Tanz der Degenerierten
"Calvaire" erzählt die Geschichte eines sensiblen, (noch) nicht allzu erfolgreichen Schlagersängers, der nach einer Autopanne in der Provinz an einen zuerst freundlichen, dann immer aufdringlicher freundlichen (...) Pensionswirt gerät, um schließlich ein wahres Martyrium zu durchleben...
"Calvaire" lässt sich in seiner Krassheit durchaus in die französische Nouvelle Vague des Horrorfilmes einordnen, hat aber mit den explizit blutrünstigen Szenarien von "Inside" oder "Frontier(s)" wenig zu tun; vielmehr wird eine Extrem-Variante des Psychothrillers geboten.
Gerade zu Beginn fast in Arthaus-Manier sparsam, aber effektiv, und über die ganze Spielzeit einigermaßen hintergründig inszeniert (der gebeutelte Hauptprotagonist muss sich letztlich immer aufs Neue der Gefühlsausbrüche und Begierden anderer erwehren), kann sich der Film dennoch oft nur marginal von den etwas ausgetreten Pfaden des Backwood-Genres lösen. Daran ändern auch einige bizarre Regieeinfällen, wie der Tanz der dörflichen Männergemeinschaft in der Kneipe, wenig.
Der Hauptdarsteller Laurent Lucas ist nach meinem Empfinden, auch wenn es manche Rezensenten anders sehen mögen, gut besetzt. Gerade zum Auftakt gewinnt er mit sparsamen Gesten einiges an Profil - man hat eine gute Vorstellung davon, wen man vor sich hat - aber es ist dann vielleicht ein Versäumnis der Regie (und/ oder den krassen Entwicklungen geschuldet), dass Laurent später nur noch eine kaum variierte Leidensmiene zu Schau trägt.
Sehenswert allemal, krasser Stoff, und, wie es sich für das neue französische Terrorkino gehört, grundernst und in seinen schlimmen Entwicklungen kompromisslos, ist "Calvaire" letztlich nicht der ganz große Wurf.