Sexy Styleüberbiss
Dracula ist tot. Lange lebe Dracula?! Ganz so einfach ist das nicht, denn in dem storytechnisch alleinstehenden „Brides of Dracula“ der Hammer Studios in der Nähe ihres Zenits macht die Vampirseuche vor einem kleinen deutschen (?) Dörfchen und seinen vor allem weiblichen Bewohnerinnen und Besucherinnen nicht halt, obwohl eine düstere Stimme aus dem Off zu Beginn eigentlich verlautbaren lässt, dass der Fürst der Finsternis bzw. die Wurzel des Übels nicht mehr sei…
„Brides of Dracula“ braucht sehr lange bis wir Beißerchen zu Gesicht bekommen. Gefühlt locker 65% seiner gesamten Laufzeit. Doch 1. fesselt er einen auch schon während seiner ersten „Halbzeit“ ordentlich mit Atmosphäre, Kostümen, Dekors, Farben und wunderschönen Frauen. Und 2. lässt er dann in seiner letzten halben Stunde doch noch die ein oder andere sexy Vampirella und flatterhafte Fledermaus aus dem Sarg. Dass er im deutsprachigen Raum spielen soll ist lustig. Auf Peter Cushing als Van Helsing ist eh Verlass, die Rolle muss er da bereits auswendig gekonnt haben, jedoch ohne je in den Autopilot zu fallen. Und das Make-Up, vor allem die blutunterlaufenen Augen der Vampire, kann sich echt sehen lassen. Plus das Finale in einer gotischen Windmühle (bei der man fast eher an Frankenstein denkt) ist feurig und für Hammer-Verhältnisse fast als furios zu bezeichnen. Da verschmerzt man einen etwas blond-blassen Dracula-Verschnitt und eine äußerst lächerliche „Lösung/Rettung“ für einen eigentlich überraschenden Beisserfolg an Van Helsing. Vor allem Andree Melly in ihrer Nebenrolle hat mich mit ihrer mysteriös-düsteren Schönheit verzaubert - von der würde man(n) sich gerne anknabbern lassen! Sie hätte auch in Mario Bavas Filmographie ideal gepasst zwischen Barbara Steele und Elke Sommer. Ich würde (noch) nicht behaupten, dass ich die absolute Mehrheit an Hammer-Produktionen kenne, sodass ich nicht hundertprozentig sagen kann, ob „Brides of Dracula“ zur dortigen Creme de la Creme gehört - aber gut, theatralisch und feinstoffig ist er in jedem Fall!
Fazit: selbst wenn „Brides of Dracula“ seine Schwächen und Längen hat - die Kostüme, die bissig-hübschen Damen, Peter Cushing, einige Lacher und eine opulente Ausstattung + Atmosphäre machen ihn zu einem Schmankerl - zumindest für Fans der Hammer Studios!