Review

Im Subgenre des Kannibalenfilms gibt es viel zu entdecken: Meisterwerke wie Ruggero Deodatos kompromissloser, aber handlungstechnisch ausgereifter Found Footage-Klassiker "Cannibal Holocaust", ebenso wie Plagiate und Reißbrettproduktionen wie "Die Rache der Kannibalen" oder Varianten der Thematik wie "Asphalt Kannibalen" oder "Zombies unter Kannibalen". Und dann gibt es unterirdischen Schund, der mit dem Kannibalenfilm so gut wie überhaupt nichts gemeinsam hat, aber die Thematik reißerisch ausschlachtet, um die Kasse klingeln zu lassen.

Die Rede ist von einem Machwerk, wie es grausamer und langweiliger kaum sein kann...eine deutsch-spanisch-französische Gemeinschaftsproduktion, deren Verantwortliche man wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Europäischen Gerichtshof von Den Haag zerren müsste. Den Namen des Titels auszusprechen, grenzt schon an Beihilfe zu einer Straftat, die man als "Verbreitung seelischer Grausamkeit" bezeichnen könnte.

Es ist schon unglaublich, wie eine hanebüchene Story auf 98 Minuten gestreckt werden kann - eine Story, die offensichtlich im Suff entstanden ist, und, auf Zelluloid gebannt, den inszenatorischen Offenbarungseid darstellt. Ein langweiliger, stupider Rotz, anstrengend zu schauen, bei dem einem Augen und Ohren bluten und eine bizarre Geräuschkulisse den Zuschauer an den Rand des Wahnsinns treibt und ihm den letzten Nerv raubt.

Zur Story: ein alternder, mit Ketten behangener Spargeltarzan, der auf omnipotenten Sexprotz macht, entführt, zusammen mit Deutschlands Export-Psycho Werner Pochath und der blondierten Sleaze-Bitch Gisela Hahn, ein dummes, aber nett anzuschauendes Filmsternchen, das von Uschi Buchfellner dargestellt wird. Zur Lösegeldübergabe verschanzt man sich auf eine Insel, die einen Kannibalenstamm beherbergt, der einem Gott huldigt und diesem Menschenopfer spendiert.
Ist die Story schon an Schwachsinn kaum zu überbieten, so ist die Darstellung der Kannibalen an peinlichen Dilettantismus ebenfalls rekordverdächtig hoch angesiedelt: Der Kannibalenstamm wurde größtenteils aus Statisten jeglicher Couleur rekrutiert, wobei auf ein gepflegtes Aussehen, perfekt sitzende Frisuren, manikürte Fingernägel, strahlendweiße Zähne und akkurat gestutzte Bärte aller größten Wert gelegt wurde.
Ein Pfahl mit einem ulkigen Götzenbild und zwei Bambushütten, dazu endloses Dreschen auf die Buschtrommel - fertig ist das Dorf der wilden Eingeborenen. Atmosphäre wird in diesem Film nämlich sehr groß geschrieben. Dazu gibt es dann immer wieder atemberaubende rituelle Tanzeinlagen zu bewundern, bei denen eine dunkelhäutig pigmentierte Statistin zuckend in Ekstase gerät, als würde sie einen epileptischen Anfall haben. Und die Luft auf dieser Insel scheint ohnehin magische Kräfte zu haben - denn wer angeschossen wurde, erholt sich sehr schnell von seinen Wunden.

Und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Herzlich Willkommen bei Jess Francos "Jungfrau unter Kannibalen" - jener stumpfsinnige Schmock, der nicht einmal als Trashfilm funktioniert, sondern die globale Volksverdummung gnadenlos auf die Spitze treibt.
Dabei entpuppt sich der verehrte Kannibalengott als froschäugiger, nackter Neger mit dicken Pimmel, der seine Opfer nagelt, bevor er sich deren Herz schmecken lässt. Die obligatorischen Ausweidungsszenen darf man jedoch nicht erwarten, denn mangels Budget musste schon die hübsche Uschi während des gesamten Films ohne Kostüme auskommen - entsprechend mager ist die Effektarbeit ausgefallen: blutig, aber einfallslos und miserabel.
Um Kannibalismus zu suggerieren, wird zu merkwürdigen Stöhnlauten unentwegt ein Close Up auf Innereien gezeigt, die nach Herzenslust durchgematscht werden.
Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, wird im Angesicht ständiger Gefahr gevögelt, als gäbe es kein Morgen mehr! Achja, Al Cliver, der den Trip auf Fulcis "Schreckensinsel der Zombies" nicht ganz so gut weggesteckt hatte, ist als furchtloser Retter in der Not ebenfalls noch mit von der Partie, und liefert sich mit dem Pimmel-Kannibalen einen finalen Kampf, der jeglicher Beschreibung spottet und einmal mehr für unfreiwillige Komik sorgt.

1/10

Details
Ähnliche Filme