Willkommen im Wohnzimmer von Boris Becker! Willkommen in Wimbledon! Nein, keine Angst, unser aller Bobbele hat diesmal in „Wimbledon“ keinen Auftritt. Glücklicherweise. Stattdessen übernehmen Paul Bettany und Kirsten Dunst Rollen auf dem Center Court und spielen sich in die Herzen der Zuschauer.
Peter Colt (Paul Bettany) ist ein abgehalfterter Tennis-Profi, der seine besten Jahre bereits hinter sich hat und in diesem Jahr zum letzten Mal mittels ein Wildcard in Wimbledon starten will, bevor er seine Karriere offiziell beendet. Bereits vor Turnierbeginn lernt er die amerikanische Tennis-Hoffnung Lizzy Bradbury (Kirsten Dunst) kennen und die beiden beginnen eine Romanze. Während die Liebe Peter beflügelt und von einem Sieg zum nächsten bringt, bekommt Lizzy immer größere Probleme, nicht nur mit ihrem Vater (Sam Neill)…
Der Sportfilm ist Zeit seines Lebens eine optimale Plattform, um Spannung, Dramatik und Leidenschaft darzustellen und das Publikum so für einen Kino-Abend vollends zu fesseln. In der Regel waren es jedoch bisher immer die „schmutzigen“ Sportarten wie Football, Baseball oder Eishockey, die sich ihren Weg auf die Leinwand bahnten. Diesmal sollte es die weiße Sportart – das Tennis – sein, die versuchen sollte, Spannung aufzubauen. Und es klappt. Es klappt sogar so gut, dass es erträglich ist, dass rund um die Szenen vom Tennis-Court neben der Außenseiter-Geschichte eine Lovestory erbaut wurde. Und so lernen wir den vorm Scherbenhaufen seiner Karriere stehenden Peter Colt kennen, der weder privat noch sportlich bisher den großen Durchbruch hatte. Exakter Gegenpol dazu ist die erfolgreiche, junge und gut aussehende Lizzy Bradbury, die gerade vor dem Höhepunkt ihrer Karriere steht und den Erfolg gebucht zu haben scheint. Ja, und wie sollte es anders sein: diese beiden Gegenpole ziehen sich magisch an. Was folgt, ist die übliche Entwicklung von Liebeskomödien: Beide glücklich, irgendwann kracht’s, sie will nichts mehr mit ihm zu tun haben, er macht irgendetwas Rührendes, beide finden wieder zusammen und sind glücklich. Normalerweise müsste dem Zuschauer diese Entwicklung so langsam zum Halse raushängen, aber irgendwie kommt es wohl doch auf die Verpackung an, in die die Geschichte eingepackt wird, und die ist im Falle von „Wimbledon“ stimmig. Paul Bettany mimt den Außenseiter souverän, doch der uneingeschränkte Focus bei dieser Geschichte liegt auf der wundervollen Kirsten Dunst. Diese Frau scheint mittlerweile eine Abonnement auf Liebeskomödien zu haben und im Abo inbegriffen ist, dass sie in allen ihren Filmen nicht nur gut aussieht, sondern auch gut agiert.
„Wimbledon“ ist mehr als nur ein Sportfilm, „Wimbledon“ ist auch mehr als nur eine Liebeskomödie. Dieser Film ist eine überaus gelungene Mischung aus beidem und kann jederzeit an Genre-Highlights wie „Notting Hill“ heranreichen. 7,5 von 10 Matchbällen!