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Ira Levin hat viel Brauchbares geschrieben, auch was Grusel und Unterhaltung angeht, aber "The Boys from Brazil" ging trotzdem in den Ofen. Ein Trashgranate ersten Ranges und noch dazu ein Flickwerk von einem Film, deswegen aber nicht ohne Reiz, obwohl der deutschen Fassung partout 20 Minuten fehlen.

Die Story ist natürlich hochaktuell, wenn der den WW2 überlebende Dr.Mengele hier eine Armee von neuen Hitlers klont, die er dann über die erste Welt verteilt unter idealtypischen weil identischen Bedingungen wie den Führer aufwachsen läßt, denn das vierte Reich muß kommen. Doch die Israelis sind hellwach und der Nazijäger Ezra Liebermann trotz greisen Alters schon auf der Fährte.

Der Film verbraucht viel Zeit für die Exposition, die den meisten Zuschauern schon durch eine simple Inhaltsangabe bekannt ist. Bis die Verfolger endlich auf die Idee kommen, was Mengele vor hat, werden sie erst mal mit verwirrenden Taten irritiert, ehe der Meister mal selbst auftritt. Der Plot springt dabei von Frankreich nach Deutschland, dann nach England, dann nach Wien, bis er endlich mal in Mittelamerika landet, wo uns Näheres vermittelt wird. Natürlich gibt es Opfer bei den Nazi-Jägern, doch langsam, zu langsam, kommt die Story voran.

Gregory Peck Overacting vorzuwerfen wäre sicherlich lächerlich, denn seine steife, störrige Haltung als Edelnazi, dem die satten NS-Bonzen im tiefen Süden nicht mehr richtig folgen wollen, ist karges Brot. Zwar orientiert er sich mit seiner Gefühlskälte an Oliviers "Weißen Engel" Szech aus "Der Marathon-Mann", aber trotz ein paar Grausamkeiten fällt ihm nicht viel ein. Da paßt es gut, daß man für Liebermann (der an Simon Wiesenthal angelehnt ist), Laurence Olivier ausgewählt hat, dem man die siebzig leider überdeutlich ansieht und der sich plotgemäß gegen einen Handlungsfortschritt stellen muß.
Spannung kommt erst auf, als das Projekt von den übrigen Nazis torpediert wird (zu teuer!) und Peck auf eigene Faust seinen Plan umsetzen will, so daß sich die Gegenpole annähern, bis der Showdown uns so etwas wie ein offenes Ende suggeriert, bei dem Liebermann dramaturgisch unkorrekt wider die Vernunft handelt. Dennoch wird da mehr aufgebaut, als man später zeigen will, denn es gibt kaum einen Sieg des Guten, das Böse demontiert sich vielmehr selbst.

So spannend das Thema klingt, bleibt der Film doch Stückwerk, als hätten mehrere Regisseure Stoff gesammelt und diesen dann zu einem Film montiert. Die Uncut-Fassung ist sicherlich etwas geschlossener, ist dafür aber wieder überlang, wo schon dieser deutsche Cut seine Längen hat. Manche Szenen haben aber kribbligen Reiz, wie manche Mordsequenzen, der Schluß mit den beißwütigen Hunden und einige Szenen mit einem jungen Steve Guttenberg, der seinen Spionagedrang schließlich mit dem Leben bezahlen muß. Ein Zwitter, das hätte man besser machen können. (5/10)

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