Einen klasse Auftakt zu Rod Serlings "Night Gallery" stellen die beiden Kurzfilmbeiträge der 1. Episode dar. Knapp eine halbe Stunde lang ist "The Dead Man", basierend auf einer Geschichte des renomierten Pulp-Autoren Fritz Leiber und nimmt somit mehr als die Hälfte der Sendezeit in Anspruch. Inhaltlich geht es um einen Arzt, der Forschungen auf dem Gebiet der Hypnose betreibt. Nach anfänglichen Erfolgen geht eines seiner Experimente schief - mit tödlichen Folgen für die Beteiligten.
Sehr atmosphärisch und stimmungsvoll ist "The Dead Man" geraten - eine Art Mischung aus "mad scientist" Geschichte und klassischer Gothic Story um eine Rache aus dem Jenseits. Man merkt der Umsetzung den literarischen Hintergrund an, da die Dialoge schön ausgearbeitet sind und sich nicht in den für TV-Formate üblichen Plattheiten erschöpfen. Anstatt viel beschreibende Worte über die Hypnosemethode zu verlieren, wird mit simplen aber überzeugenden Mitteln einfach deren Wirkung am menschlichen Versuchskaninchen gezeigt, etwa wenn dessen hypnotisierter Körper die Symptome verschiedener Krankheiten imitiert.
Die Schauspieler verstehen ihr Handwerk und auch die Inszenierung ist vom Spannungsaufbau her sehr gut gelungen, bis hin zum schaurigen Höhepunkt am Ende. Großartig umgesetzt und geradezu exemplarisch ist etwa das Spiel mit Licht und Dunkelheit auf dem Friedhof, wobei wirklich erst die allerletzte Einstellung die Vorahnung des Zuschauers zur grausamen Gewissheit werden lässt. (8.5 / 10 Punkten)
"The Housekeeper" ist um gut ein Drittel kürzer als "The Dead Man" und kann mit Larry Hagman in der Hauptrolle glänzen, der hier schon mal für seine Rolle als Ekel J.R. in "Dallas" sein diabolisches Grinsen üben darf. Als Ehemann einer reichen, aber überaus kaltherzigen Dame experimentiert er mit schwarzer Magie, um das Wesen seiner Gattin gegen die Persönlichkeit einer liebenswerten alten Dame auszutauschen.
"The Housekeeper" kommt mit etwas schwarzem Humor daher (man beachte zum Beispiel die Anspielung auf die Froschschenkel im Restaurant) und auch hier wurde wieder mit einfachsten Mitteln größtmögliche Wirkung erzielt. So wurden nach dem Persönlichkeitstransfer der beiden Damen einfach die Stimmen der beiden Schauspielerinnen vertauscht, was stimmungsmäßig einen verblüffenden Effekt beim Zuschauer erzeugt. Auch hier gibt es in der letzten Szene einen netten Twist, dessen Wirkung von Mr. Hagmans finalem Kommentar gänsehauterregend unterstrichen wird. (7 / 10 Punkten)
Fazit: Es sollte eigentlich unnötig sein zu erwähnen, dass man "Night Gallery" nicht nach heutigen Maßstäben oder Sehgewohnheiten beurteilen kann. Wer heutzutage von Horrorfilmen spricht, weckt wohl ganz andere Assoziationen, als die Schauergeschichten von "Night Gallery". Wer jedoch filmischen Adaptionen des gruseligen Schundromans gegenüber positiv eingestellt ist, der bekommt eben dies bei "Night Gallery" auf sehr ansprechende Art und Weise geboten - nicht mehr und nicht weniger.