Highlander, 1986 v. Russell Mulcahy
Unsterblichkeit - Bestandteil von Heldensagen, Fantasygeschichten und dergleichen. Auch ein Kernelement in Russel Mulcahys Fantasyfilm von 1986. Der unsterbliche Connor Macleod, 1518 geboren in Schottland und noch lebendig im Jahre 1985. Wenn das kein magischer Stoff für die Kinoleinwand ist, was dann?
Mit dem Hauptdarsteller Christopher Lambert ist ein echter Glücksgriff gelungen. In Europa hatte der französisch-amerikanische Schauspieler schon Bekanntheit durch Hauptrollen in Greystoke oder Subway von Luc Besson erlangt, hier spielt er wohl die Rolle seines Lebens und das mit absolut großartiger Leistung. Clancy Brown hat hier mit seiner ersten großen Rolle als Antagonist einen bleibenden Eindruck hinterlassen der Kultverdächtig ist. Ein Mann der keine Einführung oder Erklärung braucht ist Sir Sean Connery, der hier die Mentorrolle gibt. In jeder Hinsicht eine absolute Bereicherung für den Film.
Der Film beginnt im Jahre 1536, dem Jahr des Todes von Connor Macleod. Bei einer Schlacht der Macleod's gegen die Fraser's wird Connor vom schwarzen Ritter Kurgan (Brown) tödlich verwundet und stirbt. Wie durch ein Wunder erwacht er und atmet wieder, wird aber von seinem Clan und seiner Heimat vertrieben ehe ihn einige Zeit später der spanische Ägypter Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez (Connery) findet. Dieser weiß welche Erfahrungen Macleod durch macht und erklärt ihm die Regeln der Unsterblichen. Sie kämpfen bis zur großen Zusammenkunft gegeneinander und können Ihresgleichen nur töten, indem sie dem Gegner den Kopf abschlagen. Jahrhunderte später im Jahre 1985 begegnet Connor seinem Erzfeind Kurgan wieder. Die Zusammenkunft steht bevor und am Ende kann und wird es nur einen geben!
Die Handlung des Films springt immer wieder geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart her, ohne jedoch dem Film oder der Erzählweise zu schade. Das Tempo bleibt eigentlich stetig hoch und Mulcahy schafft es hervorragend die Rückblenden passend einzufügen und das ganze wie aus einem Fluß wirken zu lassen. Nie wirken die Rückblenden deplatziert oder gar unangemessen. Sie sind unterhaltsam und fügen sich wie bereits erwähnt auch nahtlos ein, werden aber durch die schönen Landschaftsaufnahmen des unbeschreiblich sagenhaften Schottland absolut prachtvoll präsentiert. Die On-Location Drehs haben dem Film in jeder Hinsicht gut getan. Die Highlands sind eine wahre Augenweide, weswegen ich mich auch jedes mal wieder auf die Rückblenden freue. Schottland ist genau wie dieser Film, einzigartig und unsterblich. Einfach eine wahre Augenweide.
Die Gegenwart ist ebenfalls toll erzählt und lässt alles perfekt zusammen laufen. Connor wird von der eifrigen Pathologin Brenda Wyatt (gespielt von Roxanne Hart), die zufällig auch sehr viel Wissen über antike Schwertschmiedekunst hat beobachtet. Auch hier macht Mulcahy alles richtig und erzählt die Geschichte ruhig und durchdacht. Während der Protagonist und die Frau sich näher kommen, springt er in die Vergangenheit zu Connors damaliger großer Liebe Heather und zeigt die Schattenseiten des Unsterblich-seins. Niemals altern, während alle anderen um dich es tun. Durch die Jahrhunderte wandern ohne große Chance auf eine feste Bindung bis zum Tode. Das spielt gut hin und her, zwischen Vergangeheit und Gegenwart. Lamber spielt beide Seiten seiner Figur absolut großartig und glaubwürdig. Auf der einen Seite ist er in der Vergangenheit ein glücklicher, verliebter Mann der sein Leben genießen und mit der Frau an seiner Seite alt werden will während er in der Gegenwart ein gebrochener und vom Leben gezeichneter ist. Durch all die Verluste, all die gelebten Leben hat er sich verändert. Distanziert zu den Menschen, lustlos was das eigene Leben angeht. Er wirkt müde von allem. Das spielt Lambert absolut großartig. Ebenfalls lobenswert ist natürlich Connery der in der Mentorrolle absolut aufblüht und hier eine seiner denkwürdigsten Rollen hat. Man nimmt ihm zweifelsohne seine Rolle ab, so absurd sie auf dem ersten Blick auch scheinen mag. Ein schottischer Schauspieler der einen Ägypter mit spanischem Namen spielt. Großartige Leistung, mit einigen tollen, weisen Szenen die den Protagonisten auf das vorbereiten was vor ihm liegt. Ebenfalls absolut eindrucksvoll ist der von Clancy Brown gespielte Antagonist Kurgan, der nicht nur absolut bedrohlich und böse wirkt sondern auch in jeder Hinsicht ein würdiger und großartiger Bösewicht ist. Seine physische Präsenz, seine Dialoge und sein Auftreten fügen sich perfekt zusammen. Seine Einführung in der Gegenwart mit dem großartigen Queen Song Gimme the prize ist nicht nur genau on point wie der Rest seiner Szenen, sie ist eine von vielen Szenen die eine perfekte Symbiose zum Soundtrack bilden. Auch mit den weiblichen Darstellern und Figuren hat man alles richtig gemacht. So ist Beatie Edney als liebenswerte Heather perfekt besetzt, genau wie Roxanne Hart. Die Darsteller sind alle perfekt für ihre Rollen und tragen ihren Teil dazu bei das alles im Film rund wirkt.
Zwar ist Michael Kamen für einen großteil des Soundtracks verantwortlich, der zweifelsohne klasse ist und jede Szene bereichert, so sind es aber doch die Queen Songs die dem Film den letzten Schliff verpassen der ihn perfektioniert. Obgleich es "Princess of the Universe" ist, der den Film einleitet oder der herzzereißende "Who wants to live forever" der vielleicht dem absolut emotionalen Höhepunkt des Films schafft und noch schmerzhafter macht. Die Musik fügt sich großartig ein und bereichert eigentlich jede Szene. It's a Kind of Magic, don't lose your Head oder One Year of Love sind weitere fantastische Songs, die im Film zu hören sind.
Mulcahy ist hier ein großartiges Stück 80er Jahre Fantasykino gelungen, das für jeden etwas bieten dürfte. Es gibt eine fantastische und dramatische Liebesgeschichte, einige tolle Fantasyelemente, ordentlich inszenierte Action und einen wundervollen Soundtrack. Es gibt sympathische Charaktere, einen starken Bösewicht und tolle optische Schauwerte. Ganz gleich ob das wundervolle Schottland, die Schwertkämpfe oder die Erneuerungen. Der Film hat so viel zu bieten das er auch in vielen Jahre noch gefallen dürfte. Durch die Rückblenden fügt sich alles immer mehr und es läuft unweigerlich darauf hinaus das Connor sich seiner Nemesis stellen muss. Diese parallel laufende Handlung die immer mehr zusammenläuft funktioniert hervorragend und ist eine der großen Stärken des Films. Die Darsteller, die Musik - das stimmt alles. Highlander ist ein Stück Filmgeschichte, ein Film der die 80er in jeder Pore atmet, ein Film der unsterblich ist, genau wie seine Figuren.
10/10