Wenn ich denn hier schon Spätwerke von Hammer und Konsorten bespreche – wer mag, schaue bei „Captain Kronos“ nach – kann ich auch gleich noch den guten, alten Baron Frankenstein zu Grabe tragen.
Ihr erinnert euch sicher an das Jahr 1957, als Peter Cushing als noch ruchloser Wissenschaftler Christopher Lee dazu brachte, als Mullbindenschöpfung mit Vulkanakne-Gesicht eine Runde Einrichtung zu zerstören und ein paar dusselige Dörfler zu meucheln.
Während sich Lee in seine eigene Franchise absetzte und reihenweise den Blutgrafen gab – wenn auch zunehmend widerwillig, aber eben passabel bezahlt, machte Cushing ohne Lee weiter und kurbelte bis 1974 satte fünf Fortsetzungen runter. Im Grunde war es ja sechs, aber einmal hatten die Macher es ohne den Meister versucht.
Ähnlich „Kronos“ wurde auch dieser Film bereits 1972 runtergekurbelt, als quasi die letzten Raten aus Amerika einliefen und dann bis 1974 noch eingelagert. Hier verstehe ich das sogar, denn anders als „Kronos“ bietet „Frankenstein and the Monster from Hell“ wirklich keinerlei Novitäten, die das Unternehmen Hammer in eine ertragreiche Richtung zu rücken versuchte. Dieser Film ist wirklich nur Vergangenheitsverwaltung kleinskaliert.
Auf jeden Fall taucht auch hier der Baron aus der Versenkung auf, weil sein größter Fan, der noch junge Dr.Helder alle Bücher über Victor gelesen hat und selbst mal was zum Leben erwecken will.
Dabei geht er so deppert überheblich vor, dass man ihn in die Klapse verlagert, um dort prompt als Mitinsassen den güldenen Baron zu treffen. Der ist mehr oder minder inzwischen Anstaltsleiter, denn der eigentliche Bürovorsteher ist ein charakterschwaches Pummelchen, welches gern einen zischt und weibliche Angestellte befummelt oder sogar Schlimmeres.
Naja, alsbald landet man also wieder im Laboratorium und die Crux ist diesmal eben, dass nicht mehr auf Friedhöfen rumgebuddelt wird (das geht nämlich hier am Filmbeginn höllisch schief), sondern man einfach mal den einen oder anderen talentierten Insassen meuchelt, um dessen Physis, Psyche oder Fertigkeiten in einem neuen Geschöpf zu vereinen. Also müssen für Augen und Gehirn wieder mal Gebildete herhalten – warum aber Frankenstein in Sachen Körper ausgerechnet auf „Herrn Schneider“ verfällt, der ausschaut, als wäre ein nicht ganz behaarter Werwolf dem Hulk hinten reingefahren, wird nicht ganz klar.
Die budgetbedingte Körperprothese, die David Prowse hier tragen muss, wirkt nicht mal entfernt ähnlich und wird jedes Mal alberner, wann immer man sie sieht, quasi hals- und schulterlos, mit wenig Möglichkeit zu irgendeiner mimischen Leistung. Was schade ist, denn das Viech soll ja Mitleid erregen und ihre psychischer Zusammenbruch, der das Monster in ihr hervorbringt, soll uns abholen.
Funktioniert nur leider nicht, denn wiederum mangels Budget poltert Schneider nur etwas länger durch die Nervenheilanstalt, schubst ein paar Insassen, meuchelt irgendwie den Direx und wird anschließend in einer faszinierenden Szene von den übrigen Irren komplett in Stücke gerissen.
Woraufhin Frankieboy und sein Lehrling Simon einfach mal zum nächsten Versuch übergehen – zu dem es aber aufgrund ziemlicher Langeweile zum Glück nicht mehr kam.
Tatsächlich war es langsam gut mit der Franchise, in der Cushing wie in so vielen Produktionen einfach nur Trauerbewältigung betrieb und eine furchtbare Frise tragen musste. Da drei Viertel des Films in der Irrenanstalt spielen, gestaltet sich die Inszenierung bald wie ein Kammerspiel, mit einfach zu wenigen Widersachern und Problemen, stattdessen strickt man ein hausgemachtes Monster mit der heißen Nadel, diskutiert semimoralisierend vor sich hin und hat dann doch fast keine Schauwerte zu bieten, außer ein paar ungewohnten Schockeffekten mit Augäpfeln und abgetrennten Händen.
Wer mag, wird so immerhin des letzten Films des großen Terence Fisher angesichtig, auch wenn der Mann selbst nie ganz so konstant in seinen Regieleistungen war, aber eben auch die berühmtesten Filme der Hammer-Studios inszenierte (die ersten beiden Frankensteins, die ersten drei Draculas, die Mumie, den Werwolf, das Phantom und die Meduas). Sein letzter Film ist jedenfalls eine weiterer Beleg dafür, dass es mit Hammer dem Ende entgegen ging, denn bei gerade 93 Minuten, wird „Monster vom Hell“ schon nach der Hälfte eine ziemlich zähe und langwierige Angelegenheit (4/10)