Es ist kaum verwunderlich, dass ein Film wie "Friedhof der Kuscheltiere" ein Sequel bekommt. Die Story ist durchaus ausbaufähig, man kann schön viel Blut reinbringen und unterhaltsam ist das alles schon. Und dafür setzt sich Mary Lambert erneut in den Regiestuhl, um das Sequel zu ihrem wohl berühmtesten Film zu zaubern.
Und das ist ihr grob gesagt ganz nett gelungen, aber an den diversen Feinheiten aus dem Original hielt sich Lambert offensichtlich nicht. War das Original, dessen Drehbuch Stephen King persönlich verfasst hat, ein psychologisches (Meister)Werk, lässt Lambert eben jenen sensiblen Rahmen flöten gehen und ersetzt die Rahmenhandlung stattdessen durch eine typisch aufgesetzte Plastiktüte, die jede Sekunde zerreißen kann. Es geht um den jungen Jeff, der erst vor kurzem seine Mutti verloren hat, und seinen Vater, wie sie nach Ludlow ziehen, wo Jeffs Vater einen Tierarzt-Job bekommen hat. Jeff macht sich allerdings nicht überall beliebt, denn bald hat er die Schul-Rowdys am Hals und kommt so in den Kontakt mit dem mysteriösen Tierfriedhof, der eine Art Vorplatz zum Indianer-Friedhof darstellt, der etwas weiter entfernt vor sich hin ruht.
Und schon ist der Plot erzählt. Kings ruhigen Aufbau aus dem Original darf man hier nicht erwarten. Hier wird nur darauf hingearbeitet, soviel Blut wie möglich zu zeigen, mal abgesehen von modrigen Toten. Der Anfang des Films hätte man sich hier locker schenken können, denn das ist schon fast der bescheuertste seit langem. In einer alten Burg (!!) dreht Jeffs Mutter gerade einen Film (Sie ist die Hauptdarstellerin) und quatscht dann und wann mal mit ihrem Sohn, den sie mit aufs Set genommen hat. Doch irgendein Techniker hatte anscheinend ein Sieb im Kopf, denn Jeffs Mutter stirbt bei einem dummen Unfall mit Elektrizität und verbrennt sich die Birne an ein paar Gitterstäben. Herzlichen Glückwunsch.
Und dann setzt der Film nach dieser Szenerie grob an Muttis Beerdigung an. Schön und gut, aber schon an den ersten 5 Minuten erkennt man, dass Lamberts Sichtweise eine andere ist als im Original. Man ahnt schon, dass der Toten-Grenzwert hier überschritten wird. Und so ist es dann auch, zuerst stirbt der Hund von Drew, dem momentan besten Freund Jeffs. Drew weiß selbstverständlich vom Indianerfriedhof (Stand ja bestimmt überall in der Zeitung) und kommt auf die Schnapsidee, seinen Hund dort zu begraben. Gesagt getan. Natürlich wissen wir alle, was kommt, und so kehrt der Hund vermeintlich lebend des Nachts zurück. Der Hund hat knallrote Augen und eine riesige Schusswunde am Bauch, aber Drews Stiefvater Gus geht trotzdem so rüde wie möglich mit ihm um, der Hund muss ja lernen wer Herr im Haus ist. Und so stört sich anscheinend niemand an der Tatsache, dass der Hund alles andere als munter ist und seine Blutprobe anzeigt, dass er eigentlich längst tot ist.
Nächste sehenswerte Szene: Halloween.
Die Kinder und Jugendlichen der Stadt kleiden sich authentisch wie es nur geht (Der Rowdy mit dem flotten Ohrring trägt eine stilsichere Damenstrumpfhose über'm Kopf) und versammeln sich am Tierfriedhof, wo sie sich gruselige Sachen erzählen, so auch die Geschichte von den Creeds (Der Familie im Original) und was mit ihr passiert ist. Aber wie es nunmal bei jeder Party so ist, taucht irgendwann mal der Papa von einem Jungen auf, in diesem Fall Gus höchstpersönlich. Alle fliehen und Gus greift zur wohl (Achtung Ironie!) liebevollsten Erziehungsmethode: Mal eben ein Holzkreuz aus dem Boden gezogen und den Stiefsohn damit verprügeln. Doch Drews Zombie-Hund sieht das ungern, geht auf Gus los und reißt ihm die Kehle auf. Und nun liegt Gus da, und was würden sie in so einer Situation tun? Richtig, ihn bei dem Indianerfriedhof verbuddeln. Wie Jeff und Drew den 2-Meter Gus die Klippen hochgezogen haben bleibt wohl immer ein Rätsel, vielleicht haben sie ihn sich zugeworfen?
