„Graf Dracula – das ist die biblische Prophezeiung von Armageddon!“
Der letzte Film der Dracula-Reihe der britischen „Hammer Film Productions“, der noch mit Christopher Lee in dessen Paraderolle als Fürst der Dunkelheit aufwartete, entstand im Jahre 1973 unter der Regie Alan Gibsons und wurde, wie auch schon der eigenartige Vorgänger „Dracula jagt Mini-Mädchen“, in der Gegenwart angesiedelt.
Man merkt ihm leider deutlich an, dass die Ideen ausgingen und die Luft irgendwie raus war. „Dracula braucht frisches Blut“ ist ein ziemlich durchschnittliches Stück Okkult-Horror, in dem Graf Dracula die Rolle eines apokalyptischen Todesengels einnimmt, der zusammen mit einer verschwörerischen Sekte aus macht- und einflussreichen Menschen die komplette Welt zu unterjochen sucht. Doch ein Nachfahre des Vampirjägers van Helsing, erneut gespielt vom ehrenwerten Peter Cushing, hat etwas dagegen und nimmt den Kampf gegen Dracula auf. Dieser fällt leider recht ereignisarm und von wenigen Höhepunkten gesegnet aus, während Cushing mit seinen starken Auftritten aber noch einiges herausreißt. Die Handlung wirkt erzwungen und etwas konfus, das klassische Gothic-Horror-Motiv der sexuell-assoziativ aufgeladenen Vampirfigur will nicht so recht mit der Neuzeit kollaborieren und büßt – wie der gesamte Film – viel von ihrem ursprünglichen Charme und ihrer Faszination ein. Dracula ist nicht mehr die geheimnisumwobene, schweigsame Verkörperung der Dunkelheit, sondern eine Art Oberverbrecher mit übersinnlichen Fähigkeiten. Folgerichtig fiel die passabel umgesetzte schwarze Messe zu Beginn des Films wesentlich blutiger (und dank nackter Haut junger Frauen auch sleaziger) aus, als alles, was Lee im Laufe des Films so anstellen darf. Überhaupt wird viel mit Versatzstücken aus zeitgenössischen Agentenfilmen gearbeitet, wobei der Horror dementsprechend auf der Strecke bleibt. Einsamer Höhepunkt ist da noch die Pfählung einer angeketteten Vampirdame in einem Verließ, die recht ansprechend umgesetzt wurde.
Die eigentümliche Kombination, die mit dem nächsten und letzten Teil der Reihe, „Die 7 goldenen Vampire“ mit ihrer Eastern-Thematik vermutlich noch auf die Spitze getrieben wurde, bietet dem aufgeschlossenen, britophilen oder filmhistorisch interessierten Zuschauer aber ein durchaus unterhaltsames Kuriosum, das mit seinem Zeitkolorit heutzutage sicherlich interessanter wirkt, als es seinerzeit nach Veröffentlichung der Fall gewesen sein dürfte. Man könnte aber auch einfach behaupten, dass „Dracula braucht frisches Blut“ ein eindrucksvoll-exemplarisches Beispiel für die missglückte Modernisierung eines Klassikers ist.
Unterm Strich handelt es sich hierbei um ein höchst durchschnittliches Kind seiner Zeit, das von verdienten Genre-Klassikern meilenweit entfernt ist, seine konfuse Handlung aber mit einer gewissen handwerklichen Souveränität ausgleicht und sich noch einen Bonuspunkt für Sir Cushing verdient. Ein Wiedersehen mit deutlich gealterten Freunden...