Es ist schon einige Jährchen her, als ich den Streifen das letzte Mal gesehen habe und ehrlich gesagt erinnerte ich mich mit keiner Silbe daran, als ich die DVD besorgte, es ging mir ja auch um den enthaltenen „Tentacoli“, den ich hier nun endlich im Originalformat und top Qualität bewundern konnte. Umso überraschter dann mein Gesicht, als mir das alles sehr wohl bekannt vorkam.
Das Ferienzentrum Dreamland Coast soll an einer abgelegenen Küste von Florida entstehen, doch das Projekt verkauft sich nicht. Um es dennoch an den Mann, bzw. die Frau zu bekommen veranstaltet die Maklerin Marylin Fryer Führungen und präsentiert mit überschwänglichen Worten, potentieller Käuferschaft, die Gegend. Was sie allerdings nicht weiß, ist, dass in der Gegend vor nicht allzu ferner Zeit radioaktiver Müll ins Meer geworfen wurde. An den Strand gespült macht sich die hiesige Ameisenpopulation über das Material her, was gigantische Folgen hat. Gerade als sich wieder einmal eine Gruppe auf Tour befindet, brechen die Biester hervor und fallen über die Menschen her. In panischer Angst wird geflüchtet, doch sie sind überall. Als ein kläglicher Rest es in eine nicht sehr weit entfernte Stadt schafft wiegt man sich zunächst in Sicherheit, doch irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen.
Ich zögerte zunächst mit dem Kauf der DVD, denn aus allen Ecken hörte, bzw. las ich nur Schlechtes. Zu miese Story, zu schlecht spielende Darsteller und vor allem, zu schlechte, dilletantische Effekte. Was ich dabei aber nicht bedacht hatte, war, dass hier ganz sicher Leute den Film bewertet hatten, die nicht so wie ich ein Herz für Trash besitzen und auch die Filme der Vergangenheit so mögen. Dort saßen sicher welche, die einen perfekten Streifen erwarteten, der in allen Phasen fesselt und begeistert und mit heutigen Produktionen zu vergleichen ist. Als mir der Gedanke dann gekommen war griff ich zu und auch wegen des oben angebrachten Grundes.
Was man sich bei „Empire of the Ants“ vor Augen führen sollte ist, es handelt sich hier um einen B-Movie, der nicht mit dem höchsten Budget realisiert wurde und somit durchaus seine Schwächen hat. Dennoch besitzt er seinen Charme und hat durchaus seine Schauwerte, auch bei und vielleicht vor allem, bei den Effekten.
Zunächst tummeln sich auf der Mattscheibe, oder Leinwand (wie man’s möchte), bekannte Gesichter und eines des B-Movies ganz besonders. Robert Lansing, der mir letztens als 4D Mann untergekommen war, spielt eine der Hauptrollen und er ist für mich hier die schauspielerisch größte Größe auch wenn er nicht wirklich gefordert wird. Den bodenständigen Bootsfahrer, der dann zum Leiter der Gruppe avanciert gibt er sehr gut und mit seiner stattlichen Figur ist er der Mann, der es anzupacken versteht. Neben Lansing sieht man mit Joan Collins einen weiteren sehr bekannten Schauspieler. Zwar gelangte sie erst 1981 mit ihrer Rolle in „Denver Clan“ zu Weltruhm, doch blickte sie hier schon auf einige gute Engagements zurück. Auch sie ist im Film unterfordert, erfreut den Trashfan jedoch mit herrlich klischeehaftem Verhalten, besonders wenn es darum geht sich vor den Biestern zu fürchten. Wer sich in der Fernsehwelt etwas auskennt, dem werden Pamela Susan Shoop und Robert Pine durchaus ein begriff sein, zumindest vom Aussehen her. Sie waren in fast allen damaligen Fernsehserien, bis weit in die 80er vertreten, ob „Knight Rider“, „A-Team“ oder sonst was. Von der emotionalen Darstellung hat mir Pamela Shoop am meisten gefallen. Ihre Gefühlsausbrüche sind sehr schön anzusehen, wie die ganze Frau (zumindest damals). Zu guterletzt erwähnt sei Albert Salmi, als Sheriff. Salmi ist ebenso wie Shoop und Pine ein Kind des Fernsehens und man kennt sein Gesicht somit ebenso aus Zahlreichen Serienepisoden.
Der eigentliche Star des Filmes sind jedoch die Ameisen, die mitunter zu hunderten über den Schirm wuseln. Wie Regisseur Bert I. Gordon das geschafft hat ist recht einfach zu erklären. Die Viecher wurden eingespiegelt. Es handelt sich um echte Ameisen, um tropische Riesenameisen, die bei uns auch 24-Stunden-Ameise genannt wird. Letzter Name rührt daher, weil ihr Stich, der als einer der schmerzhaftesten Insektenstiche gilt, erst nach 24 Stunden nachlässt. Warum Bert I. Gordon sie verwendete liegt zum einen wohl an der Größe, die sich gut für seine Modellbauten eignete und zum anderen sicher an dem bedrohlichen Aussehen, sowie der besonderen Eigenschaft der Spezies. Gordon hat die Effekte für den Film selbst kreiert, wird somit auch bei den Optischen Effekten aufgeführt. Wie gesagt, werden die Ameisen eingespiegelt, für die direkte Interaktion mit den Darstellern baute man jedoch einige bewegliche Modelle, die natürlich zur Belustigung beitragen, aber bei weitem nicht so schlecht sind wie man es von überall hört. Da fand ich die Riesenameisen in „Formicula“ schlechter, was aber keine Herabsetzung dessen sein soll. Um die Modelle etwas zu kaschieren greift man in den Angriffsszenen auf die Wackelkamera zurück. Informationen gehen dabei jedoch nicht verloren. Begleitet wird das ganze immer von seltsamen Schreien der Tiere, die man schwer in Worte fassen kann. Jedenfalls hebt es den Spaß beim Zusehen um einiges an. Das letzte Drittel von „Empire of the Ants“, oder „In der Gewalt der Riesenameisen“ (wenn das besser klingt), hält eine witzige Überraschung parat, die ich jenen, die den Streifen noch nicht kennen hier aber nicht verraten möchte, die sie aber erfahren, sobald sie den Trailer sehen, der geradewegs darauf hinzielt. Jedenfalls hört der Film etwas abrupt auf, man könnte gleich eine Fortsetzung anhängen. Zu dieser ist es leider nicht gekommen, was ich etwas schade finde, denn der vorliegende Film ist sehr unterhaltsam.
Sicherlich besitzt „In der Gewalt der Riesenameisen“ seine Schwächen, ist vorhersehbar, klischeehaft und in den Effekten nicht wirklich überzeugend, aber man hat auch einen mächtigen Spaß an der Sache, zumindest hatte ich den. Gerade wegen der etwas schwächelnden Effekte, den Klischees und einigen anderen Momenten, hat er für mich diesen Unterhaltungswert und habe ich mich besonders bei den Ameisenangriffen amüsiert. Hinzu kommen die vielen bekannten Gesichte und besonders Robert Lansing, den ich immer wieder gern sehe. Zudem ist der Streifen ganz im Stile seiner Zeit gehalten. Die angebrachten Kritikpunkte in den bisher konsumierten Rezensionen stellen sich mir bei weitem nicht so schlimm dar. Sicherlich werden Puristen, die einen perfekt gestylten Effektefilm erwarten enttäuscht sein.