Überraschung! Gus kehrt zurück! Der liebe Vati hat natürlich immer noch die Wunde am Hals (Was aber niemanden zu stören scheint) und ist ganz wild auf Liebe mit Frauchen.
So geht die Familienidylle ihren Weg. Gemütliche Familienessen mit Gelächter und Essen, was aus der Halswunde rausquillt; spontane Kaninchen-Rupf Aktion und nicht zuletzt ab und zu mal ein verständliches "Ughh!" seiten des Zombies.
Doch irgendwann ist mal jede Atmosphäre futsch und so reiht sich ein weiterer Toter in die Liste. Der richtig coole Rowdy mit dem Ohrring fällt Gus zum Opfer (Auf unappetliche Art und Weise) und wird wenig später von diesem begraben (Raten sie mal wo!).
Und jede jetzt aufkommende Szenerie ist entweder dunkel, blutig oder möglichst eklig. Jeffs Vater bumst im Traum mit seiner Frau (Die zwei herrliche Plastik-Brüste hat...), die plötzlich den Kopf eines Hundes bekommt; Gus geht wenig später mit einer Bohrmaschine auf Jeffs Vater los; Der Rowdy kehrt auch zurück und kotzt seine Feinde an und so weiter und so weiter. Besonders die zweite Hälfte des Films ist nichts für schwache Mägen.
Und was hat uns das nun gebracht? Ein Film, wo die selben beiden Personen wieder aus der Stadt fahren, in die sie am Anfang ziehen wollten. Sinn und Zweck der Sache gleich Null. Lambert hat nur ordentlich Ketchup ins Geschehen gerüht, das kann man sagen. Im direkten Vergleich zum Original fällt der Film richtig tief ab. Eine einzige Ansammlung von möglichst ekligen Untoten, literweise Himbeersirup und leicht zu merkenden Fakten ist noch lange kein gutes Sequel. Hier und da gibt es natürlich auch gute Szenen, wenn Gus z.B Jagd auf seinen Stiefsohn macht oder wenn Drews Hund wiederkommt. Ich sag ja auch nicht, dass der Film schlecht ist.
Und auch die Schauspieler sind nicht ganz schlecht, aber einige Gurken sind trotzdem zu nennen. Wenn Edward Furlong uns Jeff gibt, wirkt er andauern angepisst. Pupertät Deluxe meets Friedhof der Kuscheltiere. Furlong ist wahrlich nicht der schlechteste Jung-Darsteller, aber hätte man nicht ein breites lächeln oder so mit einbringen können, damit man wenigsten ein bisschen Sympathie zu dem Bengel aufbaut? Pluspunkt des Films ist klar Clancy Brown als Gus, der alles aus seiner Rolle rausholt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass Brown der beste Schauspieler dieses Films ist. Und auch die Nebenrollen sind akzeptabel bis durchschnittlich, aber was wirklich schlechtes ist nicht dabei.
Zuletzt kann man sagen, dass Friedhof der Kuscheltiere 2 Kings Vorlage um einiges vergewaltigt. Wie schon gesagt, allein durch die Anhebung der Gore-Effekte hat man lange keinen guten Film in der Hand. Unterhaltsam und einigermaßen spannend ist der Film, aber wenn man King in seiner niedergeschriebenen Horrornatur mag, sollte man beim Original bleiben.
Fazit
Netter Horrorfilm, der als Sequel nicht unbedingt völlig misslingt, aber lange nicht so gut ist wie sein Vorgänger. Nette Darsteller, eine schöne Unterhaltungskurve und (wer denn drauf steht) einiges an Blut machen den Film aber zumindestens für Fans ganz ansehbar.
6/10