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Nachdem man die Figur des Baron Frankenstein in den letzten Teilen wieder deutlich milder zeichnete und ihn gar ein wenig als Helden in den Vorgängern eingesetzt hat, beschritt man in „Frankenstein muss sterben“ die komplette Kehrtwende und ging dabei sogar deutlich weiter als im ersten Teil. Der Baron ist das absolute Monster, das vor nichts zurückschreckt. Eiskalter Mord und Erpressung ist an der Tagesordnung. Mit einer unglaublichen Arroganz, steht er gottgleich über seinen Mitmenschen. Er beleidigt und kommandiert sie und lässt in keiner Sekunde Zweifel aufkommen, wer hier die Befehlsgewalt hat. Schon in den ersten Sekunden des Films ist die Richtung klar vorgegeben, wenn wir seinem ersten Mord beiwohnen, da er einen neuen Kopf für seine Experimente benötigt.
Peter Cushing gibt also bereits hier den General Tarkin und seine Ausdruckskraft, wie auch sein Schauspiel ist einfach nur eindrucksvoll. Durch seine unglaubliche Präsenz ist man nämlich nicht nur von der Person „Frankenstein“ angewidert, sondern gleichzeitig absolut fasziniert von ihr. Peter Cushing war einfach ein wundervoller Darsteller, was man gar nicht oft genug betonen kann.

Baron Victor Frankenstein sucht sich eine neue Bleibe und zieht unter falschem Namen in die Pension der jungen Anna Spengler (wundervoll gespielt von Veronica Carlson). Diese Pension hat er sich aber nicht zufällig ausgesucht. Ihr Verlobter ist nämlich Arzt in der hiesigen Nervenklinik, zu der er Zugang benötigt. Da er zusätzlich handfeste Beweise hat, die das Pärchen mit Drogendelikten in Verbindung bringt, erpresst er beide dazu ihm zu helfen. Er benötigt nämlich zwingend einen bestimmten Insassen der Klinik, während er im Keller der Pension sein Labor einrichtet.

Im fünften Film der Reihe waren glücklicherweise wieder Terence Fisher als Regisseur und Bernard Robinson für das Setdesign zuständig, weshalb der Film nicht nur storytechnsich, sondern auch optisch wieder ein Leckerbissen ist. Wenn auch nicht ganz so opulent ausgestattet, gibt es hier wieder eine ganze Reihe von wunderschönen Bildern und auch die Beleuchtung ist wieder ein Augenschmaus. Zusätzlich war auch wieder Haus und Hofkomponist James Bernard am Werk, der den Film musikalisch auf den Punkt genau begleitet. Die Story ist ebenfalls klasse und der Film dadurch spannend und ereignisreich, da man vorher nicht weiß, was hier alles folgen wird. Der Clou ist das erschaffene Monster, da es diesmal ein bemitleidenswerter Mensch ist, der sich vernünftig artikulieren kann und zudem einen liebenswerten Charakter besitzt. Somit wird das Wesen der Gegenspieler des eigentlichen Monsters, nämlich Frankenstein. Dies erinnert dann auch deutlich mehr an den Originalroman von Mary Shelley. Der Film ist absolut gelungen und obwohl es bereits der fünfte Film der Reihe ist, zu keinem Zeitpunkt langweilig. Nur eine Szene muss man gesondert erwähnen, da sie nicht in den fertigen Film gehört. Dem amerikanischen Geldgeber Warner waren die Morde und die Eiseskälte von Frankenstein nicht böse genug, was man sich kaum vorstellen kann. Deshalb verlangten sie vom Filmteam einen Nachdreh, in dem Anna von Frankenstein vergewaltigt wird. What the bleeding hell? Die Szene wurde von allen Beteiligten zwar abgelehnt aber der Druck war wohl so groß, dass man nachgab. Die Szene passte weder in den Kontext des Films noch gab sie einen Sinn bezüglich der Motivation des Wissenschaftlers. Da sie eben lediglich in den Film eingefügt wurde, kommt sie auch im weiteren Verlauf nicht mehr zur Sprache, weshalb sie dadurch zusätzlich wie ein Fremdkörper wirkt. Da wünscht man sich dann tatsächlich eine geschnittene Fassung, da die Szene einfach nicht in den Film gehört. Trotzdem ist der Film einfach absolut sehenswert, wenn man die Reihe oder eben auch die Filme von Hammer mag.

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