ACHTUNG ! SPOILER !
„Mit ihren schweren Harleys donnern sie über den Highway. Eine Anhalterin wird brutal vergewaltigt. Nach einer Messerstecherei werden drei Rocker verhaftet. Beim Ausbruch aus der Zelle töten sie mit unglaublicher Brutalität den Sheriff. Von nun an sind sie in ihrer zügellosen Aggression nicht mehr zu bremsen. Raubend und mordend hinterlassen sie bei ihrer Flucht eine blutige Spur durchs ganze Land. Doch ein zu allem entschlossener Verfolger sitzt der Bande bereits im Nacken. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Drei junge Mädchen, ebenso wild wie die Biker, stehen zwischen den kämpfenden Parteien.“ (Covertext VHS / DVD)
David L. Hewitt at his worst!
THE GIRLS FROM THUNDER STRIP ist ein no budget Wald und Wiesen Film über eine Bande von Motorrad-Rockern (drei (3) an der Zahl!), die bereits nach wenigen Minuten OHNE ihre Bikes dastehen. Danach sind sie nur noch mit dem Auto unterwegs.
Der schlecht gespielte und nachlässig inszenierte Film drangsaliert den Zuschauer mit seiner eintönigen Geschichte um ein paar brutale Biker und einige Hillbilly-Girls, die sich endlose und langweilige Verfolgungsjagden mit den örtlichen Gesetzeshütern liefern, nur um diese dann mit abstoßender Brutalität ins Jenseits zu befördern. Untermalt wird das ganze unschöne Treiben von nicht enden wollendem Banjo-Gezeter.
Unentschlossen schwankend zwischen stumpfer Komödie, in der tumbe Polizisten herum kaspern, und brutalem Rocker-Movie, wird das ganze noch ärgerlicher dank einer dümmlich-derben „Schnoddersynchro“ von Rainer Brandt, die hier völlig fehl am Platze ist.
Lachhafter Höhepunkt des Films ist gewiss die haarsträubende Schlussszene. Da sehen wir, wie sich einer der verfolgten Rocker in eine Höhle flüchtet. Schnitt. Für Sekundenbruchteile zoomt dann die Kamera auf den Kopf eines ausgestopften (!) Pumas. Schnitt. Anschließend folgt eine Totale des Eingangs der Höhle, aus der lautes Gebrüll und einige gellende menschliche Schreie zu hören sind. Angelegenheit erledigt!
Diese pragmatische Sequenz stellt gleichsam die Quintessenz der filmischen Philosophie von David L. Hewitt dar.
Fred Olen Ray schreibt über die Produktion des Films u.a.: „GIRLS FROM THUNDER STRIP evolved from a script by Texas filmmaker Pat Boyette. […] The picture was shot on short-ends (short lenghts of film left over when a partially used camera magazine is unloaded at the end of the day), and all the crew and actors worked on a deferrend payment basis. […] The film cost $50,000.“ (Ray: 93)
Der unerschütterliche David L. Hewitt, der eigentlich mehr für seine Filme mit phantastischem Sujet bekannt ist, inszenierte diesen Film mit einigen Darstellern und Technikern, die sich bereits bei diversen unterfinanzierten Biker- und Actionfilmen bewährt hatten. Hinter der Kamera waren u.a. Pat Boyette (Drehbuch), Gary Graver (Kamera / Schnitt / Darsteller), Mrs. Jean Hewitt (Make-up / Script Überwachung) und Tausendsassa Harry Woolman (Spezialeffekte) tätig.
Vor der Kamera tummeln sich Darsteller wie etwa Jody McCrea, der gerade seine Phase mit harmlosen „Beach Party Filmen“ für AIP hinter sich gebracht hatte; Maray Ayres als Hillbilly-Braut, die zumeist nur in ihrer Spitzenunterwäsche herumläuft; Mick Mehas, der als Michael J. Mehas auch als Co-Produzent des Films fungierte; Lindsay Crosby, einer der Söhne von Bing Crosby, der häufiger in diversen Trash-Filmen mitwirkte (Big Foot); William Bonner als besonders sadistischer Rocker, der (ähnlich wie L. Crosby) privat nicht viel zu lachen hatte; Casey Kasem, ehemaliger TV-DJ, der ebenfalls in diversen low budget Filmen zu sehen ist und der später als Sprecher in zahlreichen Animationsfilmen um „Scooby-Doo“ sein Brot verdiente; Megan Timothy, die noch in zwei weiteren Filmen von Hewitt zu sehen ist, ansonsten aber nur eine sehr schmale Filmographie vorzuweisen hat; Jack Starrett, der später selbst Regie bei einigen low budget Filmen führte und danach häufig für das Fernsehen arbeitete; Bruce Kimball (aka Bruce Kemp), der zeitweise auf die Darstellung schmieriger Charaktere abonniert war; Kimballs älterer Bruder Dan Kemp, der hier eine kleine Rolle innehat; und der einmalige Gary Kent, über den man ein ganzes Buch schreiben könnte, wenn er das nicht bereits selbst erledigt hätte. Er beschreibt darin z.B. die „disturbing“ (Kent: 246) Dreharbeiten für THE GIRLS FROM THUNDER STRIP auf der berüchtigten „Spahn Ranch“, auf der Charles Manson auch während des Drehs sein Unwesen trieb: „...no one knew what Charlie Manson was up to, but he and his crowd were always hanging around. They […] try and borrow your lunch, because they were always hungry.“ (Kent in Albright: 123)
Möglicherweise entstand der Film back-to-back mit Hewitts zweitem Biker-Film „Hells Chosen Few“, denn einer der Darsteller in GIRLS FROM THUNDER STRIP trägt eine Jeans-Jacke mit dem Schriftzug „Hells Chosen Few“! Wann genau der Film gedreht wurde, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zumeist wird das Jahr 1968 angegeben, doch die erste Aufführung fand wohl erst 1970 statt.
