„Crazy“ ist ein recht unterhaltsames Jugenddrama aus deutschen Landen, das sich von den 08/15 Beziehungskomödien abheben kann.
Benjamin (Robert Stadlober) ist 16, schlecht in Mathe und daher tingelt er von Schule zu Schule, damit er sein Abi kriegen kann. Zudem ist er halbseitig gelähmt und kann seinen linken Arm sowie sein linkes Bein nicht richtig bewegen, was ihn zu einem Außenseiter macht. Nun soll er an einem Internat den nächsten Versuch wagen. „Crazy“ versucht recht einfühlsam die Gefühle von Jugendlichen zu schildern und geht dabei angemessen behutsam vor.
Der Einstieg fällt Benjamin nicht unbedingt leicht, da ihn sein Mitbewohner Janosch (Tom Schilling) anfangs etwas triezt, aber nach einer Weile wird er in die Clique aufgenommen, zu der noch der dicke Kugli (Christoph Ortmann), der schweigsame Troy (Can Taylanlar), der ’Mädchen’ genannte Florian (Willy Rachow) und der dünne Felix (Joseph Bolz) gehören. Hier ist der Film etwas sehr eilig, da die Verbrüderung irgendwie per Off-Kommentar geschieht und daher nicht ganz nachvollziehbar ist (wahrscheinlich eine Straffung der Buchvorlage gegenüber).
Langsam lebt sich Benjamin in den Internatsalltag ein und findet in seiner Clique Anerkennung und Anschluss. Doch das Leben hält nicht nur die lustigen Momente mit seinen Freunden parat, sondern auch Schattenseiten: Benjamin hat immer noch große Probleme in Mathe, zu Hause läuft es nicht immer rosig und dann verlieben sich er und Janosch auch noch in das gleiche Mädchen...
„Crazy“ verfilmt einen Bestseller, der einen Blick auf das Erwachsenwerden richtet und hebt sich dabei erfreulicherweise von dem Trend der Pubertätspossen ab, aber deshalb sollte man nicht in absolute Euphorie verfallen. So sind einige Szenen doch sehr auf die Comedyschiene platziert (z.B. Keks, Gespräch mit der Sexualkundelehrerin) und rauben dem Film einen Teil von seinem Realismus, wobei ich gelesen habe, dass einiges davon gar nicht im Buch vorkommt. Also haben die Macher dann doch eventuell Zugeständnisse an die „American Pie“-Welle geleistet.
Dabei sind vor allem die stillen und ruhigen Momente die Stärke des Films; besonders intensiv vor allem die Szenen, in denen gar keine Dialoge gebraucht werden. Als Beispiele wären hier die Szene im Waschraum nach der Party, die meisten Szenen mit Troy oder die Szene kurz vor der Versöhnung gegen Ende zu nennen. Denn hier spielt „Crazy“ seine wahre Stärke aus, wenn es um nachvollziehbare Dinge wie Freundschaft geht und die sympathischen Charaktere punkten können.
Ansonsten fehlt dem Film leider eine echte Story; es ziehen sich nur verschiedene Aspekte (z.B. die Lovestory) wie ein roter Faden durch den Film. Die Aspekte sind unterschiedlich gut aufgegriffen. Während Freundschaft und Familienprobleme immer ziemlich ordentlich abgearbeitet werden, lässt einen die Lovestory meist recht kalt, da in dieser Beziehung die Dialoge recht mau sind und sich einige Charaktere nicht ganz nachvollziehbar verhalten (z.B. ist Benjamin in der Beziehung etwas zu weinerlich geraten).
Robert Stadlober macht seine Sache wirklich gut und gibt den Behinderten überzeugend ohne auf der Mitleidsschiene zu fahren. Doch auch die anderen Darsteller können wirklich glänzen, wobei vor allem Tom Schilling als dreistes Großmaul und Can Taylanlar als tiefgründiger Schweiger ins Auge fallen.
Ganz unterhaltsames Jugenddrama, das vor allem einige sehr starke Momente bietet, auch wenn die Story nicht immer das Gelbe vom Ei ist und die Passagen des Films unterschiedliche Qualität haben.