Review

Staffel 1, Episode 2

Nach dem sehr positiven Eindruck des Pilotfilms war die Erwartungshaltung auf die weiteren Folgen von "Night Gallery" bei mir durchaus groß. Episode 2 (zählt man den Pilotfilm nicht als Episode mit) besteht aus drei Kurzgeschichten: "Room With A View", "The Little Black Bag" und "The Nature of the Enemy".

"Room With A View" kann man schwerlich als Beitrag im Grusel- oder Horrorgenre (zumindest im konventionellen Sinne) werten, insbesondere auch, weil inhaltlich keinerlei übersinnliche oder phantastische Elemente vorhanden sind. Viel eher passt hier die Bezeichnung "Suspense" und zwar im besten Sinn á la Hitchcock. Ein invalider, bettlägeriger Ehemann rächt sich an seiner untreuen Gattin, indem er sich der Hilfe seiner Pflegeschwester bedient und sich ergo als alles andere denn hilflos oder handlungsunfähig erweist. In der weiblichen Hauptrolle ist hier Diane Keaton zu bewundern.

Qualitativ ist diese Geschichte sowohl erzähltechnisch, schauspielerisch und dramaturgisch als sehr gelungen zu bezeichnen. Zwar ahnt man die Schlußwendung voraus, dennoch bleibt eine angenehme Wirkung nicht aus, wenn diese auf dem Bildschirm dann vollzogen wird. Die Story ist zwar nicht weltbewegend, hat aber von Anfang bis Ende Hand und Fuß. Eine kurzweilige, straffe Inszenierung. Im gegebenen Kontext sind 8 / 10 Punkten absolut angebracht.

"The Little Black Bag" schöpft dann dafür umso mehr aus dem Vollen, was die eigentliche, inhaltliche Konzeption von "Night Gallery" angeht (sprich: Sci-Fi / Übersinnliches / Horror in bester Pulp Manier á la Weird Tales, oder eben dem Vorgänger  "Rod Serling's Twilight Zone"). Eine Medizinertasche aus dem Jahr 2098 landet versehentlich durch eine Zeitreise in der filmischen Gegenwart, also etwa dem Jahr 1970 und wird dort von zwei Obdachlosen gefunden, durch welche die wundersamen Fähigkeiten der Tasche alsbald Anwendung finden - mit guten und schlechten Auswirkungen für die Beteiligten.
 
Ziemlich trashig (und das ist nicht einmal wirklich negativ gemeint) kommt "The Little Black Bag" rüber, sowohl optisch, als auch inhaltlich. Anno 2007 wirkt die Story doch furchtbar hanebüchen, was aber irgendwo auch gerade den Charme dieser und vergleichbarer Serien ausmacht und natürlich auch wieder auf die literarische Tradition der Schundromane in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts verweist. Wahnsinnig originell ist das Ganze jedoch nicht, so dass m.E. hier nicht mehr als knapp 6 / 10 Punkten drin sind.

"The Nature of the Enemy" dokumentiert den mysteriösen Angriff einer unbekannten, feindlichen Macht auf die Astronauten einer Mondexpedition, während die werten Kollegen der Mission Control von der Erde aus hilflos zusehen müssen.

Visuell schwankt dieser Beitrag erwartungsgemäß erneut zwischen einer angestaubten, trashigen Optik und dem nostalgischen Flair der frühen 70er. Inhaltlich muss man "Nature of the Enemy" als einen gutgemeinten Witz verstehen, dessen Schlußpointe nicht eindeutig als gelungen oder mißlungen bewertet werden kann. Garantiert werden manche Zuschauer die Auflösung als albern und unkomisch empfinden, während andere, ob der Freiheit die das Format von "Night Gallery" bietet, den Schlußgag als neckische Selbstironie des Genres betrachten werden. Subjektiv gibt's von mir knapp 7 / 10 Punkten.

Fazit: Eine Durschnittsbewertung anhand der Einzelbewertungen zu treffen hat wenig Sinn. Schließlich wertet ein überdurchschnittlicher Beitrag einen Rohkrepierer nicht zum Mittelmaß auf und umgekehrt. Ich halte "Night Gallery" jedoch auch heute noch für sehenswert, auch wenn mir bislang der Pilotfilm (deutscher Titel: "Und die Alpträume gehen weiter") von allen Aspekten her am besten gefallen hat.

Details