Brian Albright ist der Ansicht, GIRLS FROM THUNDER STRIP „...may be David Hewitt's best film“ (Albright: 122), eine Meinung, der man sich schwerlich anschließen mag.
Unter dem Titel DIE RASENDEN ROCKER VOM THUNDER STRIP (FSK 18) brachte „Constantin“ den Film 1972 in die deutschen Kinos. Die Länge betrug 2211 Meter, was einer Laufzeit von ungefähr 81 Minuten entspricht. In den 80er Jahren wurde der Film unter dem Titel BRUT DER GEWALT von „Greenwood Film“ auf Video herausgebracht, Laufzeit 72:42 Minuten. Eine im Web verfügbare Originalfassung läuft 72:34 Minuten. 2021 kam eine auf 1000 Exemplare limitierte DVD von „Cargo Records / Mr. Banker Films“ in Deutschland heraus.
Drehbuchautor PAT BOYETTE (Aaron P. „Pat“ Boyette 1923 - 2000), der vor allem als Comic-Book-Künstler bekannt war, begann seine Karriere beim Radio. In den 50er Jahren war er „Director of News and Special Events“ beim TV-Sender „KENS-TV“ in San Antonio. 1962 drehte er den Film „The Weird Ones“, bei dem er auch als Autor und Produzent fungierte. Zwei Jahre später inszenierte er den Horrorfilm „Dungeons of Harrow“, in dem er auch Darsteller mitwirkte. Russ Harvey, der Hauptdarsteller dieses Films war 1964 Produzent, Regisseur und Drehbuchautor des Films „No Man's Land“ an dem Boyette als Associate Producer und Co-Regisseur beteiligt war. Seine Karriere als Comic-Autor begann erst Mitte der 60er Jahre.
JODY (JOEL DEE) MCCREA wurde am 6. September 1934 als Sohn des Schauspielers Joel McCrea und der Schauspielerin Frances Dee geboren. Er gab sein Filmdebüt 1955 in „Lucy Gallant“. Von 1959 bis 1960 spielte er neben seinem Vater in der Westernserie „Wichita Town“. In den frühen 60er Jahren sah man ihn häufig in diversen „Beach-Party-Movies“. In den späten 60er Jahren trat er dann in diversen Biker-Filmen in Erscheinung. 1970 war er noch einmal mit seinem Vater zusammen in dem Western „Cry Blood Apache“ zu sehen. Danach zog er sich weitgehend vom Filmgeschäft zurück. „Lady Streetfighter / Woman in Anger“ von 1975 / 1980 war der letzte Film, in dem er zu sehen war. Gary Kent schreibt über Jody u.a.: „Tall, rangy, and good-looking like his dad Joel […] Jody was easy-going and pleasant to work with. He seemed totally unimpressed with the business of acting or being the offspring of such revered parents.“ (Kent: 245) McCrae starb 2009.
Aus der Werbung (Plakat):
Meet the Girls: Three Moonshining, Bootlegging, Hellraising Sisters That Turn The Bluegrass Red With Blood
Dynamite action...Souped up cars, illegal whiskey, wild women and souped up thrills!
LIL She can out drive, out shoot and whip any man!
BIG RED She turns men on...then cuts them down!
JESSE Baby sister. A hot blooded alley cat!
Kerle wie Stiere, Mädchen wie Wildkatzen! Die unerbittliche Jagd auf die brutalsten Banditen Kaliforniens! (Plakat)
Literatur:
Gary Kent: Shadows & Light. Journeys with Outlaws in Revolutionary Hollywood, Dalton Publishing 2009
Brian Albright; Wild Beyond Belief! Interviews with Exploitation Filmmakers of the 1960s and 1970s, McFarland 2008
Fred Olen Ray: The New Poverty Row. Independent Filmmakers as Distributors, McFarland 1991