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"Tetsuo - The Iron Man" - so lautet der Titel eines knapp 70-minuetigen schwarz/weissen Cyber-Alptraums von Regisseur Shinya Tsukamoto, der innerhalb kuerzester Zeit zum Kultfilm avancierte. In dieser schwer zu entschluesselnden Allegorie ueber die Transformation des einzelnen Menschen im Zeitalter rapider Veraenderungen der Umwelt aufrgrund des technischen Fortschritts in allen Lebensbereichen, wird der namenlose Protagonist selbst Opfer dieser anhaltenden modernisierten Entmenschlichung - kurzum: er verwandelt sich langsam in eine Maschine, den Iron Man. Dieser scheinbar grundlose Prozess zieht sich durch den kompletten Film, beginnt erst langsam,schleichend, um sich dann in kompromissloser Haerte zu steigern. So hetzt der "Metal-Fetishist" angetrieben durch einen haemmernden Industrial-Soundtrack, in animierten Stop-Motion-Bildern durch die Strassen, scheinbar ohne jedes Ziel, angetrieben von seinem inneren Trieb. Tsukamotos erster "Langfilm" strotzt nur so vor unkonventioneller Ideen, Stilmitteln und Erzaehlsituationen und gibt dem Rezipienten immer wieder aufs Neue moegliche Interpretationsspielraeume auf, ohne eine allgemeingueltige zuzulassen. So schwer es ist, diesen alptraumhaft-surrealen Trip in eine Welt aus Metall und Fleisch adaequat zusammenzufassen, so schwer ist es auch jenen zu interpretieren, reicht die Palette doch von moeglichen Erklaerungen im Bereich des Zen-Buddhismus bis zu den Aengsten der Entmenschlichung durch den anhaltenden industriellen/technischen Fortschritt, dem ueberrannt-werden durch Maschinen. Tsukamotos Bilderflut gibt uns Einblicke in diese seelenlose, abstrakte Welt, verpackt in Schnitt-Gewitter, die einmalig sind. In weniger abstrakter Weise, greift Tsukamoto die Idee von der Transformation des Koerpers in seinem Film "Tokyo Fist" 7 Jahre spaeter erneut auf, platziert das Setting aber ins Tokio der 90er Jahre. Abschliessend kann man sagen, dass Tsukamoto mit diesem Film ein avantgardistisches Meisterwerk gelungen ist, welches innerhalb der Filmwelt einen besonderen, einzigartigen Platz einnimmt, inmitten von Fleisch, Stahl und Zelluloid.
9/10

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