Schön, wenn sich auch mal Horrorfilmer sozialkritischen Themen annehmen. Und in der Tat gehen in der Diskussion um das Für und Wieder von Atomkraftwerken die Meinungen weit auseinander. Zumal alleine die Gefahren für genügend Zündstoff sorgen... Leider gerät die Anti-AKW-Message bei "Inferno 2000" sehr früh ins Hintertreffen, zu gunsten von pseudo-okkultem Geplänkel. Selbst ungeübte Filmfans werden bald erkennen, dass hier ziemlich hemmungslos von Richard Donner´s "Das Omen" gerippt wurde.
Natürlich tauchen bald etliche mystische Symboliken auf, wie etwa eine Wurzelrechnung, die rückwärts gelesen den Namen Jesus ergeben. Alle Gegner des Projektes werden wie von Geisterhand ins Jenseits befördert (übrigens die schönste Propeller-Enthauptung seit "Dawn of the Dead") und am Ende entpuppt sich der eigene Sohn, der zudem auf dem Namen Angel (!!!) hört, als der Antichrist in Person - was der Zuschauer aber schon seit der ersten Sekunde erahnt. Gespielt von Simon Ward, der eher wie ein Star Wars-Bösewicht wirkt, anstatt richtigen Schauer zu erzeugen.
Leider spielt die Story nur zu offensichtlich mit den handelsüblichen Klischees, was im italienischen Horrorkino jedoch kein Wunder ist, da hier meistens lieber geklaut als erfunden wurde. Dabei startet der Streifen eigentlich recht vielversprechend, verliert sich dann aber immer mehr in Twists und Wendungen, die nicht immer funktionieren. Der trashige Höhepunkt ist der Alptraum von Kirk Douglas, in dem er nackt durch die Wüste rennt, und von biblischen Halluzinationen verfolgt wird. Der Tiefpunkt hingegen die kitschige, unnötig in die Länge gezogene Liebesszene mit seiner Filmpartnerin Agostina Belli.
Das alles könnte man jetzt als glatten Verriss bewerten, ist aber nicht so: Denn trotz aller Schwächen ist "Inferno 2000" annehmlicher Euro-Horror geworden. In guten Momenten richtig spannend und leidlich unterhaltsam, mit überdurchschittlichen Darstellerleistungen. Für die meisten also weitaus besser, als das, was uns Fulci, Lenzi oder D´Amato in dieser Zeit vorgesetzt haben. Wie Moonshade vergebe auch ich sieben von zehn Punkten, wobei ich es interessant finde, wie differenziert die gleiche Punktevergabe doch manchmal sein kann...