Dieser Film ist kein Horrorfilm im eigentlichen Sinn, denn das, was Marc hier erlebt, hat weniger mit körperlicher als mit psychischer Folter zu tun. Das bedeutet auch, dass wir hier meilenweit von einem Torture Porn entfernt sind, auch wenn das Cover vielleicht etwas anderes suggerieren möchte. Der unschuldige Marc wird hier einer psychischen Tortur unterzogen, denn er wird quasi als Ersatzfrau betrachtet, und das nicht nur von Bartel sondern auch von den Dorfbewohnern. Und sie wollen um jeden Preis wieder verhindern, dass "ihre Frau" weg läuft. Das ist die Situation, in welcher sich Marc befindet. Und das macht diesen Film aus, denn es sind nicht die Schockmomente, die hier zählen, sondern das Paket aus Mitleid für die Peineiger, denn sie wirken selbst wie psychisch zerstört und wenn es nur durch die Tatsache ist, dass sie alle verlassen wurden und dadurch einfach verrückt geworden sind, und Mitleid für den Gepeinigten, wobei hier immer wieder die Frage aufkommt, warum er nicht viel früher versucht aus seiner Situation zu entkommen.
Die Schauspieler hier kennt, und gerade die großen, französischen Namen wie Philipe Nahon (kennt man aus Menschenfeind oder High Tension) oder Brigitte Lahaie (ehemals Brigitte Bardot) tauchen hier auf, auch wenn sie mehr oder minder nur in Nebenrollen zu sehen sind. Jackie Berroyer spielt den Bartel und er macht seine Sache als ein Stück weit verrückter Eremit sehr gut. Sein Aussehen trägt sein Übriges dazu bei, dass er diese Rolle allumfassend darstellen kann. Den Protagonisten Laurent Lucas in der Rolle des Marc Stevens kannte ich vorher überhaupt nicht. Er spielt die Rolle ebenfalls überzeugend, allerdings wage ich es anzuzweifeln, dass er durch diese Rolle sehr viel Publicity genossen hat, denn es ist nicht wirklich er selbst, der dargestellt ist. In seiner Rolle hat er zusätzlich zu wenig eigenen Spielraum, denn Marc kann fast nur so handeln, wie er gehandelt hat, und nicht anders (abgesehen von einer frühzeitigen Flucht). Für den Regisseur Fabrice Du Welz war es der erste Spielfilm, und auch aus dieser Sicht hat er seine Sache sehr gut gemacht. Interessant hierbei ist sein Kommentar im Making Of, denn er selbst gibt eine Interpretation der Rollen und auch der gesamte Szenerie.
Bildtechnisch gibt es nichts auszusetzen. Am Ton fällt manchmal auf, dass Geräusche wohl absichtlich nicht mit vertont worden sind. Einmal hat man sogar das Gefühl, als ob eine Szene fehlt, nämlich dort, wo Bartel dem Alleinunterhalter die Autobatterie auf den Kopf knallt. Es findet sich allerdings kein Hinweis darauf, dass dort ein "Cut" stattgefunden hat.
Abschließend kann man nur sagen, dass dies ein Film ist, den ich so auch noch nie gesehen habe. Im Booklet wird er mit "Martyrs" verglichen, wobei ich meine, dass dieser Vergleich hinkt, denn die Handlung ist doch ein wenig anders. Außerdem ist hier der psychische Aspekt weit mehr im Vordergrund und nicht das Folterelement. Fans des ungewöhnlichen Horrorfilms, wenn man ihn denn so bezeichnen möchte, denn für mich ist es eher ein Drama, kommen hier voll auf ihre Kosten. Blut- und Splatterorgien gibt es allerdings nicht. Für diese Perle des französischen Films gibt es von mir 8,5/10 Punkte.