Was macht ein deutscher Schauspieler wenn's in Hollywood nicht klappt? Entweder er macht eine Darmspiegelung oder er dreht selber einen ami-typischen Film in Deutschland. Til Schweiger (King Arthur) hat sich glücklicherweise für letzteres entschieden. Dabei klaut der gute Til ordentlich bei Onkel Tarantino, weil der ja so coole Filme macht.
Die zwei Killer Leo (Til Schweiger) und Nico (Karina Krawczyk) verbocken ihre Aufträge. Den Tod im Nacken treffen sich beide in einer Kneipe, während zwei Vollidioten (Benno Fürmann und Florian Lukas) vergeblich versuchen eine Frau an Land zu ziehen...
Auch hier guckt Til Schweiger genauso trostlos drein wie Bernd das Brot. Um aber dennoch cool zu wirken, setzt er sich 'ne Brille auf, wenn er ballern will, und hat auch zwei Knarren dabei. Til macht in Sachen Dialogen seinem Nachnahmen alle Ehre, denn reden tut er wirklich nicht viel. Karina Krawczyk (Der Morgen nach dem Tod) sieht zwar gut aus, guckt aber ständig irgendwie vernebelt in die Kamera. Dann haben wir noch die zwei Ralle's, die als Bullen unterwegs sind: Ralf Richter (Superstau) und Ralph Herforth (Das Blut der Templer). Ich mag beide Schauspieler, doch man gibt ihnen hier nicht genügend Spielraum. Das hätte Til als Regisseur besser wissen müssen. Benno Fürmann (Die Nibelungen) und Florian Lukas (Good Bye, Lenin) spielen mal wieder die Nieten vom Dienst. Heiner Lauterbach (Schlaraffenland) läuft uns als Gangsterboss über den Weg, der komischerweise den Namen "Gesundheitsinspektor" hat. Da dachte sich der Til wohl, dass es kultig wäre, dem Heiner einen solchen beknackten Namen zu geben. Hausmeister-Fritze Tom Gerhardt (Resident Evil: Apocalypse) hat einen Kurzauftritt als FastFood-Restaurantbesitzer, wobei er aber genauso dumm in die Wäsche guckt wie sonst auch immer. Den besten Kurzauftritt hat allerdings Peter Maffay (Der Joker), da er kaum das Maul aufmacht und vom Til abgeknallt wird. Hier erweist sich Til dem Zuschauer als gnädig.
Die erste Filmhälfte wurde wohl von Co-Regisseur Granz Henman (Knallharte Jungs) inszeniert, da der Anfang noch recht gut rüber kommt. Doch ab etwa der Filmmitte kam dann wohl Til und hat gesagt: "Ich will auch mal!" Und ab da wird der Film deutlich schwächer. Die finale Baller-Orgie hat er dann dennoch gut gemacht, auch wenn sie etwas zu kurz und unblutig geworden ist. Dabei erinnert das Geschehen vor der Ballerei an einen klassischen Mexican-Standoff, wie man ihn in "Reservoir Dogs" und "True Romance" zu sehen bekommt. Auch ansonsten hat Schweiger bei "True Romance" ein wenig abgeguckt. Da labert Leo z.B. mit einem Spiegel, wie es auch Christian Slater getan hat. Dann hat er den Film noch mit einer Menge Cameo-Auftritten vollgestopft, wobei nur die Hälfte (z.B. Maffay, Lauterbach, Manfred Lehmann) gut ist. Zu hören bekommt man dann noch viel Schlager-Mucke, die einem auf Dauer aber an die Nerven geht. "Der Eisbär" als Film selber kommt größtenteils dermaßen pseudo-cool daher, dass man sich nur fragt, wer dem Til bloss den Regieposten gegeben hat.
Hätte man den Film eher der deutschen Kultur angepasst und dem Schweiger den Regiestuhl unterm Hintern weggezogen, dann wäre aus "Der Eisbär" noch ein ganz guter Germany-Streifen in bester Tarantino-Manier geworden. Doch auch so ist der Film so kacke, dass er schon wieder gut ist. Darum ist "Der Eisbär" zwar keine der großen Sternstunden des deutschen Films, dennoch ist er recht ansehbar!