Wo sich Nebel und Inzucht einen wahnsinnigen Zungenkuss geben
"Calvaire" ist ein Brett, fies, klein und hundsgemein,
lässt er dich mit Wahnsinn und Abartigkeit ziemlich allein.
Mitten aus der Welle des französischen Schocks,
dieser Backwood-Terror spuckt dir ins Gesicht und trägt dabei Clocks.
Eine Fabel auf die Tortur dicker Eier,
ohne Frauen wird der Mann halt schnell zu 'nem Geier.
Etwas Kettensägenmassaker, ein Wenig "Martyrs" und überraschend schwarzer Humor,
dieser Trip setzt sich fest wie ein faulender Tumor.
Die Bilder aus Wald und Nebel sind ausgesprochen fein,
die Nachwirkungen entfalten sich wie ein abgelaufener Wein.
Laurent Lucas wimmert und winselt wie die besten seiner Zunft,
außer ihm ist hier absolut keiner mehr bei Vernunft.
Allerhand Perversitäten und dunkelste Abgründe der männlichen Seele,
keiner sollte hier bemängeln, dass ihm das Extreme fehle.
Insgesamt schockte mich das kranke Martyrium aber nicht uneingeschränkt,
dafür wirkt Vieles zu lahm, redundant und ungelenk.
Euro-Horror macht Hollywood weiterhin vor was echte Härte ist,
dagegen wirkt das Meiste aus der Traumfabrik wie weichgespülter Mist.
Gesehen hat man das zwar alles schon so ähnlich,
hier wirkt's jedoch bitterböse und nie dämlich.
Unsere Nachbarn aus Frankreich und Belgien hatten im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends einen erbarmungslosen Lauf,
vielleicht nimmt der ein oder andere mit Sickos wie "Calvaire" bleibende Schäden in Kauf.
Ein moderner Klassiker wie "Inside" oder "High Tension" vielleicht nicht,
doch es verbirgt sich mehr als man meint hinter diesem dreckigen Grimassengesicht.
Fazit: Willkommen bei den Sch'tis... ist das nicht! "Calvaire" ist ein (etwas zu) langsam anrollender Höllentrip, der den Griff um den Hals des Zuschauers immer enger zieht. Und er hat Krallen. Und wenig Erbarmen. Die Nachwirkungen sind nicht zu leugnen. Die 90 Minuten sind eher anstrengend. Nicht immer auf positive Weise. Angucken auf eigene Gefahr!