Um eins gleich zu Beginn vorweg zu nehmen, das interessanteste an diesem Film ist sicherlich die Identität des Regisseurs. In den meisten Quellen wird Pierre Chevalier als eben dieser angegeben. Dennoch gibt es vereinzelte Stimmen, die diesen Film Jess Franco zuordnen wollen. Ich kann diese Kontroverse sehr gut verstehen und leider nicht entgültig beenden. Wenn man diesen Film ohne Hintergrundwissen schaut, wird man auf jeden Fall auf Jess Franco tippen, da hier einige seiner Stilmittel Verwendung finden (bspw. Zooms auf die Augenpartie oder aber die Spiegelfilmerei. Böse Zungen könnten auch noch die mangelnde Dramaturgie als Indiz anführen). Außerdem lässt das Auftreten von Howard Vernon fast automatisch auf Franco schließen.
Wie dem auch sei, „Der unsichtbare Tod“ stellt eine Hommage an den klassischen Gruselfilm der 50er Jahre dar. Es gibt eine alte Burg, einen wahnsinnigen Wissenschaftler, verängstigte Dorfbewohner und das obligatorische Monster, diesmal in Gestalt des „Unsichtbaren“.
Die Story sei hier nur in Kurzfassung erwähnt: Ein junger Arzt wird unter dubiosen Umständen zum Schloß von Professor Orloff gerufen (Witzigerweise haben gewisse deutsche Veröffentlichungen die Bezeichnung Dr. Orloff im Titel). Nach beschwerlichem Weg dort angekommen trifft er auf verängstigte Bedienstete und schließlich auf Prof. Orloff und seine „Erfindung“. Der Unsichtbare braucht Menschenblut um existieren zu können. Dies besorgt der Prof. von Dorfeinwohnern („Haben Sie nicht vom Verschwinden diverser Dorfbewohner gehört?“).
Diese Art der Wissenschaft bzw. Forschung kann der junge Arzt aber nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und wird dadurch zu Orloffs Feind, der ihm sogleich den Unsichtbaren auf den Hals hetzt.
Der Film baut anfänglich liebevoll eine gewisse Gruselatmosphäre auf, die jedoch nach Prof. Orloffs erstem Auftritt zunichte gemacht wird. Faszinierend ist von nun an – von einigen wirklich gelungenen Effekten, die den Unsichtbaren am Werke zeigen – nur noch die totale Langeweile, die sich auf der Leinwand breit macht.
Die Story taumelt von einem Logikloch ins nächste und wird abstrus bis konfus.
Prof. Orloffs Tochter streut immer Mehl hinter sich, damit sie die Fußabdrücke des Unsichtbaren sehen kann, sofern dieser sie verfolgt. Was aber, wenn der Unsichtbare gar nicht hinter sondern vor Ihr ist (was bei einem großen Schloss mit vielen Zimmern und Wegen gar nicht so abwegig wäre)?
Der Unsichtbare ist dem Menschen der Aussage von Prof. Orloff zur Folge „intellektuell weit überlegen“ und kann „sogar lesen“! Überführt wird er dann, als der Arzt das Mehl direkt auf den Unsichtbaren wirft.
Was wir dann aber sehen ist lächerlich: Man sieht nicht etwa nur weiße (wegen des Mehls) Umrisse sondern einen halbdurchsichtigen schwarzen Gorilla! Dies ist nicht nur lächerlich, sondern wird auch schnell sehr pervers, wenn man bedenkt dass dieser Gorilla zur Mitte des Films eine Frau lang und breit vergewaltigt hat!
Die Vergewaltigungsszene ist auch bemerkenswert inszeniert worden: Eine nackte Frau räkelt sich stöhnend auf Stroh und behält dabei die Beine in einem Winkel, der es – vorsichtig ausgedrückt – nur einem außergewöhnlich dünnen Mann ermöglichen würde, zwischen eben diesen zu liegen.
Ein weiterer Spezialeffekt betrifft eine Falle: Der Arzt läuft in eine Falle. Diese bewirkt, dass sich ein Teil der Mauer eines Raumes auf die gegenüberliegende Mauer zu bewegt, um den Arzt zu zerquetschen. Umgesetzt wurde der Effekt einfach wie genial (...): Es wurde eine Kamera frontal auf eben jene Mauer gerichtet und zoomt nun immer näher an diese heran. Ohne die Mithilfe eines Leidensgenossen (Dank an Schlety !) wäre ich niemals hinter den Sinn dieser Szene gekommen.
Im Endeffekt haben wir es hier mit einem durchaus ambitionierten Versuch zu tun, den klassischen Gruselfilm wiederzubeleben. Dieser Versuch scheitert aber an einem völlig unsinnigen Drehbuch (das übrigens auch vom Regisseur verfasst wurde. Ein weiterer Punkt, der für Franco spricht) und der Unfähigkeit des Spielleiters, einen vernünftigen Spannungsbogen aufzubauen.
Der Film ist nicht mal partytauglich, er ist schlicht und ergreifend schlecht.
2/10