Mein gestörtes Verhältnis zum Mannschaftssport basiert neben einer Abneigung gegenüber lächerlichen Popkultur - Patrioten vor allem auf einer Allergie gegen meine Sportlehrer, denen allen eines gemeinsam war: der verkappte hang zum Sozialdarwinismus. In kurzen Worten: Bist du gut im Fußball bist du ein besserer Mensch als deine Mitschüler! Wenn nicht: Schade, kleiner Körperklaus. Versuch's im nächsten Leben nochmal. Von daher war "Die Sportskanonen" mit 12 ein richtiger herrlicher Befreiungsschlag, weil hier 1. die Unsportlichen den Film rocken und 2. das gesamte pseudoreligiöse Fandom anhand einer fiktiven Sportart völlig durch den Kakao gezogen wird. Einen sehr süßen Kakao mit viel, viiiiieeeeel Zucker. David, um genau zu sein.
Das bringt mich auch zum zweiten Punkt, warum ich diesen Film als Jungspund geliebt habe: Der Humor. Wie wir alle wissen waren die späten Neunziger das Assijahrzehnt und von daher war ich von der Grundschule an auf alles geschmacklose, schwarzhumorige fixiert, was das Mindestniveau von "Austin Powers", "Mystery Men" und "Verrückt nach Mary" noch unterkellerte. Und darin ist Comeyikone Zucker, geistiger Mitvater der "nackten Kanone" nunmal ein wahrer Meister, der diesen Film seinen Hauptdarstellern - "South Park" - Erfinder Trey Parker und Matt Stone - auf den Leib schneiderte. Mit 12 lachte ich mich schief is zum erlösenden Zwerchfellriss. Bei letztmaliger Sichtung vor ein paar Wochen leider weniger. Aber die Schuld daran will ich dem Film nur ungerne geben. Aus Prinzip schon nicht.
Die Loserstudies Cooper und Remer haben es trotz Collegeabschluss nicht sonderlich weit im Leben gebracht und teilen sich in einem Vorort eine verranzte kleine Bude und die Erinnerungen an ein Baseballspiel mitsamt gefangenem Ball von Ikone Reggie Jackson als einziger Trophäe im Schrank. Die Wendung erfolgt im Nachgang einer Party, auf die beide sich mal wieder selbst eingeladen haben, im Streit mit zwei Sportassen: um die anwesenden Damen zu beeindrucken und den Schulchads etwas Geld aus der Tasche zu ziehen improvisieren die beiden Kumpels ein neues Regelwerk, dass Basketball und Baseball mischt und um eine psyhologische Komponente bereichert: mittels Beleidigungen und gewissen Ekelhaftigkeiten darf ein Spieler versuchen, seinen Gegner zu sabotieren.
Der neue Sport erfolgt sich bald lokal so großer Beliebtheit, dass die beiden mit dem geschassten Postboten Wichsi zusammen eine Mannschaft gründen und mit Hilfe des sportbegeisterten Multi - Millionärs Ted Denslow zusammen eine professionelle Liga aufstellen, an deren Spitze sich die "Beers" genannte Mannschaft bald kämpft. Die gutmütige Pädagogin Jenna, die mit schwerstkranken Kindern regelmäßig Ligaspiele besucht gerät dabei im Laufe des Filmes romantisch zwischen die verhärteten Fronten der beiden Besties und Mannschaftsbesitzer Baxter Cain versucht, die beiden Streithähne mittels Merchandiselizenzen und anderem Kommerzfirlefanz gegeneinander aufzuhetzen. Im Grunde genommen also ein klassisches Sportdrama.
Nur mit weitaus weniger Niveau und weitaus mehr Sexwitzen, Geschlechtskrankheiten und politischen Inkorrektheiten als der durchschnittliche Kinobesucher überhaupt aufzählen kann. Gags nach dem patentierten Doppel - Zucker - / Abrahams - Rezept laufen hier kiloweise das Fließband hinunter. Leider ist bei einigen der Scherze die Pointe obschon zum damaligen Zeitpunkt neu meilenweit vor dem Eintreffen sichtbar, wobei tendenziell die Szenen zwischen den Spielen betroffen sind. In den Spielen selber wiederrum entfaltet der Film sein vollstes anarchistisches Humorpotenzial mit der Sprengkraft eines von der Zuschauertribüne gepfefferten randvollen Bierbechers: Namen und Konzepte der einzelnen Teams sind relativ einfallsreich, die Psycheouts teilweise recht widerlich: Klistierwitze und Schwulenwitze sind da noch vergleichsweise harmlose Lausbubenstreiche, wenn einige Momente später abgesaugtes Fett aus Marlon Brandos Arsch verköstigt oder anderweitig der blanke Ekel als Humorwerkzeug - in dem Fall wohl ein Vorschlaghammer - herangezogen wird.
Leider besteht der Film nicht komplett aus den launigen Spielen und schöpft die wenigen Runden im Film auch eher geringfügig aus. Nicht, dass ich einen Film nur aus einem Turnier bestehend vorziehen würde, aber ein paar Runden mehr hätten es ruhig sein können. Lobend erwähnen möchte ich jedoch, dass Herr Zucker sich seinen beiden Hauptakteuren in der Art des Drehbuches vollkommen angepasst hat, ohne dabei seine eigene Handschrift vollkommen zu verleugnen, Jahrelang dachte ich, es handle sich um eine Parker / Stone - Drehbuchleistung, bis ich dann endlich mal meine Aufmerksamkeit auf die Credits richtete und feststellte, dass der "Kentucky Fried Movie" - Mitverbrecher verdammt nah an den beißenden Sout Park - Humor ran kommt.
Es tat gut, den Film mal wieder zu sehen und ein paar Erinnerungen aufzufrischen. Dennoch muss ich zugeben, dass ich trotz einiger solider Lacher den richtigen zwerchfellkrampf der frühen 2000er nicht mehr spüren konnte. Da ich durchaus mit Parker, Stone und Zucker sympathisiere und in Sachen Humor durchaus auf der Seite des Klamauks stehe muss ich gestehen, dass einige Gags mich nicht so abgeholt haben, wie sie sollten. Gerade Nebenfigur Wichsi tut einem irgendwann mehr leid als dass sein Pech einen noch zum lachen bringt. Da ich die drei Herren seit meiner Kindheit als komödiantische Genies verehre lässt mein Unmut sich nur durch die vergangene Zeit erklären: Ich bin halt im Gegensatz zum Film schlecht gealtert.