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Eine grausig entstellte Leiche in den Sümpfen Louisianas stellt den zuständigen Leichenbeschauer vor ein Rätsel. Der Mediziner Sam Rivers (Tory Kittles) und die Biologin Mary Callahan (China Chow) gehen dem mysteriösen Vorfall auf den Grund und stellen bald fest, daß sowohl Alligatoren als auch Haie als Verursacher ausscheiden. Es scheint, als hätte sich eine neue, gefährliche Spezies in den Sümpfen breitgemacht, die sich in Nullkommanichts an die Spitze der Nahrungskette gefressen hat. Langsam wird klar, womit sie es hier zu tun haben. Drei genetisch modifizierte Exemplare des chinesischen Schlangenkopffisches - wesentlich größer, gefährlicher und gerissener als die herkömmliche Spezies - sind aus ihren Gefängnissen entkommen und machen die idyllische Lagune zur Todesfalle. Gezüchtet wurden die Biester von einem so ehrgeizigen wie skrupellosen Jäger, der mit seinen Mannen auch prompt auf der Bildfläche erscheint, um sich seine Trophäen zu holen. Doch bevor es zum finalen Schlagabtausch kommt, attackieren die hungrigen Killerfische die bewohnten Hausboote, um sich ihre Bäuche vollzuschlagen.

Der zweite Film des Kabel-TV-Senders SyFy (ehemals The Sci-Fi Channel) um die ungewöhnlichen Kreaturen ist auch der beste. Frankenfish hängt den knapp zuvor entstanden Snakehead Terror um eine halbe Flossenbreite ab und ist ein kurzweiliges, leicht verdauliches Tierhorror-Häppchen für zwischendurch, welches einerseits für prächtige, wenn auch anspruchslose Unterhaltung sorgt, anderseits aber auch rasch wieder vergessen ist. Regisseur Mark A.Z. Dippé (Spawn) leistet solide Arbeit und drückt von Beginn weg aufs Tempo, um nur ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Tatsächlich bringt er den Streifen ohne große Durchhänger über die (kurze) Runde, wobei das Drehbuch die eine oder andere kleine (aber fiese) Überraschung bereithält. Als originell kann man das alles zwar nicht bezeichnen, aber Dippé bereitet die Fischsuppe so schmackhaft auf, daß sie beinahe frisch erscheint und recht gut mundet. Im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Creature Features hat man sich hier auch mit den Figuren etwas mehr Mühe gegeben. Die sind, trotz klischeehafter Charakterisierung, doch ein klein wenig mehr als bloß potentielles Fischfutter auf zwei Beinen, wobei der plötzliche und unerwartete Tod einer Figur mich bei Erstsichtung ziemlich kalt erwischt hat. Die diversen Fischattacken sind ordentlich in Szene gesetzt und geizen nicht mit vergossenem Lebenssaft. So wird einer Frau der Unterleib abgebissen, während ein unvorsichtiger Fischer seinen Kopf verliert.

Inwieweit das Erscheinungsbild der Snakeheads realitätsgetreu ist (der Look der Viecher variiert ja von Film zu Film recht stark), weiß ich nicht, aber sie sehen zumindest bedrohlich aus und sind ansprechend getrickst. Der überwiegende Teil der Fischszenen stammt aus dem Computer, doch hin und wieder kommen auch animatronische Puppen zum Einsatz. Für einen Fernsehfilm ist das diesbezüglich Gebotene jedenfalls mehr als akzeptabel. Die idyllischen Schauplätze weit abseits der Zivilisation sorgen für eine angenehme Dosis Lokalkolorit, wobei die abergläubische Mentalität der Sumpfbewohner (Voodoo!) bzw. deren eigenbrötlerische Exzentrik für ein zusätzliches Louisiana-Hinterwäldler-Flair sorgen. Die schauspielerischen Darbietungen sind gehobenes Mittelmaß, die musikalische Untermalung ist okay, und auch an der Kameraarbeit gibt es nichts auszusetzen. Leider kommt es trotz der kurzen Laufzeit aufgrund der episodenhaften Struktur zu keinem richtigen dramaturgischen Fluß; das mindert zwar die Qualität des Filmes, nicht aber den beachtlichen Unterhaltungswert. Der grundsätzlich ernste Ton wird durch die eine oder andere humorvolle Note aufgelockert, was dem Streifen einen leicht augenzwinkernden, nicht unsympathischen Charme verleiht. Unterm Strich ist Frankenfish somit ein flottes, blutiges, knackiges, bisweilen sogar spannendes B-Movie, das den geneigten Genrefan trotz des formelhaften Plots und der unrunden Dramaturgie sehr gut bedient.

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