Im Jahre 1957 drehte der Regisseur Terence Fisher zusammen mit Peter Cushing und Christopher Lee den Film „Dracula“, der fortan ein Aushängeschild für das Hammer-Studio sein sollte. Knapp drei Jahre später machte sich nun eben jener Regisseur wieder zusammen mit Peter Cushing ans Werk und herausgekommen ist die Fortsetzung „Dracula und seine Bräute“.
Auf dem Weg zu ihrer neuen Anstellung in einem Mädcheninternat landet die junge Marianne auf dem Schloss der Gräfin Meinster. Durch Zufall entdeckt sie deren Sohn in einem abgelegenen Winkel des Gebäudes- angekettet und nicht fähig sein Zimmer zu verlassen. Aus Mitleid hilft sie ihm seine Ketten zu entfernen und befreit so den Vampir. Diesem fallen neben seiner Mutter fortan Mädchen aus der näheren Umgebung zum Opfer und nur einer scheint ihm Einhalt gebieten zu können- Dr. van Helsing…
Nach dem sehr guten Vorgängerwerk scheint dieser Film an etlichen Schwächen zu leiden, die es ihm nicht möglich machen, als gelungene Fortsetzung durchzugehen.
Zum einen fällt der Film durch eine besonders langatmig wirkende Inszenierungsweise negativ auf. Wir vergeuden fast die kompletten ersten dreißig Minuten, bevor der Film zum springenden Punkt- der Befreiung des Vampirs- kommt. Bis dahin wird die Zeit mit mehr oder weniger belanglosem Geplauder und anderen Nebensächlichkeiten gefüllt, so dass das Weitergucken ein wenig zur Geduldsprobe verkommt. Dabei scheint die gute Marianne Danielle besonders zu Anfang mit einer Gott gegebenen Naivität gesegnet zu sein, der es zu verdanken ist, dass man ihr fast alles auftischen und so erst das Unheil seinen Lauf nehmen kann. Dem ganzen weiteren Film mangelt es an ordentlich aufgebauten Spannungsmomenten. Weder die Auftritte Draculas, noch die seiner weiblichen Brut sorgen auch nur im Geringsten für ein Gruseln beim Betrachter, wie es beim Vorgänger der Fall war. Darunter leidet dann die sonst schon stark kränkelnde Atmosphäre des Films, die in diesem Werk praktisch nicht vorhanden ist. Da kann dann auch das Ende des Films in der alten Mühle nicht mehr die Kohlen aus dem Feuer holen. Es besitzt im Grunde ein paar nette Ansätze, wie zum Beispiel den beinahe zum Vampir werdenden Doktor van Helsing und die damit einhergehende Austreibung per glühendem Eisen. Dies, genauso wie die zum Kreuzersatz umfunktionierten Mühlenblätter lassen leichte Hoffnungsschimmer aufkommen, werden dann aber durch den unmittelbar folgenden Abspann wieder zunichte gemacht.
Als weiteren Schwachpunkt des Films lässt sich dann die Schauspielerbesetzung ausmachen. Da stellt sich dem aufmerksamen Zuschauer direkt die Frage, wo der im Titel erwähnte Graf Dracula nur abgeblieben ist, denn von eben jenem und somit auch von Christopher Lee fehlt hier jede Spur. Stattdessen erleben wir den jungen David Peel in der Rolle des blutsaugenden Baron Meinster, dem einfach die Aura eines Lees abgeht. Was Peel hier abliefert mag durchaus bemüht sein, stellt jedoch im weiteren Sinne nichts anderes, als einen Kampf gegen Windmühlen dar, denn an die Klasse seines Vorgängers reicht er beim besten Willen nicht ran. Er besitzt weder die nötige physische Ausdruckskraft noch die schauspielerische Intensität, um seiner Rolle gerecht zu werden. Beim restlichen Cast verhält es sich ähnlich düster, obwohl man meint, den Namen Peter Cushing auf der Besetzungsliste gesehen zu haben. Was dieser aber in diesem Machwerk abliefert, ist nichts weiter als ein Schatten seiner Selbst. Sein Spiel wirkt blass und emotionslos und dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Verlauf des Films und das, obwohl man nach dem kläglich enttäuschenden Peel seine letzte Hoffnung auf Cushings Auftritt gesetzt hatte. Darüber kann dann auch das Auftauchen solch vermeintlich schrullig lustiger Charaktere wie der des Dr. Tobler (Miles Malleson) nicht hinwegtrösten, dessen Rolle man vermutlich zur Auflockerung in den Film eingebaut hat.
Insgesamt ein unwürdiger Nachfolger, der –man möge mir diese platte Phrase verzeihen- an akuter Blutarmut leidet.