Review

"Metaluna 4 antwortet nicht", oder: Eierköpfe gegen Glubschaugen, und mittendrin der Mensch...


"Metaluna 4 antwortet nicht" ist ein zweifellos ernster Film der nicht verkalauert werden sollte. Er ist durchaus mit "Der Tag an dem die Erde stillstand" von Robert Wise vergleichbar, auch wenn er sicher nicht ganz dessen Qualität erreicht, sowie mit seinem naiv-konservativen Wissenschaftsverständnis gelegentlich unfreiwillig komisch und veraltet wirkt. Jedenfalls kenne ich keine zweite amerikanische Produktion aus der Zeit welche es noch mit den durchwegs großartigen sowjetischen Farbfilmen der Ära auch nur annähernd hätte aufnehmen können ("Forbidden Planet" war ja, wohl aufgrund seiner "Tempest"-Anleihen, eine in Technicolor gedrehte größere A-Ausnahme).
"This Island Earth" beschreibt dabei die Arbeit verdeckt operierender Außerirdischer, welche auf der Erde nach dem Wissenschaftsverständnis eines bestimmten Atomforschers suchen, und ist gewissermaßen eine umgekehrte Robinsonade in der eben diese Außerirdischen sich Hilfe von den eigentlich unterentwickelten Menschen hoffen und erwarten. Warum sie das tun wird im Film bis auf die angeblich sehr hohen Uranvorkommen auf der Erde nicht erklärt - manches deutet jedoch auf einen grundlegenden, kosmisch überspannten Humanismus zwischen den Spezies hin, der an David Humes' Naturalismus erinnern mag: damit hört der Film allerdings auch auf der Oberfläche nicht auf, sondern es gibt noch eine zweite und sogar eine dritte Ebene.
Auf der zweiten Ebene wird nämlich schon früh deutlich, dass die Aliens - welche wissenschaftlich orientiert wie das Stereotyp von "Eierköpfen" wohl etwas lächerlich erscheinen - eine vom UFO-Phänomen inspirierte korrupte Politik der Infiltration und Kolonisation verfolgen, ja womöglich die Unterwerfung und Gedankenkontrolle von Menschen quasi nebenbei betreiben. Eine Politik die aber innerhalb der Gesellschaft dieser Eierköpfe selbst keine einhellige Zustimmung findet und auf Widerspruch stößt: man sieht, "This Island Earth" entzieht sich ähnlich wie postmoderne Space Operas à la dem Videospiel "Halo" oder Banks' "Kultur"-Zyklus bei einigem Verständnis vollständig Gut- (wie beim naiven Wise) und Böse-Zuordnungen (den diversen reaktionären Invasionsfilmen). Dem nicht genug gibt es aber noch eine dritte Ebene, jene der klassischen, interstellaren Space Opera, in der das Motiv der Außerirdschen für ihre Hilfesuche erklärt wird. Die Eierköpfe befinden sich nämlich im Kriegszustand mit glubschäugigen Parade-Aliens aus dem Golden Age der Science-Ficiton, und damit sie ihren eigenen Planeten vor deren Geschossen schützen können brauchen die Eierköpfe Unmengen Uran. 
Die glubschäugigen Außerirdischen treten in dem Film wie klassische Universal-Monster auf, das heißt sie besitzen selbst aufgrund der zweiten Ebene des Films noch eine eigene zweite Ebene als Mutierte, die sie ähnlich wie Frankensteins Monster nicht (nur) als aggressive Ungeheuer, sondern auch dereinst womöglich selbst potentiell kolonisierte Opfer erscheinen lassen, die sich ursprünglich nur wehren wollten und im Film etwa aus Furcht vor neuen Repressalien zu einem Gegenangriff ausgeholt haben. Legendär die herzzerreißende und auf die Tränendrüse drückende Gewaltszene in welcher dem einen Glubschäugigen in der Konfrontation befohlen wird zurück zu bleiben - leider schadet dem Film die dürftige Schauspielkunst der meisten US-B-DarstellerInnen noch zusätzlich.
"This Island Earth" bietet sozusagen einen Mittelweg zwischen dem moralischen Chauvinismus und den naiven Pazifismen eines Robert Wise, welche gerade in Deutschland politisch leider sehr beliebt wurden, und den ansonsten üblichen, antikommunistisch-abstrusen Ausgeburten über Mars und fliegende Untertassen. Leider kann der Film ansonsten nur mit seinen revolutionären Lichteffekten die nur durch den beständigen Einsatz farbiger Scheinwerfer auch im Freien entstanden sein konnten, überzeugen, während der Regisseur keineswegs mit Wise, Wilcox (Lassie) oder auch nur den vielen Russen in meinen Augen mithalten kann. Schade.

Rating 8.5

Korrektur: im Film wird tatsächlich nicht erklärt wie die "Feinde" der Eierköpfe aussehen, aber auch nicht die Herkunft der mutierten Glubschaugen. Sie seien lediglich "gezüchtet" worden um Arbeiten zu verrichten, also versklavt, und werden mit Insekten verglichen - es liegt für mich deshalb nahe dass sie von ihren "Feinden" stammen und ursprünglich womöglich Kriegsgefangene waren. Ich betrachtete sie deshalb auch als Schlüssel für mein Verständnis des Films. Dieser soll sich von der Novella, dem Roman, jedoch erheblich abweichen, weshalb ich dankbar für Hinweise auf deren Darstellung dort dankbar wäre - falls sie darin überhaupt vorkommen sollten...

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