Review

Auf Columbia Tristar ist Verlass! Wenn das Label, mal abgesehen von Seagal-Gurken wie „The Foreigner“, B-Ware in die Videotheken loslässt, dann steckt dahinter auch ein gewisses Maß an Qualität. Regisseur Mark A. Z. Dippé, der nach seinem unsäglichen „Spawn“ tief in der Versenkung verschwand, meldet sich mit „Frankenfish“ eindrucksvoll zurück. Ich für meinen Teil konnte während der 75 Minuten jedenfalls durchfeiern, denn so in etwa stelle ich mir den Prototypen eines kurzweiligen B-Animal-Horror-Trips vor.

„Frankenfish“ vereint vorweg sämtliche Klischees, die das Genre seit „Piranhas“ so angeschwemmt hat. Zunächst einen blutigen Victim-Opener als Appetizer, dann die Einführung des, in diesem Fall schwarzen, Filmhelden. Natürlich spielt die Chose in den Sümpfen, in diesem Fall in denen von Louisiana, es gibt massig Tote und alles, was man sonst noch für so ein Vergnügen braucht.

Da wäre eine Riege ordentlich spielender, zumeist in größeren Produktionen mit Minirollen bedachter Schauspieler, die ihre Sache ordentlich machen. Tory Kittels war schon in „Tigerland“ und „Phone Booth“ zu sehen, K. D. Aubert durfte Kleinstauftritte in „The Scorpion King“ und „Hollywood Homicide“ absolvieren und China Chow kennt der geneigte Fan aus „The Big Hit“ oder „Spun“. Der Rest setzt sich aus meist unbekannten Darstellern zusammen, die hier aber eh nur als Opfer herhalten.

Wie Dippé die Chose hier aufkocht, ist wirklich allerliebst. Zunächst schickt er den Gerichtsmediziner Sam (Kittels) mit Mary (Chow) in die Sümpfe, um auszuchecken, was es mit einer auf Eis liegenden übel zugerichteten Leiche auf sich hat. Auf dem Weg dorthin gibt es dann abgetrennte Krokoköpfe (Uiuiuiui, die bösen Omen!), die obligatorischen „Ich beobachte euch und gucke nur ganz knapp über die Wasseroberfläche“ – Kamerashots, sowie einen Mann der Fische fängt, indem er ihnen seine Faust ins Maul stopft. (Hallo?)

Ist man dann endlich am Ziel angekommen, trifft man vor Ort auf eine eigenartige Hausbootkommune, bestehend aus einer Wahrsagerin (lol), einem wortkargen Schweinehund von Vietnamveteran (Ich brech ab..) und dazu noch ein hüllenloses, kiffendes Hippieehepaar mit Obstflash. Als Ergänzung dazu ist noch Eliza, die zur Schulzeit in Sam verliebt war (Da offenbaren sich höllischste Verknüpfungen..), nebst arrogantem Freund (von Berufswegen Anwaltsschnösel) zu Besuch. Wird noch besser...

Auf der nun folgenden Bootsfahrt findet man ein Boot, das einmal genmanipulierte Riesenfische geladen hatte, nun aber nur noch verwesende Besatzungsmitglieder im Laderaum anzubieten hat. Weil Dummerchen Sam den Transponder aktiviert, macht sich Besitzer Großkotz (nach Blowjob und Tittenschau im Morgenmantel!) mit seinen Mannen auf ins Sumpfgebiet, um die possierlichen Tierchen wieder einzufangen. Wird noch besser...

Nachdem aber Exemplar Numero Uno schon mal den ersten verspeist hat und das Duo zu den Hausbooten zurückgekehrt ist, um gar fürstlich zu speisen, tauchen die Fischchen auf. Und jetzt geht’s los! Mark A. Z. Dippé standen für die Effekte erfahrene Leute wie Robert Hall und Jason Collins zur Verfügung und die durften sich so richtig austoben. Ist mir schwer verständlich wie dieses Schlachtfest mit einer Freigabe ab 16 davonkam. Fangen wir an..

Männlicher Hippie hängt Birne über die Wasseroberfläche, schwups Kopf ab und es suppt und sprudelt an allen Ecken als hätte man eine Blutbank ausgeraubt. Und hey, das geht so weiter! Schrittweise werden die Opferlämmer zur Schlachtbank geführt. Da will jemand die Leiter hochklettern, Fisch springt vorbei, mal eben der ganze Unterleib abgetrennt. Da geht eine Hütte in Flammen auf, eine Schrotflinte liegt drin und wird heiß, wumms, da fliegt jemandem der halbe Schädel weg. (Kongenialer Spruch dazu: Das Haus hat sie erschossen).
Gleich im Anschluss dazu pfeift aus den Flammen eine Gasflasche empor, fliegt in das nächste Hausboot und zerlegt das dann artgerecht in einer imposanten Explosion. Hat der Vietnamveteran dann ein Exemplar erledigt, schnippelt er es nicht nur auf, nein er frisst auch gleich noch dessen Herz – natürlich roh und mit bloßen Händen!. Dippé schöpft hier echt aus dem Vollen und muss diebischen Spaß bei seinem Gorefestival gehabt haben, denn die Viecher können auch auf den Hausbooten rumhüpfen, lol.

Die Fische selbst sind CGI, sehen jedoch für eine B-Produktion verteufelt gut aus – Respekt meinerseits. Der dann zu Hilfe eilende Großkotz glaubt natürlich alles unter Kontrolle zu haben, sieht sich dann aber flux mit einem nicht mehr lebendigen Team konfrontiert (Besonders geil: Einen schubst das Fischchen mal eben gleich zur Begrüßung in den Propeller des Luftkissenboots). Tja, zum Schluss gibt’s dann noch mal ordentlich zerlegten Fisch und den Cliffhanger für mögliche Fortsetzungen. Immer her damit, wenn sie so wie das Original ausfällt.

Wer sich also neulich im Kino bei „Anacondas“ zu Tode gelangweilt hat, der renne schleunigst in die Videothek und leihe sich „Frankenfish“ aus. Dippé fährt hier echt alle bekannte und weniger bekannte Klischees auf, stopft sie in einen formelhaften Plot (aber so was von formelhaft...) und lässt die Effektcrew sich nach Herzenslust austoben. Das entbehrt jeglichem guten Geschmack, macht aber höllisch Laune.


Fazit:
FUN,FUN,FUN! So muss B-Animal-Horror aussehen, genau so und nicht anders (Wie etwa diverse Hai-Schocker.. *grusel*). Regisseur Mark A. Z. Dippé gelang mit „Frankenfish“ ein geniales B-Kleinod, wie man es nur alle Jubeljahre mal in den Videotheken vorfindet. Gesuppt wird bis zum Abwinken, Klischee wird an Klischee gehängt, die Effekte (Make-Up wie CGI) sind über jeden B-Movie-Zweifel erhaben, ein paar Sprüche lockern die Chose auf, die Schauspieler sind in Ordnung und da der Film nicht mal bemüht auf 90 gestreckt wurde, sondern ehrlich bei 75 hängen bleibt, habe ich für meinen Teil hier dran mal gar nichts auszusetzen. Einwerfen, angucken und abfeiern.

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