Vor 21 Jahren kam Jacob's Ladder in die Kinos und immer wieder habe ich gelesen, was für ein großartiger Film das doch sein soll. Kein Wunder, denn wenn Tim Robbins in einer Hauptrolle zu sehen ist, kann man eigentlich auch nur einen guten bis sehr guten Film erwarten. Gestern habe ich mir nun also "Jacob's Ladder" angeguckt und wie das bei solchen Filmen immer ist, habe ich etwas total Anderes bekommen als ich erwartet habe. In diesem Film geht es um den Vietnam-Veteran Jacob Singer, der bei seinem Einsatz im Vietnam schwer verletzt wurde. Die meiste Zeit bekommen wir zu sehen, wie Jacob in der Gegenwart lebt und durch Alpträume und Visionen, sich an seinen Vietnam Einsatz zurück erinnert. Schnell stellt sich die Frage, ob das Alles nun Wirklichkeit ist oder ob Jacob bereits tot ist oder unter irgendeinem Drogeneinfluss steht. Der Film ist die meiste Zeit extrem verwirrend und lange Zeit tappt man wahrlich im Dunkeln. Jacob befindet sich nämlich nicht nur in einer Gegenwart, wo er mit der attraktiven Jezzy ein attraktives Liebesleben führt, sondern auch in einer Gegenwart, wo er noch mit seiner Frau zusammen lebt und sein kleiner Junge noch am Leben ist. Was ist nun Realität, was ist Fiktion oder stimmt etwa am Ende Beides? Übrigens wird der kleine Junge vom damals noch extrem jungen Macaulay Culkin gespielt und bei seiner, zugegen recht kurzen, Performance, ist es eigentlich schwer verwunderlich, wieso er zu so einem großen Kinderstar wurde. Am Ende lösen sich dann die meisten Rätsel auf, wobei ich sagen muss, dass mir sowas eigentlich nie sonderlich gefällt. Entweder möchte ich komplett im Dunkeln tappen und viel Freiraum für Interpretationen haben oder ich möchte eine klare Auflösung, in der keinerlei Fragen mehr offen bleiben. Dem Film fällt es am Ende schwer sich für eine klare Richtung zu entscheiden und so erhält man zwar ein abgeschlossenes Ende, welches allerdings noch ein paar wichtige Fragen unbeantwortet lässt. Dafür stimmt eigentlich der gesamte Rest in diesem Film. Wir bekommen einen grandiosen Tim Robbins zu sehen, der wiedermal übernatürlich gut schauspielert und den verwirrten Jacob wirklich sehr überzeugend verkörpert. In weiteren gut besetzten Nebenrollen sind u.a. Jason Alexander als schmieriger Anwalt und der junge Ving Rhames als ehemaliger Kamerad zu sehen. Die Atmosphäre in diesem Film ist einfach unglaublich und erinnert teilweise an die Silent Hill Spiele. Auch wenn der Film, mit Ausnahme von der üblen Anfangsszene, an sich nicht sonderlich brutal ist, so hat er permanent immer was Bedrohliches an sich und ist die meiste Zeit von einem unheimlichen Schleier umhüllt.
Jacob's Ladder ist ein Film, der vielleicht inzwischen schon überholt wurde, aber trotzdem etwas einzigartiges darbietet. Empfehlenswert ist der Film für alle Fans des Mystery-Kinos, doch sollte man nicht ganz so viel erwarten, wie in einem David Lynch Film. Wer aber Lust auf einen kurzweiligen und extrem unheimlichen Mystery-Trip hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Fazit : Mit Ausnahme von dem unreifen Ende ist "Jacob's Ladder" ein fantastisches, dezent gehaltenes Genre-Meisterwerk, das unter die Haut geht. Vielleicht sogar einer der besten Film mit Tim Robbins.
8/10