Optisch den frühen 1970er Jahren zuzuordnen, als das Autokino noch florierte und in Anlehnung an so glorreiche Grindhouse-Klassiker wie "Last House On The Left", "The Texas Chainsaw Massacre" oder "Muttertag", als Meisterwerk des modernen Individualismus.
"Even Hitler Had A Girlfriend" ist filmisch schwer zu greifen und in seiner Wirkung einzigartig. Umso mehr dürfte das Gezeigte Freunde des alternativen Kinos freuen oder spalten.
Da wo Praunheim noch sehr schlicht und dilettantisch zu Werke ging, und damit Zuschauer und Kritiker für sich gewinnen konnte, ohne tatsächliches Handwerk zu beherrschen, tauchen wir hier in ein mehrschichtiges Independent-Konstrukt aus Antikunst ein, stilistisch irgendwo zwischen RTL, Troma, New Kidz, und dabei sogar entfernte Parallelen zum deutschen Untergrundfilmer Jörg Buttgereit aufweist, auch unzureichenden "Ergüssen" wie Wishman's "Dildo Heaven".
Die Story ist zugegeben zunächst etwas konfus und irgendwo zwischen belangloser Trash-Comedy und Psychoschocker im Bahnhofsgewandt zu suchen ("Nightmare In A Damaged Brain, "Maniac", "Amoklauf", "The Driller Killer" oder "Jesus Christ: Serial Rapist"). Nur das eben jene ihr Augenmerk hier wohl eher auf einer Coronakrise nicht unähnliche Psychopathologie legte.
Der Typ ist einsam. Also rennt er ins nächstbeste Pornokino und läßt sich dort berieseln. Doch so ganz das Wahre ist das auch nicht. Also müssen echte Frauen aus Fleisch und Blut her ...
Von da an schwenkt der Film um und fungiert fortan als minimalistische Komödie, sehr glaubhaft, naiv, amateur- bis stümperhaft, aber durchaus charmant und witzig, als Sinnbild auch neumoderner "Nerd-Kultur" oder "Stubenhocker-Mentalität".
Qualitativ unterscheidet sich "Even Hitler Had A Girlfriend" kaum von Boll'schem Machwerk. Gleichzeitig hat er mit dessen "Auschwitz" nichts gemein, auch wenn die zugegeben etwas irreführende Titelgebung ein solches Szenario im Vorfeld nicht vollständig ausschließen würde (s. auch "The Hitler Tapes", "100 Jahre Adolf Hitler" oder Blaxploitation-Granaten wie "The Black Gestapo").
Der böse Adolf diente in dem Fall wohl eher der willkürlichen Namensgebung.
Soll einfach nur heißen:
Selbst Hitler hatte 'ne Freundin ...
Bis heute ist nicht abschließend geklärt, ob der österreichische Diktator in Wahrheit nicht vom anderen Ufer war ...
Wie dem auch sei ...
Aufmerksamkeit erregt der ungewöhnliche Titel allemal ...
Und auch wenn das Gezeigt beleibe nicht dessen reißerischer Natur entsprechen dürfte, erweckte es schließlich auch mein reges Interesse.
Es hat immer Mal wieder ungewöhnliche Filme gegeben, die sich der Nationalsozialismus-Thematik in unterschiedlicher Art annahmen ("Girls Of The Third Reich", "Surf Nazis Must Die", "Adölfchen & Bdölfchen" ...), Benignis "Das Leben ist schön", sowie sein heimlicher Nachfolger "Boy in the Striped". "Even Hitler Had a Girlfriend" ist nicht dem Nazi-, sehr wohl aber dem Exploitation-Genre zuzuordnen.
In dessen Chronik erscheint "Even Hitler Had A Girlfriend" wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Einzige womit hier wirklich nicht gespart wurde, ist der übermäßige Gebrauch übergroßer Titten (s. auch Russ Meyer).
Wie hat es Hausmeister Krause noch immer so schön ausgedrückt:
Ey sooo ... Wabbel .... schwabbel ...
Schlürf ... schlürf ....
Durch seine billig dilettantische Machart, die immer wieder von einigen Pornosequenzen durchzogen wird (auch "A Cure For Insomnia"), haben wir es hier zugegeben mit einem etwas speziellen, naja, Exoten von einem Film zu tun. Weniger radikal als autistische Ekelschocker wie "Bride of Frank" oder "Bad Boy Buddy", handwerklich aber in etwa auf dem selben Niveau, ähnlich schamlos wie "Dahmer vs. Gacy", aber sehr viel stilvoller in Szene gesetzt ...
Kein Nasty, aber zumindest ein ähnliches Kliente ("Don't Look In The Basement", "Mardi Gras-" oder "Microwave Massacre" ...).
Als filmischer Monolog gelungen, trashig, sehr unterhaltsam, bei dem wir einen kleinen psychologischen Diskurs in die hohe Kunst der sogenannten Insomnie (Schlaflosigkeit) unternehmen. Das was uns Spacey und Norton ("American Beauty", "Fight Club") bereits oscarprämiert persifilizierten, wird hier noch einmal auf eine sehr simple, leicht ironische Art und Weise verpackt und dem Laien zugetragen.
Man ziehe Bilanz:
"Gross Out", Taubert oder Mühl ...
Trash oder im wahrsten Sinne des Wortes Müll ...
Nennen wir es mal ein ulkiges Einmalvergnügen ...
7.5/10