Inhalt:
Ein junger Arzt wird zum Schloss des Dr. Orloff gerufen, wo er trotz Bedenken einiger Dorfbewohner und nach einigen Schwierigkeiten auch ankommt. Bald stellt sich heraus, dass gar niemand krank ist, sondern die Tochter des Herrn Orloff den Quacksalber benötigt, damit er den mysteriösen Geschehnissen auf dem Schloss nachgeht. Der Mediziner lässt sich nicht zweimal bitten und trifft bald auf den sagenumwogenen Dr. Orloff, dessen Experimente außer Kontolle geraten und so für Unruhe sorgen...
Kritik:
Auf diesen Film habe ich mich gefreut, da Jess Franco diesen in einigen Interviews erwähnte und mich so ganz heiß darauf machte. Trotzdem bin ich mit relativ niedrigen Erwartungen an den Streifen herangegangen, da seine bisherigen filmischen Ergüsse mich nicht sonderlich überzeugt haben. Selbst der von einigen DVD-Produzenten (wer mag das wohl sein?) als bester Franco aller Zeiten angepriesene "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" ist nicht unbedingt ein Meisterwerk (wenn gleich er stellenweise eine feine Atmosphäre aufweist, kann dies nicht über die konfuse Story hinwegtäuschen [so, da ich zu jenem Franco-Film nicht extra eine Kritik verfassen wollte, habe ich dies in einem ultrakurzen Klammersatz getan, wie ich es mir vorgenommen hatte]).
"Das Schreckenshaus des Dr. Orloff" jedoch hat mir gefallen.
Klar, die Story um den verrückten Wissenschaftler, der sich mit seinen Experimenten an der ach so bösen Menschheit rächen will, ist nicht neu, wurde hier aber stellenweise sehr überzeugend umgesetzt. Dr. Orloff hatte es aber auch nicht leicht: Seine Tochter litt an einer Krankheit, welcher sie erlag und in einen Sarg gepackt wurde. Doch zwei Vertraute des Dr. Orloff dachten sich, dass der Schmuck im Sarg zu schade zum Verbuddeln sei und so nahmen sie die Wertgegenstände an sich, wobei sie merkten, dass die Tochter gar nicht tot war, sondern (vermutlich) nur im Koma lag, worauf sie mit einem fiesen Messerstich reagierten. Die Tochter schleppte sich zu Papi und petzte alles, worauf dieser sich die beiden Rüpel schnappte, im Keller einsperrte und deren Blut für seine Experimente benutzte. Das Ergebnis seiner Forschungen ist ein unsichtbares Wesen, das durchs Schloss geistert und ab und zu einen Schluck Blut benötigt.
All das vertraut der Doktor dem Arzt an, bis halt die Dinge außer Kontrolle geraten.
Der Schauplatz des Schlosses ist gut gewählt, denn die Räume, das Labor und die Katakomben bieten einiges fürs Auge. Sie werden von Jess Franco gut in Szene gesetzt, wobei der Mann seine schon legendären verwackelten Kameraeinstellungen und unscharfen Zooms nicht so häufig einsetzt, wie in späteren Werken. Was ich recht spaßig finde, ist die Stelle, bei der Dr. Orloff vor dem Arzt aus dem Nähkästchen plaudert und auf die Fragen des Arztes verzögert die Antworten erfolgen, da entweder der Schnitt zu spät gesetzt wurde oder die Kamera erst geschwenkt werden muss. Das finde ich aber nicht schlimm, sondern durchaus sympathisch.
Schön ist auch die klassische Horrorfilmatmosphäre, die man aus den Lee-Cushing-Price-Klassikern kennt. Die Musik wird ebenfalls sinnvoll eingesetzt und nervt nicht so wie in anderen Werken von Franco.
Die Schauspieler sind ok, wobei Jess Francos Stammdarsteller Howard Vernon als Dr. Orloff verhältnismäßig gute Arbeit leistet. Ansonsten bleibt einem niemand im Gedächtnis (naja, vielleicht der Arzt noch) und die Mädels sind francotypisch hauptsächlich dazu da, um aus ihren Kleidern zu schlüpfen (mal gewollt, wie die Dienerin, die den Komplizen scharf machen will und mal ungewollt, wie die Tochter, der beim Unsichtbarenangriff alle Kleider vom Leibe fallen). Ansonsten gibt es im Vergleich zu anderen Werken Francos wenig nackte Haut bzw. Sex. Nur als der Unsichtbare eine Bedienstete vernascht (sie hat den Arzt gerufen und wird so von Orloff bestraft), erkennt man die Vorliebe von Jess.
Die Effekte, mit denen der Unsichtbare umgesetzt wurde, sind für damalige Verhältnisse in Ordnung. So wird in einem Buch geblättert, es wird ein Tablett mit Wein gebracht, eine Lampe die Treppe hinaufgetragen, Stühle werden umgekippt etc. und alles, ohne dass man Fäden oder ähnliches erkennen könnte (zumindest habe ich keine gesehen).
Bei den Fussspuren, die der Unsichtbare im Mehl hinterlässt, wurde dann etwas geschludert, aber ganz dicke kommt es gegen Ende, als man das Vieh das erste Mal zu Gesicht bekommt. Mittels gemahlenem Getreide (=Mehl, klingt komisch, ist aber so) wird das Wesen sichtbar gemacht und das sorgt dann für wahrhaft unfreiwillige Komik (dabei fällt mir ein, dass ich in der Szene, in der der Arzt auf der Reise zum Schloss versucht, eine Kutsche aus dem Schlamm zu schieben, was der Kutscher nutzt, um sich aus dem Schlamm, äh Staub zu machen, auch herzlich gelacht habe, aber das nur nebenbei, da ich dies an keiner anderen Stelle unterbringen konnte), denn es handelt sich um einen (ich sach mal) Menschenaffen, der von einem Mann in einem billigen Gorillakostüm, wie man es in vielen schlechten Fernsehshows oder beim Karneval sieht, dargestellt wird. Das nimmt dem Film dann doch einiges an Wirkung.
Das Ende kann dann leider auch nicht überzeugen, da das ganze viel zu überhastet und konzeptlos daherkommt.
Trotz einiger Schwächen ist dies ein nettes Mad Scientist Filmchen im klassischen Horrorgewand mit einer dichten Atmosphäre.