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Zwei Jahre nach dem bahnbrechenden „Dracula“ der britischen „Hammer Film Productions“ mit Christopher Lee in der Hauptrolle saß Terence Fisher 1960 erneut auf dem Regiestuhl, um eine erste Fortsetzung zu drehen, die leider ohne Christopher Lee auskommen musste. Insofern sind sowohl der deutsche als auch der Originaltitel („Brides of Dracula“) irreführend, denn Dracula kommt hier nicht vor. Stattdessen dreht es sich um einen jungen Baron Meinstner, im Prinzip gar nicht so verkehrt gespielt von David Peel, dem nur leider das Erhabene eines Christopher Lee vollkommen abgeht. Man könnte meinen, dass man diesen Umstand durch eine Ausstattung und Kulissengestaltung auszugleichen versucht hätte, die üppiger als im Vorgänger wirken und hervorragende äußere Rahmenbedingungen für einen zünftigen Gothic-Grusler schaffen. Denn genau das ist „Dracula und seine Bräute“ im Prinzip; wer stattdessen aufgrund des Titels verschärfte Sleaze-Attacken erwartet, liegt falsch und sollte sich im späteren „Hammer“-Programm umsehen. Fishers Film ist weitestgehend unerotisch und verlässt sich etwas zu sehr auf seine Darsteller, die in ihrer Geschwätzigkeit und am Rande zum Overacting angelegten Rollen ein Kontrastprogramm zum ruhigen und besonnenen Peter Cushing bilden, der als Vampirjäger van Helsing glücklicherweise mit von der Partie ist. Ebenfalls bekannt aus „Dracula“ ist Miles Malleson, dessen komödiantische, kauzige Nebenrolle als fragwürdiger Dorfarzt wieder voll meinen Humor trifft. Doch zu meinem Bedauern hapert es in dieser nicht gerade wenigversprechenden Konstellation an der inneren Logik des Drehbuchs bzw. der Filmreihe: Entgegen der noch in „Dracula“ getroffenen Aussagen van Helsings können sich Vampire nun doch in Fledermäuse verwandeln (in gar putzige Modelle zumindest…), Marianne (Yvonne Monlaur als naives Püppchen, das ausgerechnet eine Lehrerstelle antreten möchte) zeigt kaum Verwunderung ob des Todes der Mutter des Barons und macht im Verlaufe des Films keine nachvollziehbare Entwicklung durch, die sie möglicherweise zunächst als Zweiflerin und später als Feindin des Barons gezeigt hätte, Vorhängeschlösser fallen ab, ohne dass man erfahren würde, weshalb, und zu beobachten, wie im urigen Wirtshaus permanent zu Essen und zu Trinken geordert wird, ohne auch nur einen Bissen oder Schluck davon zu nehmen, macht mich ganz wahnsinnig! Doch da wäre ja noch Cushing, der einige starke Szenen zugeschrieben bekam, z.B. die selbständige Behandlung eines Vampirbisses, die auch heute noch manch Zuschauer zusammenzucken lassen dürfte. Auch das Finale ist nicht von schlechten Eltern, punktet mit gelungenen Make-up-Effekten, Action und guten, kreativen Einfällen. Unterm Strich also eine Fortsetzung mit vielen guten Ansätzen, die leider ziemlich unausgewogen wirkt, aber dennoch keinen Freund dieser Art Filme zu sehr enttäuschen sollte – dafür sorgt natürlich wie üblich ein nicht näher zu definierender Wohlfühlfaktor.

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