John Grisham ist nicht nur hierzulande ein beliebter Autor, auch in Hollywood dienen seine Romane sehr häufig als Vorlage für Produktionen.
Niemand versteht es besser die amerikanische Justiz und die Mentalität der Südstaatler interessanter in Storys zu verpacken als der US-Amerikaner.
Hinter „Die Kammer“ verbirgt sich aber darüber hinaus noch einer der besten, cineastischen Beiträge zum Thema Rassismus.
Sam Cayhall (Gene Hackman) sitzt seit 30 Jahren in der Todeszelle, weil er aus rassistischen Motiven eine jüdische Familie per Bombenattentat getötet haben soll. Sein Enkel Adam (Chris O’Donnell), ein junger, aufstrebender Anwalt versucht Sams baldige Hinrichtung zu verhindern. Dabei stellt Adam aber fest, wie wenig Bezug er eigentlich zu seinem Großvater hat.
Vordergründig erscheint der Plot wie ein trivialer Kampf gegen die Zeit, bei dem die Schuldfrage wieder einmal zweifelhaft ist. Kratzt man ein wenig an der Oberfläche, offenbaren sich allerdings die tiefen Abgründe des Rassismus, verlagert in Richtung des Ku-Klux-Klans.
Die Beziehung zwischen Sam Cayhall und Adam durchlebt eine Entwicklung, die Ablehnung bis hinzu einer dramatischen Zuneigung umfasst. Adam kennt seinen Großvater eigentlich gar nicht, für ihn ist Sam ein verbohrter Rassist, den er lediglich aus familiären Pflichten und beruflichen Gründen verteidigt. Erst die Nachforschungen lenken seine Aufmerksamkeit auf wichtige, entscheidende Fragen, die ihm helfen zu verstehen, warum sein Großvater zu solch einer Bestie wurde.
Von Kindheit an war Sam Cayhall mit Rassismus konfrontiert, in jungen Jahren wurde ihm suggeriert, dass es normal sei Schwarze zu hängen, weil sie Abschaum sind und es nicht verdient hätten zu leben. Diese Mentalität, die Adam zunächst völlig fremd war, löst bei ihm einen Prozess aus, durch den er Sam nicht mehr nur als Bestie betrachtet, sondern auch als Opfer von abscheulichen, menschlichen Makeln.
Chris O’Donnell zeigt sich hier als Adam Hall von seiner besten, weil leidenschaftlichsten Seite. Sehr glaubwürdig durchlebt er einen Konflikt aus Ablehnung und Fürsorge gegenüber seinem Großvater. Des Weiteren brilliert Gene Hackman als Sam Cayhall, einem Ku-Klux-Klan Mitglied, für das vorerst nur Hass verspürt werden kann, aber später, als sein Leben reflektiert wird, ein groteskes Gefühl aus Verabscheuung und Mitleid entsteht.
Auf erschreckende Art und Weise bietet „Die Kammer“ eine neue Perspektive in Hinblick auf Rassismus in den Südstaaten Amerikas und den unglaublichen Denkweisen, die mehr oder weniger aktuell sind. Verpackt in einer weniger innovativen, aber spannenden Grundstory, entsteht ein Film, der bis zur letzten Sekunde fesselt und zum Nachdenken anregt. (8/10)