass Vampire kein Spiegelbild haben und der einen Vampir hat, der sich in eine Fledermaus verwandeln kann (nette Marionette übrigens, man sieht zwar die Drähte meist nicht, aber ihre Bewegung macht sie leicht identifizierbar). Das mit dem Spiegelbild wird bei den anderen Dracula – Filmen zwar nie erwähnt, es wird dem aber auch nicht widersprochen.
Insgesamt ist „Brides of Dracula“ ein ähnlich gelungenes Schauerstück wie sein Vorgänger. Für Fans des klassischen Gothik – Horror unbedingt sehenswert.
8 / 10