Die Philippinen waren seit jeher eine beliebte Spielwiese, um ein großes amerikanisches Trauma aufzuarbeiten und/oder auszubeuten: das Vietnamkriegsdebakel. Ausschlaggebend dafür waren nicht nur die schönen Locations, die dem unbedarften Zuseher als Vietnam verkauft werden konnten, sondern auch die günstigen Produktionsbedingungen und das recht beachtliche Know-how der ortsansässigen Filmcrews. Neben zahlreichen heimischen Produktionen (Jungle Rats, Slash, Ultimax Force) tobten sich vor allem die Amerikaner (Apocalypse Now, Platoon, Missing in Action) und die Italiener (L'Ultimo Cacciatore, Tornado, Cobra Mission) auf den Philippinen aus. Während sich anspruchsvolle Bearbeitungen des Themas in Grenzen hielten, schossen jede Menge Billigproduktionen wie Unkraut aus dem Boden, die den Vietnamkrieg lediglich als Vorwand nutzten, um eine krude Action- und Gewaltshow abzuziehen. Das Subgenre Namsploitation war geboren.
In diese Kategorie fällt auch die von Cirio H. Santiago und Roger Corman produzierte Eye of the Eagle-Trilogie, bestehend aus Eye of the Eagle (Jungle Force, 1987), Eye of the Eagle 2: Inside the Enemy (Verraten in Vietnam, 1989), und Last Stand at Lang Mei (Blutiges Lang Mei, 1989). Der erste Teil, inszeniert von Cirio H. Santiago, ist schnell und schlampig heruntergekurbelte Actiongülle, aber immerhin recht unterhaltsam, vorausgesetzt natürlich, man schraubt die Ansprüche ganz weit nach unten. Beim zweiten Teil handelt es sich um einen ambitionierten Thriller, welcher den Vietnamkrieg lediglich als Hintergrund benutzt und der deshalb etwas zwischen die Stühle fällt. Eye of the Eagle 2 ist ein Frühwerk von Carl Franklin, der in den Folgejahren mit One False Move (1992) und Out of Time (2003) zwei richtig famose Thriller schaffen sollte.
Der dunkelhäutige Franklin übernahm auch eine der Hauptrollen in Last Stand at Lang Mei, diesmal wieder unter der Regie von Cirio H. Santiago. Die Geschichte, die Anleihen an einer wahren Begebenheit nimmt, dreht sich um Major Verdun (Steve Kanaly), der bei einem Überfall auf einen vietnamesischen Güterzug Panzermunition entdeckt. Das ist recht brisant, wurde doch bisher allgemein angenommen, daß die Vietcongs keine Panzer besitzen. Anstatt als Held gefeiert zu werden, landet der bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallene Major jedoch wegen Mordverdacht im Gefängnis (tatsächlich hat er in Notwehr gehandelt, wollte ein Deserteur doch ihn abknallen). Derweil bekommt seine Truppe als Ersatz Captain Wheeler (Peter Nelson) vorgesetzt, einen streng nach Vorschrift handelnden Grünschnabel, der viel Wert auf Disziplin legt und sich gleich mal unbeliebt macht. Die handvoll Männer sollen ein auf dem strategisch wichtigen Hügel Lang Mei gelegenes Camp sichern und gegen etwaige Angriffe des Feindes verteidigen. Und die Angriffe lassen nicht lange auf sich warten. Währenddessen versucht Major Verdun verzweifelt, aus seiner Zelle zu entkommen. So weit, so belanglos.
Last Stand at Lang Mei strotzt vor Klischees und würfelt diese wild durcheinander. Der erfahrene aber ungestüme Kriegsheld, den die Obrigkeiten aus dem Verkehr ziehen. Der völlig überforderte Neue, der seine Männer in tödliche Gefahr bringt. Die bunt gemischte Truppe, die sich der Attacken des in allen Belangen überlegenen Gegners erwehren muß. Der aufopferungsvolle, heldenhafte Kampf, in dem die Männer über sich hinauswachsen. Und als alles verloren scheint und die Vietcongs mit schwerer Artillerie anrücken, wendet sich das Blatt doch noch. Null Punkte für Originalität also, zumal das alles ernst und ohne Ironie präsentiert wird. Was den Streifen letztendlich rettet, ist die Action. Schon zu Beginn brennt Santiago mit dem Überfall auf den Zug ein etwa achtminütiges Low-Budget-Actionfeuerwerk ab, das sich sehen lassen kann. Danach verlagert sich das Geschehen in das kleine Camp, das es zu verteidigen gilt. Und die G.I.s, unterstützt von einigen Rebellen, haben alle Hände voll zu tun, denn eine Angriffswelle nach der anderen rollt unermüdlich auf das Camp zu. Und mit dem knapp fünfzehnminütigen Showdown setzt der Regisseur noch einen drauf, da läßt er es an allen Ecken und Enden krachen, da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Gewaltige Explosionen, bleihaltige Gefechte, im Kugelhagel tanzende und Salto schlagende Vietcongs, irre (Feuer)Stunts, zerstörerisches Napalm... was will man da als Actiongülle-Fan mehr verlangen? Natürlich kann man bemängeln, daß die Figuren blaß und uninteressant bleiben und sich ausschließlich durch entschlossene, grimmige Gesichtsausdrücke definieren, daß es keine Spannungskurve gibt und das Geschehen recht eintönig vor sich hin dümpelt, und daß es Santiago nicht gelingt, das Ganze packend genug zu inszenieren, um den Zuschauer mitzureißen. Aber für all das ist die 2008 verstorbene philippinische Legende auch nicht wirklich bekannt.
Wo Cirio H. Santiago draufsteht, ist oft geile, zumindest aber nette Action drin. Das beweisen Filme wie TNT Jackson, Firecracker, Wheels of Fire, Nam Angels, Angelfist oder Dune Warriors. Als guten Film würde ich Last Stand at Lang Mei nicht bezeichnen, aber er erfüllt seinen Zweck und bietet actionreiche, anspruchslose und unterhaltsame neunzig Minuten. Fazit: Die Vietcongs beißen zu Hunderten ins Gras, der Fan mampft Popcorn und hat seinen Spaß.