"The Boys from Brazil"
Es handelt sich hierbei um einen technisch ausgesprochen professionellen Thriller, der in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich stark ignoriert wurde. Besonders in Deutschland hatte der Film es nicht eben einfach, immerhin wurden sechsundzwanzig Minuten aus der Originalfassung entfernt, jedoch nicht aus Zensurgründen oder Straffungsgründen, sondern eher, um die 90 handelsüblichen Minuten zu bekommen. So wurden Sätze mittendurch geschnitten, Fragen fehlen, während die Antworten enthalten sind und es fehlen auch Actionszenen.
Doch die Leidenszeit ist vorbei, die uncut - DVD ist nicht nur in England, sondern auch in Deutschland raus, wodurch man sich nun die bizarre deutsche Synchro anhören kann, denn alle bisher fehlenden Szenen sind natürlich auf Englisch eingefügt.Der Film selbst gibt ein wirklich außergewöhnliches Bild ab, denn wenn man seine Machart, seine Atmosphäre, den Stil und die hervorragende Schauspielerriege anguckt, so kommt man kaum umhin, ihn in eine Tasche mit Filmen von De Palma, Schlesinger und ähnlichen Könnern zu stecken. Alles ist völlig konsequent und mit dem für einen Thriller einfach nötigen Aufwand gefilmt, die Schauplätze wechseln häufig und die Figuren sind mannigfaltig. Im krassen Gegensatz dazu steht seine nicht ganz so ernst zu nehmende Storyline, die schon reichlich abstrus und in seinen Akteuren auch zu simpel gezeichnet ist.
Doch genau dieser Widerspruch macht enorm spass, denn man weiss nie, ob man nun ob der wundervollen Inszenierung staunen oder ob so manchem Fehlschlag des Drehbuchs schmunzeln soll.Ein typisches Beispiel ist die Zeichnung der vierzehnjährigen "Führer", bei denen man schon den Eindruck hat, ob die nicht ernsthaft überlegt haben, ihnen kleine Schnäuzerchen zu verpassen. Und ihr aufmüpfiges, selbstherrliches Getue soll wohl die kindliche Variante eines Diktators darstellen...herrlich!
Somit ergibt sich ein wundervoll unterhaltsamer Thriller, der seinen bierernsten Polit-Kollegen mittels seiner trashigen Schauwerte im Stechschritt vorauseilt!Als Kritikpunkt wäre wohl zu nennen, dass die beiden Hauptakteure, Nazijäger Liebermann und Mengele, trotz traumhafter Besetzung und einem Spiel voller Inbrunst ziemlich unglaubwürdig gezeichnet sind. Der "Gute" ist zu gut und Mengele wird weniger als wahnsinniges Genie (wie es der Inhalt des Films eigentlich gerne haben würde) sondern als abgrundtief böser Ignorant gezeigt. Das sind jedoch Hingaben für den Unterhaltungswert des Films, sonst wäre auch kaum die unvergessliche Schlussszenerie möglich geworden.
Fazit: Durch seine an vielen Stellen vereinfachte Weltsicht schafft es der Film, ein Höchstmaß an Spannung zu kreieren.