Fabrice du Welz beschritt mit dem 2004 veröffentlichten „Calvaire – Tortur des Wahnsinns“ aus dem belgisch-französischen Raum etwas andere Wege. Wähnt man sich zunächst in einem typischen Backwood-Terror-Film, fällt einem bereits recht früh die ungewöhnlich ruhige Inszenierung auf, die fast gänzlich auf Filmmusik verzichtet und eine bedrohliche, triste Atmosphäre schafft. Als der Liebeslieder singende, etwas verweichlicht wirkende Protagonist nach einer Autopanne auf einen anscheinend leicht verrückten Mann trifft, der ihn wiederum zum zunächst normal wirkenden, alten Bartel führt, denkt man unweigerlich an bewaffnete Hinterwäldler, die früher oder später Marc nach dem Leben trachten werden. Doch statt mit Hieb- und Stichwerkzeugen schwingenden Freaks bekommt es der Zuschauer zunächst mit den tiefen seelischen Abgründen Bartels zu tun, der seiner Ex-Frau nachtrauert und nach und nach seine viel tiefer liegende Verrücktheit offenbart – unter der Marc schließlich zu leiden hat. Hier vermischt sich dann die typische Backwood-Thematik mit Psychothrill á la „Misery“ und bekommt eine ausgeprägte tragische Note. Im Dorf, in dem Sodomie zum guten Ton zu gehören scheint und die Geräuschkulisse geprägt ist vom Schreien des Viehs, versucht Marc verzweifelt, seiner unwirtlichen Situation zu entkommen – muss jedoch die Erfahrung machen, dass Bartel und der verwirrte Typ vom Beginn nicht die einzigen sind, die sich geistig ziemlich neben der Spur befinden… Dabei kommt es zu wunderbar verschrobenen Szenen, die mich zunächst verwirrten und schockierten, mir im Nachhinein aber das eine oder andere Lächeln aufs Gesicht zaubern. Bei allem Respekt und Wohlwollen gegenüber der gewagten, „sanften Dramaturgie“ hätte ich mir zwischenzeitlich dann aber doch etwas mehr gewünscht, was den Zuschauer bei der Stange zu halten vermag. Über die Gesamtlänge des Films waren mir einige Passagen ZU entspannt und… einschläfernd. Trotzdem lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben und Zugang zu diesem interessanten, etwas anderen Backwood-Terror-Film zu finden – der zu mehrmaligem Ansehen einlädt und sich womöglich von Sichtung zu Sichtung in seiner Wirkung umso mehr entfaltet. Meine Kurzkritik entstand nach dem ersten Ansehen und ich bin selbst gespannt, inwieweit ich meine Meinung evtl. noch ändern werde.