Review

Die Handlung ist (wie von einem FREITAG DER 13. auch nicht anders zu erwarten) rasch erzählt:
Eine Gruppe Teenies möchte die Sommerferien in einem Feriencamp am Crystal Lake verbringen, in dem vor fünf Jahren eine blutige Mordserie stattfand. Die damalige Täterin war die Mutter des jungen Jason Vorhees, der seinerzeit beim Baden ertrank, weil die Camp-Betreuer lieber Blume und Bienchen spielten, als sich um den armen Jason zu kümmern. Jetzt, in Teil 2, übernimmt der Sohnemann wieder das Ruder, bzw. die Machete/die Mistgabel/etc. und los geht das lustige Teenager-Schlachten...
NATÜRLICH stirbt jeder, der an vorehelichen Sex auch nur denkt. NATÜRLICH springt das Auto im entscheidenden Moment nicht an. NATÜRLICH ist es zuerst nur die Katze, die am Fenster kratzt, und dann erst der Killer. All die Genre-Formeln, die man kennt (und auch ein bißchen liebt, oder?), werden hier konsequent angewendet, und doch... Ich mag den Film! Wie schon Teil 1 ist FREITAG..., Teil 2 eine tiefe, vielleicht etwas linkische Verbeugung vor der Mutter aller Slasher-Filme: PSYCHO, bzw. dem amerikanischen Serial-Killer-Urmythos von Ed Gain. Nicht nur musikalisch wird der Hitchcock-Klassiker zitiert, auch bei Ginnie's Kneipenmonolog über Mutterliebe und Rache muß man sofort an Norman Bates denken. So ist es auch nur konsequent, daß Jason seiner toten Mami einen netten kleinen Altar gebaut hat, auf den er ihren mumifizierten Schädel gebettet hat, der dem von Norma Bates erschreckend ähnlich sieht. Abgesehen von dieser durchaus sympathischen Hommage steckt der Film auch sonst voll von netten Ideen, wie dem Rollstuhlfahrer, der wie der selbstbewusste, bodybuildende große Bruder des weinerlichen Rollstuhlfahrers aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE wirkt (TCM wird auch noch an anderer Stelle des Films gehuldigt). Jasons Hexenhäuschen im Wald hat mir auch gefallen, ebenso die Tatsache, daß Jason hier noch relativ "menschlich" wirkt: Er lässt sich von einem Tritt in die Familienjuwelen durchaus aus der Fassung bringen und als Ginnie mit der Kettensäge auf ihn losgeht, glimmt fast so etwas wie Panik in seinem einen sichtbaren Auge auf. Nicht, daß er sich von solchen Kleinigkeiten etwa aufhalten ließe, aber er wirkt noch nicht ganz so wie der unbesiegbare Super-Zombie. Der Kartoffelsack, den er trägt... hm, ja, nicht gerade die tollste Kopfbedeckung und eindeutig ein Minuspunkt. Mit viel gutem Willen ließe sich hier eine Parallele zum ELEFANTENMENSCH von David Lynch erahnen, allerdings tut mir bei dieser Überlegung das Herz gar zu weh, um sie weiterzuspinnen...
Das Blut fliesst mäßig, dafür wird hier mehr auf Licht- und Kameraspielchen gesetzt, die auch ziemlich effektvoll eingesetzt werden; als Beispiel für die einfallsreiche Bildsprache sei nur die Szene erwähnt, als Ginnie und ihr Freund, der Camp-Leiter, die Hütte nach Lebenszeichen durchsuchen und Ginnies Blick durch die Dunkelheit schweift, die nur durch die leicht erhellten Quadrate der Fenster unterbrochen wird. Die undurchdringliche Finsternis zwischen den Fenstern wirkt wie ein Abgrund, aus dessen Tiefe jederzeit die Gefahr hervorschnellen kann, und als Jason dann auftaucht, ist es, als manifestiere sich die Dunkelheit urplötzlich zu seiner Gestalt.
Wer anspruchsvollen Horror will, wird sich hier garantiert die Finger verbrennen, und Splatter-Fans werden auch etwas enttäuscht sein. Gute Popcorn-Unterhaltung ist FREITAG... 2 allemal, und außerdem nach inzwischen 24 Jahren schon ein echter Klassiker, dem man auch so manche Patzer und Merkwürdigkeiten gerne verzeiht!

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