Review

Das Omen der Nukleargefahr 

Richard Donners atmosphärisches Apokalypsenszenario "Das Omen" war in den 70ern zwischen okkultem Horrorschabernack und beachtenswertem Qualitätsfilm eine absolute Sensation und ein weltweiter Publikumserfolg. Kein Wunder, dass sich da auch das europäische Genrekino nicht lange bitten ließ, zusammenraufte, den schnellen Dollar roch und sowas wie "Holocaust 2000" auf die Beine gestellt hat, in dem kein Geringerer als Kirk Douglas (!) zwischen Atomkraft, Zukunftsvision und Vaterschaft u.a. sein eigenes Unternehmerego und vor allem seinen eigenen Sohn, der wahrscheinlich der Antichrist ist, daran hindern muss die Welt in Flammen aufgehen zu lassen...

Breitbild & Halbwertszeit

Wahrscheinlich greift es deutlich zu kurz "Holocaust 2000" nur als simple europäische "Omen"-Kopie abzustrafen, da De Martinos Atmokraft-Antichrist-Allerlei schon massiv mehr aufzeigt als man unter einem ungenierten "Euro-Ripoff" verstehen könnte. Kirk bringt Aura, Charisma und Bodenständigkeit. Klasse und Hollywoodstrahlkraft eh. Etliche weitere prominente Gesichter aus der Traumfabrik plus der breite Look sagen null "Bahnhofskino", sondern eher Hollywood-Serie A. Die altehrwürdigen Drehorte wie Kirchen, Kathedralen und Universitäten haben ebenfalls Gewicht. Zudem zeigt Kirk nackigen Körpereinsatz, es gibt ein paar fiese Todesszenen (ich sage nur "Hubschrauber"!) und alptraumhafte Traumsequenzen die an Psychedelik grenzen. Und auch heute (!) noch akute und komplexe, nicht ungefährliche Themen wie Atomkraft, Afrika und Antichristentum in einen Hut zu stecken und kräftig durchzumischen, ohne komplett dem Trash oder Kokolores zu verfallen, muss man De Martino hoch anrechnen. Da steckt durchaus etwas dahinter, das hat mehr Gravitas sowie Brisanz als man auf dem Papier meinen könnte. Bis heute. In Deutschland wurde der Titel selbstredend umgedichtet. Und allgemein wird "Holocaust 2000" meiner Meinung nach zu oft kleingehalten und abgetan. Er hat absolut Alleinstellungsmerkmale und Daseinsberechtigung. Er kann sogar recht unangenehm werden. Aber wahrscheinlich leider eher für die Falschen bzw. Mächtigen...

Atome und Antichristen

Fazit: Solides "kleines" "Omen"-Ripoff zwischen Italo-Sandkasten-Kopiebaukasten und Hollywoodhochadel... Weird, etwas trocken, nie klasse, etwas geschwätzig, aber gut genug. Zwischen Edeltrash und echter Sprengkraft.

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