Die dritte Episode von "Night Gallery" enthält mit "The House" und "Certain Shadows on the Wall" zwei recht ruhig inszenierte Geschichten, bei denen es gelungen ist, die reduzierte Handlung durch eine stimmige Atmosphäre passabel aufzuwerten.
In "The House" geht es um eine junge, hübsche Dame mit Psychiatrieerfahrung, die in ständig wiederkehrenden Träumen mit einem ominösen Haus konfrontiert wird, welches sie jedoch nie zu betreten wagt. Bis sie eines Tages tatsächlich vor dem Haus ihrer Träume steht...
Wie bereits erwähnt, es passiert handlungstechnisch nicht wirklich viel. Stattdessen gibt es gleich zu Beginn als Exposition eine fast schon surreale Traumsequenz, die auch in einem Jean Rollins Film passen würde. Wenn sich die hübsche Hauptdarstellerin im wallenden Kleid geradezu schlafwandlerisch durch farbenprächtige Kulissen auf das Haus zu bewegt, dann hat das fast schon etwas poetisches. Da erneut eine literarische Vorlage verwendet wurde, sind die Dialoge (und auch der beschreibende Kommentar aus dem off) recht eloquent ausgefallen. Die Auflösung ist passend zu der gediegenen Erzählweise sehr unspektakulär ausgefallen und bietet zudem eine halbwegs originelle Variation bekannter Geisterhausgeschichten. (8 / 10 Punkten).
"Certain Shadows on the Wall" fällt keinen Deut temporeicher aus und die Hintergrundgeschichte hat einmal mehr das Motiv der Erbschleicherei, nebst den obligatorischen Konsequenzen im Jenseits. Es ist schon etwas auffällig, dass das Motiv des Mordes aus Habgier, um vorzeitig an ein Erbe zu gelangen, nun schon mehrfach in "Night Gallery" aufgegriffen wurde. Ob das etwas mit dem damaligen Zeitgeist zu tun hat?
Hier bringt ein Bruder seine kränkelnde Schwester ums Eck, nur um anschließend mit seinen anderen Geschwistern wegen des Erbes selbst in Konflikt zu geraten. Stilistisch ist "Certain Shadows on the Wall" ein Paradebeispiel für die Verquickung von Suspense und Gothic Horror. Angst machen kann man heutzutage damit wohl keiner Seele mehr, aber zumindest optisch ist die Umsetzung wieder sehr ansehnlich geworden. Wie der Titel bereits verrät, liegt das Hauptaugenmerk auf den Schatten der Protagonisten. Diese sind filmisch sehr schön integriert worden und auch das alte Herrenhaus, das mit kurioser Kunst vollgestopft ist wie ein Museum, bietet einiges fürs Auge. Nostalgischer Grusel in entsprechender Umgebung eben. (6.5 / 10 Punkten)