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„A Kind of Magic - im Kilt zum Kult"

Was macht eigentlich einen Kultfilm aus? Er kommt praktisch aus dem Nichts und erreicht eine überschaubare, aber fanatische Fangemeinde? Genau! Die wächst im Laufe der Zeit sogar noch an? Mit Sicherheit! Die Fortsetzung wird trotz miserabler Qualität ein größerer Erfolg als das Original? So ist es! Es gibt noch mehr schwache Sequels und sogar eine TV-Serie? Absolut! „Highlander" ist also Kult? Aber zu hundert Prozent.
Nun sagt das zunächst einmal nichts über die Qualität des Films aus, nur dass ihn eine bestimmte Gruppe von Filmfreaks geradezu verehrt. Im Falle von „Highlander" lassen sich dafür aber schnell einige Argumente finden, die diesen Status rechtfertigen, oder zumindest nachvollziehbar machen.

Der Australier Russell Mulcahy ist eines davon, wenn er auch damals aufgrund seiner Videoclip-Vergangenheit (u.a Video killed the Radio Star" und das beinahe epische Duran Duran-Video „Wild Boys") eher belächelt wurde. Heute, in Zeiten höchster Anerkennung für „Kollegen" wie David Fincher, Ridley Scott, oder jüngst Anton Corbijn, gelten Erfahrungen bei Werbung und Musikvideos fast schon als Gütesiegel. Zweifellos schärfen sie den visuellen Verstand, denn in wenigen Minuten muss man sich vor allm optisch schon etwas Besonders einfallen lassen, um nachhaltig zu wirken.

Mulcahy jedenfalls, hat hier erkennbar so einiges mitgenommen, denn „Highlander" bietet eine Vielzahl großartiger, visueller Einfälle. Schon der Auftakt setzt hier ein Ausrufezeichen. Eine computergesteuerte Kamera („Skycam") erweckt den Eindruck, ein Hubschrauber flöge während einer Wrestling-Show durch den New Yorker Madison Square Garden. In mitten der johlenden Menge fokussiert sie schließlich einen völlig abwesend wirkenden Zuschauer mit Trenchcoat und starrem Blick: Antiquitätenhändler Russell Nash. Schon hier wird klar, dass man es mit keinem gewöhnlichen Film zu tun bekommen wird, weder inszenatorisch noch erzählerisch.

Von Beginn an wird der Zuschauer auf eine Reise geschickt, von der er keine Ahnung hat, wo sie hinführen soll. Bereits nach wenigen Minuten setzt der sich durch den gesamten Film ziehende Perspektivenwechsel zwischen einer Gegenwart im New York des Jahres 1985 und einer Vergangenheit im mittelalterlichen Schottland des 15. Jahrhunderts ein. Man tappt lange Zeit im Dunklen, warum Nash in beiden Zeitebenen auftaucht. Handelt es sich um einen Vorfahren, wurde er wieder geboren, oder träumt er sich lediglich aus irgend einem Grund in diese spezielle Vergangenheit? Mulcahy lässt die Katze der Unsterblichkeit Connor MacLeods (alias Russell Nash) erst nach und nach aus dem Sack und damit auch den damit verbundenen Fantasy-Charakter des Films.

Dass dieses hin und her springen zwischen den beiden Parallelhandlungen nicht zu abrupt und unruhig wirkt, ist wiederum Mulcahys visuellem Einfallsreichtum und seinen Cutter-Fähigkeiten zu verdanken. Die Überleitungen sind stets fließend und nutzen optische Gelegenheiten wie Wasser, Gemälde oder einfach dunkle Flächen geschickt aus. Der märchenhafte und mysteriöse Ton des Films funktioniert so auch auf bildlicher Ebene und zieht den Zuschauer förmlich in die phantastische Welt der Unsterblichen.
Die Gegenwartshandlung hat dabei eine erdende Funktion, so dass die - abgesehen von ein paar wenigen, hauptsächlich verbalen Humorschlenkern - durchweg ernsthaft erzählte Fantasy-Geschichte stets eine gewisse Bodenhaftung behält. Auch die Spannungskurve läuft zweigleisig, da die Unsterblichen solange gegeneinander kämpfen, bis nur noch einer übrig ist, der dann einen geheimnisvollen Preis erhält und ganz nebenbei die Kräfte aller Unsterblichen in sich vereint. Bei diesem bereits jahrhundertelangen Kampf hat sich das Schwert als logische Waffe erwiesen, zumal nur ein abgetrennter Kopf den endgültigen Tod bedeutet. Zunehmend enthauptete Männer im New York der Gegenwart rufen aber natürlich die Polizei mitsamt der gewitzten Pathologin Brenda Wyatt auf den Plan, die nun parallel zum Zuschauer hinter das Geheimnis des Hauptverdächtigen Nash zu kommen versuchen.

