"Nenn mir mal zwei typische Gegensätze zum Thema Film!" - "Öhm, deutscher Film... und Tarantino vielleicht?" - "Genau, danke!"
Til-ich-versuchs-jetzt-mal-in-Hollywood-Schweiger hat das in seinem Regiedebüt ändern wollen und den Film "Der Eisbär" gedreht. So ganz gelungen ist ihm dies (natürlich) nicht. Aber es ist ein netter Film bei rausgekommen, den man kennen sollte wenn man a) auf Tarantinofilme steht und b) auf deutsche Filme/Komödien. Die Story ist relativ lau und eigentlich nur von sekundärem Intresse, dafür entschädigen Dialoge und Nebenschauplätze, tarantino-eskes Geschwätz über Belanglosigkeiten und weiderkehrende Gags ("mild, sanfter Geschmack"). Ach, und eins vorneweg: Niemand würde so exzessiv diesen Film mit Tarantino vergleichen wollen, wenn nicht genau das der Anspruch der Filmemacher gewesen wäre. Und wer Ansprüche hochschraubt, muß auch mit Kritik leben können.
Die Handlung: Dem Bruce Willis seine Synchronstimme (Manfred Lehmann) ist der Gesundheitsinspektor und jagt Nuschelschweiger (genannt Klaus der Eisbär) als Kammerjäger um den Block ("Ich bin Kammerjäger. Ich geh da rein, mach die Ratte unschädlich und geh wieder raus"). Nur verhält es sich halt a bisserl anders: Die Ratten haben nur zwei Beine, der Gesundheitsinspektor ist Agent von Auftragskillern. Eine Frau (Petra, gespielt von Karina Krawczyk) ist ebenfalls im gleichen Gewerbe unterwegs. Sie und der Eisbär treffen sich in einer runtergekommenen Kneipe (Leander Haußmann als Wirt von "Paul's Eck") nach vermasselten Aufträgen.
Im ersten Drittel des Films erleben wir leider viel zu früh den Höhepunkt des Films: Telefonwirrwarr und Handygespräche als Eisbär Klaus gerade seine Arbeit tun will. Da ruft die Freundin seiner Ex an und die beiden diskutieren über Sex. Und die Mama, die ihren Sohnemann zum Spargelessen einlädt ("ich hab Dich auch lieb, Mama!"). Kurz drauf die zweite gute Szene: Die zu killende "Ratte" ist Peter Maffay und, oh wie schön, stirbt auch nach einem Drehbuchsatz ("was ist?") zügig an Bleivergiftung - trefflicher hätte die Rolle nicht besetzt werden können.
Doch ab hier merkt man deutlich wie die Ideen ausgegangen sind. Längen schleichen sich ein, lauer werdende Gags und der Beweis: Frauen können keine Witze erzählen. Til Schweiger könnte vielleicht, aber er kennt keinen Guten. Ist aber auch nicht weiter wichtig, da ab hier das ganze recht vorhersehbar abläuft. Überraschende Wendungen fehlen, allenfalls der Showdown gegen Ende kann hier nochmal die Fahne bis zur Mitte heben und im lauen Lüftchen etwas flattern lassen. Außerdem treten während des ganzen Films Widersprüche auf, die man auf den ersten Blick nicht gleich bemerkt, im Unterbewußtsein aber trotzdem pochen. Spielt das ganze Nachts? Warum hat dann die Kneipe offen, das portugiesische Restaurant aber zu? Bäckereien sind geschlossen, wie andere Läden auch, der Kiosk hat aber geöffnet? Wenn abends - dann muß es im Winter sein, sonst wäre es nicht so dunkel, kann aber auch nicht passen, da die Menschen auf der Straße kurzärmlige Sachen tragen. Überhaupt: Im einen Moment ist die Straße wie leergefegt, Schnitt, und die Straße ist mir nichts dir nichts belebt wie Samstags beim Sommerschlußverkauf. Hinzu kommt, daß viele Dinge überzeichnet dargestellt werden ohne die damit verbundene gewünschte Wirkung erzielen zu können. In einigen Szenen könnte man glatt vermuten, daß hier nicht nur eine Tarantinohommage entstehen sollte, man merkt deutliche Anleihen an "The Crow". Kameraspezialist bin ich auch nicht, aber trotzdem sei mir die Kritik erlaubt: Warum muß ganz am Schluß in der letzten Szene die Kamera wackeln? Jungs, stellt sie doch einfach auf ein Stativ am Straßenrand, der LKW fährt auch so aus dem Horizont und man bemerkt kein Bildwackeln wenn der Kameramann husten muß. Solche Kinderkrankheiten nerven und es ist zu wünschen, daß der zweite Anlauf diese ausmerzen kann.
Wer kleine Ungereimtheiten verzeiht und über einzeln dosierte Längen hinwegsieht, für den kann der Film ganz nett sein. Aber eine würdige Tarantino-Referenz ist es deswegen noch lange nicht. (5/10)