Ein wunderbar fotographierter, sehr spannender jedoch natürlich auch altmodischer Grusler aus den Hammer-Studios, der mitunter die schönsten Sets überhaupt etwas zu zurückhaltenden Dialogen unterordnet.
Auf Draculas Schloss geht tierisch die Post ab, als die Madame, ihre Dienerschaft und ihr "verrückter" Sohne Besuch von einer knackigen Wuchtbrumme bekommen, die stets so schläft, dass ihre Atomfrisur nicht durcheinander kommt.
Die Darstellerin der Madame ist Gold wert, die legt richtig los! Überhaupt sind die Darsteller nicht weiter problematisch. Nur dass einem ein Christopher Lee doch schmerzlich fehlt.Wie erwähnt gehört der Film zu den am allerbesten gefilmten Hammer-Produktionen, und das heißt wirklich was. Zudem ist die Ausstattung wirklich wundervoll, auch was die Trickaufnahmen mit den waghalsigen Aufnahmen des Schlosses angeht.
Dass der ursprüngliche Vampir-Mythos hier stark variiert wird durch das bizarre Schwiegermutter-Geflecht wirkt zunächst den Old-School-Fans gegenüber etwas unpassend, doch schon bald merkt man, dass der Streifen zwar nicht der reinste Horror ist, aber wirklich überdurchschnittlich starke Spannungsszenen hat, was durch einen atemberaubenden Soundtrack unterstützt wird. Anstelle von "Monsterszenen" sind es hier die wunderbaren Momente, die zwischen den Abständen im Schloss erzeugt werden: seltsame Personen, seltsames Benehmen und bizarre Momente bestimmen das Geschehen.Auch wenn vielen "modernen" Horrorfans ein Mutter-Sohn-Konflikt als Grundlage für einen Vampirfilm schwach klingen mag, kann ich nur betonen, dass DIESE Nummer hier ganz großer Trubel ist! Bald schon heulen die Wölfe und die abergläubischen Zigeunerinnen wetzen ihre scharfen Zungen - das Böse ist mal wieder auf Brautschau!
Besonders gut hat mir der Monolog gefallen, den die alte Greta mit der toten Mutter führt und dem Zuschauer dabei die eigentliche Vorgeschichte erzählt.Kaum ist die Mutter wech, wartet schon der große Peter Cushing auf seinen Auftritt, sophisticated, cool und smart wie eh und je.
Dass der Streifen auch in den Außenaufnahmen überzeugt, ist ein Anzeichen dafür, dass er noch aus einer finanziell ergiebigen Zeit der Hammer-Studios stammt.Zwar kann man nicht verbergen, dass nach einem tollen Anfang einige längere Durchhänger kommen, doch einige unvergessliche Szenen, z.B. wenn die alte Greta auf dem Fiedhof eine vampirisierte Jungfrau vor den Augen des Cushing aus dem ungefähr zwei Zentimeter tief eingegrabenen Sarg herbeischwört, lassen den positiven Eindruck dominieren.
Auch den Vampiren gelingen mit ihrem gewohnten Minimal-Make-up teilweise schön horrible Momente.Was dem Film etwas abgeht, sind seine sadistischen Momente. Zwar gibt es hier wohl zum einzigen Mal einen Dracula, der seinen Widersacher mit einer schweren Kette würgt, aber das schien eher eine Hingabe an die wenigen actionorientierten Szenen zu sein. Geschnetzeltes gibt es auch nur in den obligatorischen Pfähl-Szenen. Letztlich haben die Untoten dem Van Helsing kaum etwas hingegen zu setzen, wenn er sein Kreuz trägt.
Unvergesslich jedoch jene Szen, in der Van Helsing gebissen wird, sich die Wunden aber kurz vor dem (Un)Tod mittels glühendem Eisen wegbrennt.Sehr grausig sieht am Ende auch das Gesicht des Weihwasser-Gebrandmarkten Grafen aus. Ebenso ist der Schlussgag mit der zum Kreuz gedrehten Windmühle eine tolle Idee.
Am Schluss brennt alles.Fazit: Dracula ist tot, lang lebe sein blonder Sohnematz!