Crazy ist so ein Film, den man sieht und nie wieder vergisst. Im Zeitalter der moderenen Teeniekomödien ist dieser Beitrag einfach nur herzlich angenehm, wenn auch ein Vergleich zu American Pie weniger angebracht wäre. Trotzdem eine verdammt gelungene und vorallem total symphatisch, ehrliche Abwechslung.
Crazy beschreibt die dramatische Geschichte eines behinderten Jungen, der ansonsten die normalen Probleme eines Teenager in der Blüte seiner Zeit durchlebt. Er wechselt Schulen aufgrund schlechter Noten, muss die Trennung seiner Eltern erleben, verliebt sich und träumt vom ersten Sex. Ständige Besäufnisse und eine chaotische Clique gehören da natürlich zur Tagesordnung und so verläuft auch seine Zeit auf dem Internat, dass Benjamin besucht. Er lernt zum ersten Mal richtige Freundschaft kennen, erlebt die Dinge, die einen in seinem Leben prägen. Eigentlich eine normale Teenagerstory, wäre dieser Film bloss keine Verfilmung des wohl besten deutschen Buch der letzten 10 Jahre. Und genau so ehrlich konsequent wie das Buch, dass von einem behinderten 17 jährigen geschrieben wurde, ist auch seine filmische Umsetzung.
Man muss für den Film zu sehen schon im richtigen Alter sein, ansonsten wird man die komplette Darstellung wohl zu albern und klischeebehaftet finden. Ein Vorteil ist es natürlich das Buch davor gelesen zu haben, denn wirklich detailgetreu wurden hier die äusserst stimmigen Charaktere übernommen, die zwar irgendwo Klischees erfüllen aber einfach so herzallerliebst umgesetzt wurden. Als mir das Buch mit 15 in der Schule als Pflichtlektüre vorgelegt wurde, musste ich staunen, dass wir ein solches Buch in der Schule lesen. Der Autor dieses Buches, beschreibt seine eigene Livestory und das ist es was dieses Buch zu einem Buch macht, dass man selbst als lesemuffeliger Teenie lesen darf und auch kann. Ähnlich ergeht es auch dem Film, der höchstauthentisch in der Dramaturgie der Umstände umgeht. Die Darsteller tun da ihr übriges hinzu und zeigen auf höchstem Niveau wie schnell sich der pubertäre Wahnsinn und Spass schnell in Ernst und Tragödie wandeln kann. Wer kennt solche Situationen nicht? Man verliebt sich und der beste Freund leider auch. In das gleiche Mädchen. Man erlebt gemeinsame Dinge, streitet sich und macht unendlich viel Unsinn. Schön auch zu sehen, zumindest für mich, dass man sich hier mit der dargestellten Clique mit ihren unterschiedlichen Charakteren überaus identifizieren möchte und kann. Wenn du diesen Film mit 15 siehst fängt man an zu schwärmen wie toll deutsche Komödien oder eher gesagt Teeniedramen sein können. Wenn man diesen Film mit 20 noch einmal sieht, träumt man einfach bloss, hat eine Träne im Auge und freut sich über schöne Erinnerungen. An eine Zeit, in der man ähnliches wie in diesem schönen, melodramatischen Film durchlebt hat. Durchaus einer der besten deutschen Filme, der es verdient, abseits meiner Horror und Trashreviews Beachtung zu bekommen.
87%