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„Verlier nicht deinen Kopf!“

1984 schuf der australische Videoclip-Regisseur Russel Mulcahy mit seinem zweiten Spielfilm „Razorback“ einen bildgewaltigen Tierhorrorfilm, der eine volle Breitseite ‘80er-Jahre-Ästhetik auf den Zuschauer niederprasseln ließ. Nach einem Musikfilm für „Duran Duran“ gelangte er 1986 mittels der britisch-US-amerikanischen „Cannon“-Koproduktion „Highlander – Es kann nur einen geben“ zu erhöhter Popularität, so dass der Fantasy-Actioner gleich mehrere Fortsetzungen und eine TV-Serie nach sich zog.

Connor McLeod (Christopher Lambert, „Subway“) ist ein Highlander, ein Unsterblicher, der über Jahrhunderte hinweg gezwungen ist, gegen andere Highlander zu kämpfen – ganz unsterblich sind sie nämlich nicht: Enthauptet ein Highlander einen anderen, gehen all sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Macht auf den jeweiligen Sieger über. Im New York des Jahres 1986 sieht sich Connor mit dem bösen Kurgan (Clancy Brown, „Moonwalker“) konfrontiert, der seinen Kopf will – und einst bereits Connors Lehrmeister Ramíirez (Sean Connery, „Der Name der Rose“) tötete. Die Großstadt wird zur Kulisse einer epischen Schlacht zwischen beiden Highlandern…

„Mit dem Herzen, dem Glauben – und dem Stahl!“

Mit einer erläuternden Texttafel beginnt Mulcahy seinen Film, zu dessen Eröffnungstiteln bereits der Bombast-Rock-Soundtrack der britischen Band „Queen“ ertönt, der sich durch den gesamten Film zieht und eines seiner unverkennbaren Qualitätsmerkmale ist. Während sich in einer Wrestling-Arena Showkämpfe geliefert werden, geht es in der Tiefgarage um Leben und Tod: Der Schwertkampf zwischen zwei Highlandern, in dessen Folge einer enthauptet wird, ruft polizeiliche Ermittler auf den Plan. Damit ist die Ausgangssituation für den Film geschaffen, der fortan immer wieder von Rückblenden in jahrhundertealte Stationen aus Connors Leben unterbrochen wird. Untermalt von pompösen Klassikklängen, die den „Queen“-Sound prima ergänzen, führt die erste in eine Mittelalter-Schlacht, nach der Connors (Beinahe-)Unsterblichkeit entdeckt – und er verbannt wird, weil man ihn mit dem Teufel im Bunde wähnt. In der Gegenwart indes wird Connor zunächst einmal Opfer von Polizeigewalt und die Pathologin Brenda Wyatt (Roxanne Hart, „Oh Gott! Du Teufel!“) erweist sich als Schwertexpertin.

„Ich werde nie begreifen, wie unsere Polizei überhaupt wen schnappt!“

Ihr Interesse an Connors Katana ist unschwer als Metapher für ihr sexuelles Begehren zu deuten, denn fortan steht Connor nicht nur unter Beobachtung des NYPD, sondern auch Brendas, die ihm nachstellt und langsam aber sicher seinem Geheimnis auf die Spur kommt. Somit zeichnet sich „Highlander – Es kann nur einen geben“ inhaltlich durch zahlreiche Rückblenden von den Highlands im Mittelalter bis hin zur Nazi-Zeit, Schwertduell-Action, den altbekannten Kampf Gut gegen Böse und die Probleme, die der sich aktuell in einer Scheinidentität als Antiquitätenhändler befindende Connor McLeod als Unsterblicher hat und die ihn zunächst auch daran hindern, eine Liebesbeziehung mit Brenda einzugehen, aus.

„Ich lebe seit viereinhalb Jahrhunderten – und ich kann nicht sterben!“ – „Naja, wir haben alle unsere Probleme…“

Dies geht einher mit etwas Rührseligkeitskitsch, wenn er in einer der Rückblende seine im Gegensatz zu ihm gealterte Frau in seinen Armen sterben lässt. Ferner wird aufgedröselt, wie er jahrhundertelang unentdeckt ohne zu altern leben kann. Noch bevor das kritische Publikum also lauthals „Logiklücken!“ konstatieren kann, bemüht man sich um Erklärungen. Ursprünglich soll auf die Herausforderungen der Unsterblichkeit, ihre Schattenseiten, sogar viel stärkeres Gewicht gelegt worden und der Film dadurch düsterer ausgefallen sein. Schade, dass man dies zugunsten oberflächlicherer Unterhaltungswerte korrigierte.

Kurgan macht mit seiner auffälligen Halsnarbe optisch einiges her, albert blasphemisch in der Kirche umher und wurde auch sonst möglichst widerwärtig gezeichnet, dabei jedoch – um das Mainstream-Publikum zu erschrecken – in Rockrebellen-Lederkluft gesteckt, in der sich Clancy Brown indes sehr wohl zu fühlen scheint und mit sichtlichem Spaß am „Bösen“ seine Rolle ausfüllt. Zum Finale hin entführt er Brenda und wütet im Straßenverkehr, was reichlich Action bietet; ebenso natürlich das finale Duell, das unter Leuchtreklame eingeläutet wird, welche komplett „abgebaut“ wird, und sich schließlich in eine Halle verlagert. Da blitzt und explodiert es viel, bunte Computerblitze zucken über Leinwand bzw. Mattscheibe, Scheiben zerbersten und gezeichnete Dämonfratzen flattern durchs Bild. Ein bisschen trashig ist das schon.

Aber irgendwie auch geil, denn herrlich ‘80er, und Mulcahys Ausleuchtungen, das New Yorker Neon-Ghetto-Ambiente und die perspektivenreiche, dynamische Kameraarbeit sind von hohem ästhetischem Niveau und unverkennbar Kinder ihrer Zeit, einer Zeit, die Mulcahy durch seine Arbeiten aktiv visuell mitgestaltete. Ja, „Highlander – Es kann nur einen geben“ sieht einfach gut aus, wenngleich mich das noch offensivere, schon bavaeske Farbspiel in „Razorback“ noch mehr begeisterte. Aber „Highlander“ steht eben auch mit mindestens einem Bein im Fantasy-Kitsch, zehrt viel von seinen Mittelalter- Ausflügen und seinem Schwertkampf-Pomp und umgeht allzu düstere Stimmung durch komödiantische Einlagen (wie dem britischen Aristokraten-Duell). Ich kann gut verstehen, dass all das Mittelalter-Pathos mit seinen malerischen Bildern der tatsächlich wunderschönen schottischen Highlands in Kombination mit bzw. im Kontrast zu modernem ‘80er-Look reizvoll wirkt, aber so hundertprozentig meinen Geschmack trifft diese dick aufgetragene Power-Metal-Prätentiöse dann eben doch nicht. Dafür ist Cannons Spektakel er aber angenehm kurzweilig ausgefallen, durchaus seriös (gerade auch von Lambert) geschauspielert und visuell und akustisch ein herausragendes Stück ‘80er-Bombast-Kinos, das mir trotz seiner Fantasy-Klischees noch über mehr Seele zu verfügen scheint als manch andere zum Epos aufgeblasene Phantasterei jüngeren Datums. 6,5 von 10 Enthauptungen sind da schon drin, wohlgemerkt aus Sicht eines Fantasy-Skeptikers, aber Freunds der ‘80er-Kinoästhetik.

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