Es ist ein großes Plus des Films, dass Mulcahy der Versuchung widersteht zu viel erklären zu wollen. Die ganzen Hintergründe des Clans der Unsterblichen sowie des ominösen Preises um den sie jahrhundertelang kämpfen, bleiben weitestgehend im Dunkeln und der Fantasie des Publikums überlassen. Als Deus ex machina fungiert der ägyptisch-spanische Edelmann Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez, der urplötzlich in den Highlands auftaucht und den verwirrten Connor zumindest ein paar erhellende Antworten liefert. Gleichzeitig trainiert er ihn für die große Auseinandersetzung mit dem stärksten der Unsterblichen, dem hühnenhaften Barbaren-Krieger Kurgan. Nichts weniger, als das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel.
Dass diese Sequenz nicht in die bräsige Erklär-Bär-Falle tappt, ist in erster Linie einem waschechten Besetzungscoup zu verdanken. Ur-Bond Sean Connery wirft sein unwiderstehliches Charisma in die Waagschale und siegt auf ganzer Linie. Mit seinem gewitzt-süffisanten und gnadenlos souveränen Auftritt wickelt er nicht nur den verdutzten MacLeod um den Finger, sondern auch gleich den schon zum Einspruch bereiten Zuschauer. Connery machte das so gut, dass er für die folgenden zwei Jahrzehnte auf die Rolle des ebenso weisen wie schlagfertigen und coolen Mentors abonniert wurde und seine Karriere nach den eher schwierigen 70er Jahren noch einmal so richtig durchstartete.

Überhaupt hatte Mulcahy ein glückliches Casting-Händchen. Den international relativ unbekannten und vor allem des Englischen nur sehr begrenzt mächtigen Franzosen Cristopher Lambert als schottischen Krieger zu besetzten zeugt mindestens von gehörigem Mut. Wie bei Connery ging auch hier die Rechnung voll auf, denn Lamberts immer leicht silbriger Blick (ohne Brille sieht er fast nichts) passte perfekt zur geheimnisvollen Aura des immerhin mehrere Hundert Jahre alten Nashs/MacLeods. Außerdem verstand er sich auf Anhieb prächtig mit Connery (kostenloser Sprachtrainer inklusive), was enorm wichtig war, da die Beziehung MacLeod/Ramirez das emotionale und narrative Zentrum des Films ausmacht.
Und schließlich war auch noch Clancy Brown ein Volltreffer als Wüstling Kugar, der vor allem die Gradwanderung seiner Gegenwartsszenen bravourös meisterte, in denen er als prollig-rüpeliger Punk-Terminator durch New York stapft. Das hätte leicht lächerlich werden können, aber Brown strahlt immer genügend Gefährlichkeit und Brutalität aus, um die Figur im roten Bedrohlichkeits-Bereich zu halten.      

Was „Highlander" aber schließlich endgültig von dem Gros gelungener Fantasy-Abenteuer abhebt, ist die Musik. Die Kollaboration zwischen Komponist Michael Kamen und der Rockgruppe Queen hievt den Film atmosphärisch auf ein neues Level. Freddie Mercury und seine Mannen sollten zunächst lediglich den Titelsong „Princess of the Universe" beisteuern, waren aber nach Sichtung des Materials so begeistert, dass sie extra weitere Songs kombinierten, die Elemente der Handlung aufgriffen, oder verstärkten. Herausragend dabei sicherlich das traurig-schöne „Who wants to live forever", das die Tragik der Unsterblichkeit thematisiert und die Szenen um Connors Erkenntnis seine geliebte Frau Heather langsam zu verlieren zum emotionalen Höhepunkt des Films machen.  Auch hier kommt Mulcahys Musikvideo-Erfahrung dem Film wieder zugute, da er genau weiß, wie sich Popsongs möglichst gewinnbringend in eine Filmhandlung integrieren lassen bzw. mit welchen Bildern sie besonders gut harmonieren. Kamen wiederum greift immer wieder die Queen-Songs in seinen Melodien auf und sorgt so für ein musikalisches Gesamtkunstwerk.

Zum Abspann fragen Queen „Is this a kind of magic?" und man kann nur lauthals antworten: „Yes, indeed!" „Highlander" verströmt auch nach über 30 Jahren Jahren noch etwas Magisches, Geheimnisvolles und ist zuvorderst ein audiovisuelles Erlebnis, das die im Grunde recht simple Handlung kaum als solche erkennbar werden lässt und man sich auch an der ein oder anderen logischen Ungereimtheit nicht sonderlich stört. Der ehemalige Videoclip-Regisseur Russell Mulcahy drückt dem Film vor allem optisch seinen Stempel auf und kreiert durch gewagte Kamerafahrten, ungewöhnliche Übergänge und rasante Schnitte, aber auch durch mystische Drehorte insbesondere in Schottland (u.a. Glen Coe, Isle of Skye, Eilean Donan Castle) eine ganz eigene, phantastische Atmosphäre. Zwar kann es nicht nur einen geben, dennoch wird das Siegel "Kult" heute so inflationär wie unberechtigt für jeden zweiten Film gebraucht, „Highlander" dagegen hat es sich redlich verdient. Den Stempel als Fantasy-Klassiker gibt´s gratis dazu.

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