Aufzug ins Grab
Nach „Tales From The Crypt“ hatte die britische Filmschmiede Amicus Episodenhorrorlunte gerochen und schob mit „Vault of Horror“ direkt Nachschlag in den Rachen der gierigen Genrefans. Im Laufe des Jahrzehnts sollte sich die Firma über eben dieses Subgenrestandbein einen bis heute nachklingenden Namen machen und etliche Horror-Omnibusse hinterherschicken. Nostalgisch und voller britischem Chuzpe.
In der (wie immer sehr übersichtlichen) Rahmenhandlung von „Vault of Horror“ folgen wir fünf Männern mitten in einem Londoner Hochhaus in einen Aufzug - nach unten, in ein mysteriöses Kellergeschoss. In froher Erwartung auf Rettung machen es sich die fünf Herren mit Whisky gemütlich und erzählen sich ihre erschreckendsten Ängste bzw. Alpträume, denen wir dann in fünf Kurzfilmen beiwohnen dürfen...
MIDNIGHT MESS (7,5/10)
Ein Mann ist sauer, dass seine Schwester Alleinerbin ist und plant ihren Mord. Doch er hätte nicht mit ihrer blutsaugenden Nachbarschaft gerechnet...
Eine Vampirstory darf nie fehlen. Guter Start. Selbst wenn man ziemlich genau weiß, was einen erwartet, macht es einfach Spaß, wenn ein Mann, der es verdient hat, von der durstigen Draculameute wie ein Bierfass angezapft wird. „Nettes Bouquet!“ in der Tat!
THE NEAT JOB (8/10)
Häuslicher Horror: eine Frau wird von ihrem hyperordentlichen Ehemann in Angst und Wahnsinn getrieben...
Horrorkomödie über Aufräumwahn und Ehefrust. Makaber und super unterhaltsam. Böses Ende. Mir fällt im gesamten Subgenre kaum eine deutlich witzigere Episode ein. Lockert den ganzen Film auf, selbst wenn es ein kleiner Bruch und überhaupt nicht creepy ist.
THIS TRICK'LL KILL YOU (5,5/10)
Ein Zauberer sieht im Indienurlaub den Trick seines Lebens...
Don't fuck with the Seiltänzerin. Oder so ähnlich. Das indische Setting und Flair hat was, doch insgesamt für mich der deutlich schwächste Teil des Films. Das Killerseil ist gut lebendig gezaubert und die Boshaftigkeit und der Neid des westlichen Zauberers auf den wahren Zauber des Orients ist spürbar. Insgesamt aber dann doch etwas... langweilig und noch vorhersehbarer als die restlichen (aus heutiger Sicht eh kaum innovativen oder überraschenden) Shorties.
BARGAIN IN DEATH (7/10)
Versicherungsbetrug, gefälschter Tod, lebendig begraben, üble Überraschungen...
„Buried“ in bizarr. Wieder viel schwarzer Humor. Mit einem für mich nicht vorhersehbaren Verlauf. Knackig, kurz und düster. Passt. „We are Ghouls!“. Nuff said.
DRAWN AND QUARTERED (8,5/10)
Durch einen haitianischen Zauber kann ein Künstler plötzlich durch seine Bilder eine Art Voodoo betreiben...
Das Beste kommt zum Schluss. Für mich die Highlightepisode. Hätte auch einen Langfilm verdient. Gruselig, kreativ, blutig. Künstlerisch wertvoller Schrecken. Zuerst mit exotischem Flair, dann mit mörderischen Gemälden. Und einem finalen Bild, das im Gedächtnis bleibt. Eines der wenigen dieser Anthologie. Wahrscheinlich der blutigste Shorty. Ich sag nur „Hände ab“.
Fazit: für Freunde der gepflegten Kunst der Anthologiegrusler ein Muss! Amicus war damals in einem feinen Flow und stellen, vor allem wenn man britischen Horror mag, noch immer in vielerlei Hinsicht das Nonplusultra dieser Schauer-Subart dar. „The Vault of Horror“ ist recht zahm aber dennoch sehr kurzweilig, stilvoll und charmant. Ein elegantes Buffet.