Review
von Leimbacher-Mario
Mittendrin statt nur dabei
In dieser sehr nüchternen und dennoch wachrüttelnden, emotionalen Geschichte (beruhend auf wahren Begebenheiten) folgen wir einem Newsteam in den frühen 90ern in den Balkankrieg. In Sarajevo sollen Muslime und Kroaten gewaltsam vertrieben werden, es sterben täglich Zivilisten und Kinder unter den politischen und militärischen Machtkämpfen und auch die britischen und amerikanischen Reporter müssen oft genug um ihr Leben bangen. Und mitten in dieser grausamen, lange Zeit von der internationalen Gemeinschaft mehr oder weniger ignorierten Lage, versucht ein britischer Reporter eine junges Waisenmädchen aus dem Land nach England zu schleusen und zu retten...
„Welcome To Sarajevo“ klingt wie eine typische „(White) Savior“-Kriegsstory - könnte in Wahrheit aber nicht weiter von sowas entfernt sein. Winterbottom inszeniert trocken und dennoch feinfühlig, mischt immer wieder absolut grausame und heftige echte Nachrichtenbilder mit dem Film, alles wirkt enorm authentisch und ungeschminkt, ungeschönt, unaufgeregt fast schon. Und gerade deswegen eindringlich und gespenstig, human und doch hoffnungsvoll. Es ist eine Suche nach der Menschlichkeit in einem Minenfeld der Grausamkeit. Ein höchst unterschätzter und oft etwas verkannter Konflikt. Und gleiches gilt auch für den Film. Woody Harrelson sticht heraus. Wie könnte es auch anders sein. Der Soundtrack ist sehr cool. Und die echten Wunden, Toten und leidenden Menschen kriegt man lange nicht aus dem Kopf. Ohne dass Winterbottoms War-Essay je auch nur in die „Gewaltporno“-Nähe kommt oder geil auf Gräueltaten wirkt. Ziemlich lobenswert und herausragend, zudem zum Nachdenken anregend. An echten Locations kurz nach Ende des Krieges gedreht.
Fazit: sehr authentischer, sachlicher und faszinierend unkitschiger Kriegsfilm - ungewöhnlich, echt, bleibend, traurig. Gerade weil es viel um leidende Kinder geht. Die eigentliche Geschichte verblasst neben den zwischengeschobenen, heftigen realen Aufnahmen manchmal etwas. Zudem muss man damit leben, dass sich Realität und Fiktion vermischen.